Bodensee-Vergissmeinnicht Eine Pflanze droht für immer zu verschwinden
Das Bodensee-Vergissmeinnicht verwandelt das Ufer des Sees jedes Jahr aufs Neue. Aber es zählt mittlerweile zu den gefährdeten Arten – und doch machen jüngste Daten Hoffnung.
Das Bodensee-Vergissmeinnicht verwandelt das Ufer des Sees jedes Jahr aufs Neue. Aber es zählt mittlerweile zu den gefährdeten Arten – und doch machen jüngste Daten Hoffnung.
Bis zu sommerlichen Badefreuden ist es am Bodensee noch einige Zeit hin. Wer in diesen Tagen dann doch am Ufer unterwegs ist, wird nicht schwimmen, sondern nach Grünem schauen. Die Vegetation am Ufer lockt viele Menschen an, die den Übergang vom nassen Winter zum Frühjahr beobachten wollen. Eine er interessantesten Pflanzen ist so zierlich, dass man zwei Mal hinsehen muss, um sie zu entdecken und dann nicht zu zertreten: das Bodensee-Vergissmeinnicht mit zierlichen hellblauen Blüten. Unscheinbar steht es zwischen den Kieseln am Ufer, es behauptet sich gegen Wind und die Tritte von grobem Schuhwerk, die achtlos über die grünen Matten streifen. Der größte Konkurrent sind die Grillfeste mit Lagerfeuer. Sie zertreten die Pflanzen und versengen sie.
„Diese Vergissmeinnicht-Art ist endemisch“, berichtet die Landschaftsökologin Irene Strang im Gespräch. Diese Pflanze wächst außer am Bodensee nur noch am Starnberger See. Früher waren die blauen Blüten noch am Lago Maggiore zu finden, doch sind sie inzwischen ausgestorben. Umso genauer schauen die Ökologen im Kreis Konstanz hin. „Wir haben eine Verantwortung“, sagt Frau Strang klar. Auch der Naturschutzbund (Nabu) und sein Zentrum am Wollmatinger Ried weisen eindrücklich auf die Gefährdung hin.
Dort erhält man auch einen Tipp, wo man das selten gewordene Gewächs beobachten kann: Die „Myosotis Rehsteineri“, so der Fachbegriff, treibt Jahr für Jahr am Konstanzer Hörnle aus – dem größten Strand der Städter. Und man findet es in großen Polstern im Flachwasserbereich der Hegner Bucht. Dort zieht es Jahr für Jahr botanisierende Strandläufer an, die begeistert vor jedem aufgespürten blassblauen Polster stehenbleiben. Vom Strandbad Hegne aus sind die zierlichen Schönheiten gut zu erkunden.
Dieses Vergissmeinnicht ist ein Überlebenskünstler. „Es ist eine amphibische Pflanze, die mit saisonalem Hochwasser gut zurechtkommt“, berichtet die Biologin Strang. Nicht nur, dass es zwischen den Kieselsteinen überlebt und seine Blätter zwischen dem Gestein durchzwängt; es verfügt auch über resistente Wurzeln. „Durch ihren niedrigen Wuchs und die Bildung von Ausläufern überstehen die Pflanzen eine alljährliche sechsmonatige Überflutung“, berichtet das Nabu-Bodenseezentrum. Die Appelle der Naturschützer scheinen zu fruchten: „Glücklicherweise konnten sich der Strandrasen in den letzten Jahrzehnten etwas erholen“, heißt es dort.