Böblingen Anwohner fordern Ende des „Schießlärm-Terrors“

Bei der Lärmdämmung ist kein Fortschritt erkennbar. Der Zorn richtet sich gegen die US-Army und die Stadtverwaltung.

Vor elf Monaten kamen viele Nachbarn des Schießstands zur Sitzung ins Rathaus, wo die US-Army ihre Lärmdämmungspläne vorstellt (in der Mitte Lucienne Graupe und Ulrich Durst). Foto: factum/
Vor elf Monaten kamen viele Nachbarn des Schießstands zur Sitzung ins Rathaus, wo die US-Army ihre Lärmdämmungspläne vorstellt (in der Mitte Lucienne Graupe und Ulrich Durst). Foto: factum/

Böblingen - Knapp ein Jahr es her, dass die US-Army ihr Konzept zur Dämmung des Schießlärms im Böblinger Gemeinderat vorgestellt hat. Die einen – etwa­ Politiker wie der CDU-Abgeordnete Marc Biadacz – feierten dies als großen Durchbruch. Andere – vor allem die Bewohner des unmittelbar an die Schießanlage angrenzenden Wohngebiets Rauher Kapf – waren hingegen enttäuscht. Mehr als 60 waren damals zur Sitzung gekommen. Dass allein die Planung des Vorhabens 18 Monate dauern soll, bevor es dann an die Bauarbeiten geht, das empfanden die lärmgeplagten Bürger als Tiefschlag.

Nun, elf Monate später, ist die Stimmung auf dem Rauhen Kapf auf dem Tiefpunkt angelangt. Das liegt vor allem am andauernden Schießlärm. Nach Wahrnehmung der Nachbarn ist er noch aggressiver geworden. „Die von Colonel Raddatz versprochene Mittagspause wird nicht eingehalten. Das ist täglicher Schießlärm-Terror“, klagt Ulrich Durst, der Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Schießlärm. Seine Nachbarin Lucienne Graupe, Mutter zweier Kinder, berichtet: „Manchmal wird bis spätabends geschossen. Und seit neuestem gibt es zusätzlich regelrechte Detonationen. Das ist unerträglich.“

Die Anwohner beklagen die Null-Informations-Politik

Ein Ende sei nicht in Sicht. „Ein Jahr ist seit der großen Sitzung vergangen. Doch wir hören nicht, wie es mit der Dämmung vorangeht. Wir erhalten null Informationen“, so Graupe weiter. Auf Nachfragen unserer Zeitung bei der Stadt Böblingen und dem Staatlichen Hochbauamt Stuttgart, das für die Planung der Dämmung zuständig ist, heißt es: „Alles ist im Zeitplan.“ Die Hauptverantwortung trägt das Staatliche Hochbauamt Stuttgart. Dessen Chef Armin Weber teilt schriftlich mit: „Die Vorplanung wurde bereits im April 2019 abgeschlossen, und wir stellen ein Planungsende im Frühjahr 2020 und einen Baubeginn im Spätsommer 2020 in Aussicht.“ Die Bauzeit kalkuliert er mit noch mal neun Monaten. Er fügt allerdings­ an: „Die Termine können sich jedoch noch ändern, wenn es zu gegenwärtig nicht erkennbaren Einflüssen kommt.“

Dieses Statement empört Ulrich Durst: „Was gibt es bei einem von der Bundeswehr fertig getesteten Konzept denn noch so lange zu planen?“ Sein Eindruck: Statt zu bauen, werde das Projekt „in den Institutionen rumgereicht“. Sein Zorn richtet sich dabei gegen die Stadt und die US-Army gleichermaßen. Seine große Befürchtung: „Je länger sich die Vorbereitungen verzögern, desto teurer werden die Bauarbeiten. Und dann will sie plötzlich keiner mehr bezahlen.“ Eine Million Euro soll die Lärmdämmung kosten, 300 000 Euro will die Stadt Böblingen übernehmen, 700 000 Euro die US-Army.

Ansprechpartner bei der US-Army fehlt

Die Schießlärmdämmung sei ein Thema von „großem öffentlichen Interesse“, sagt Ulrich Durst. Täglich erhalte er Beschwerden. „Und nicht nur von unmittelbaren Nachbarn der US-Army: „Der Schießlärm dringt an manchen Tagen bis ins Böblinger Stadtzentrum.“

Zwei Dinge fordern Durst und seine Mitstreiter daher: eine genaue Information der Stadtverwaltung darüber, „wann genau was passiert bei der Schießlärmdämmung.“ Und zudem von der US-Army „endlich einen Ansprechpartner“, an den sie sich wenden können, wenn es mal wieder unerträglich laut wird.