Böblingen: Die Sanierung der Bohrlöcher beginnt Hoffen auf das Prinzip Zement

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Die ersten Löcher der 17 schadhaften Erdwärmebohrungen werden gestopft. Der Kreis muss eine siebenstellige Summe vorstrecken.

In der Siemensstraße in Böblingen werden zwei Bohrlöcher saniert. Wie sehr sich die Erde danach noch hebt, ist offen. Foto: factum/Weise
In der Siemensstraße in Böblingen werden zwei Bohrlöcher saniert. Wie sehr sich die Erde danach noch hebt, ist offen. Foto: factum/Weise

Böblingen - Eine riesige Hochdruckpumpe steht in der Siemensstraße vor dem Haus Nummer 13. Ein Bauwagen reiht sich an den anderen. Hochdruckschläuche liegen im Vorgarten. In einem der Containerwagen befindet sich die Injektions- und Steuerungslage, mit

deren Hilfe Zement bis in 130 Meter Tiefe gepumpt wird: Die Vorbereitungen für die erste Sanierung von schadhaften Erdwärmebohrungen sind am Freitagnachmittag beendet. Am Montagmorgen soll es losgehen. „Wir hoffen, dass die Verfüllung mit Zement Wirkung zeigt und die Hebungsgeschwindigkeit abnimmt“, sagt Werner Schubert, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen (IGE-BB).

Die Erde hat sich bereits einen halben Meter gehoben

Pro Monat quille der Boden in dem Wohngebiet an der Stuttgarter Straße im Norden Böblingens um drei bis fünf Millimeter auf, sagt Jochen Weinbrecht, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Bisher habe sich die Erde dort bereits insgesamt zwischen 45 und 50 Zentimeter gehoben. Auch im Süden in der Feldbergstraße und in der näheren Umgebung sollen Geothermiebohrungen daran Schuld sein, dass sich die Erde hebt. Dort sind die Bewegungen mit zwei bis drei Millimeter monatlich etwas geringer.

Fast 200 Hausbesitzer haben Schäden an ihren Gebäuden gemeldet, fast alle sich in der IGE-BB zusammengeschlossen. Der Freiburger Rechtsanwalt Eberhard Haaf, der in Staufen die von Erdhebungen und Gebäuderissen betroffenen Eigentümer vertritt und nun auch die IGE-BB, hat für den Böblinger Gesamtschaden eine Hausnummer genannt: Mindestens 50 bis 60 Millionen Euro.

Mehr als zwei Zentimeter breite Risse

Doch an die Sanierung der Eigenheime ist noch lange nicht zu denken. „Und nun kommt der Winter“, sagt Schubert, der die noch verhältnismäßig schmalen Risse an seinem Haus mit Acrylkleber geschlossen hat. In anderen Gebäuden sind die Spalten an Böden, Wänden und Decken schon mehr als zwei Zentimeter groß. Sechs Häuser müssen statisch abgesichert werden, weil Einsturzgefahr herrscht. Zur Sicherheit hat Antonio La Marra mit seiner Familie aus seinem Haus in der Feldbergstraße ausziehen müssen. Seine vorübergehend angemietete Wohnung hätte er Ende des Jahres räumen müssen, weil der Eigentümer – die Kreissparkasse Böblinen – das Gebäude verkaufte. Nun erhält er aber wieder einen Mietvertrag: Von der Katholischen Kirchengemeinde, die das Haus erwarb. „Der Druck, eine neue Bleibe zu suchen, ist weg“, sagt La Marra. Die Unsicherheit aber bleibt, was aus seinem Haus in der Feldbergstraße wird.

Auch die anderen Geschädigten müssen warten, bis die Sanierung der Bohrlöcher abgeschlossen ist und sich die Erde nicht mehr hebt. Und bis die Frage der Kostenübernahme geklärt ist. Laut Schubert hat die Firma Gungl, welche die Erdwärmebohrungen zwischen den Jahren 2006 und 2008 durchführte, mehrfach die Versicherung gewechselt. Das mache die Sache schwierig. Ein Ansprechpartner ist die Allianz. Doch führten die Verhandlungen bisher nicht weiter. Weil es für die Versicherer noch nicht als erwiesen gilt, dass die Geothermiebohrungen an dem Desaster Schuld sind.

Für die Kosten soll das Land aufkommen

Der Landkreis muss für die Sanierung der Bohrlöcher nun eine siebenstellige Summe vorstrecken. Wenn die Versicherungen nicht zahlen, werde das Land später für die Kosten aufkommen, hofft Weinbrecht. Nun soll der Minister zu einem Baustellenbesuch eingeladen werden. „Ich bin doch schon bekannt wie ein bunter Hund“, sagt der Oberpolier dort, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er tauche bereits überall im Internet auf, weil er auch in Staufen die Bohrlöcher saniert habe. In Böblingen fängt der Medienrummel erst an




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