Böblingen Feucht wie in einem Stollen

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Seit Ende April läuft die Sanierung der Tiefgarage Stadtmitte in Böblingen. Die knapp sechs Millionen teure Maßnahme soll bis Oktober nächsten Jahres abgeschlossen sein. Ein Blick auf die Baustelle

Wasserdampf trübt die Sicht auf der Baustelle unter Tage. Foto:  
Wasserdampf trübt die Sicht auf der Baustelle unter Tage. Foto:  

Böblingen - Quadratmeter für Quadratmeter frisst sich der Wasserstrahlroboter wie eine Höllenmaschine durch den Beton, fräst die ersten acht Zentimeter des Bodens in der Tiefgarage Stadtmitte ab und legt das darin eingelassen Baustahlgerippe frei. Trotz Gehörschutz herrscht ein ohrenbetäubender Lärm in dem Halbdunkel. Rund 1000 bar betrage der Wasserdruck, erklärt einer der Arbeiter. Dieser unvorstellbaren Wucht hält ganz offensichtlich nicht einmal Beton stand. Etwa hundert Quadratmeter der Deckschicht könnten die Arbeiter nach eigenen Angaben pro Tag auf diese Weise entfernen. Seit Ende April läuft die Sanierung der Tiefgarage.

Es ist eine harte Arbeit, welche die Männer in Schutzkleidung dort unten leisten. Einer bedient den Roboter, während seine Kollegen die Wände und Säulen bearbeiten. „Es ist hier wie in einer Sauna“, meint einer von ihnen. Der Vergleich ist passend: Wasserdampf steht in der Luft. Auf 45 Grad Celsius erhitzt der Roboter das Wasser und presst es mit hohem Druck gegen den Betonboden der Garage.

Die Sanierung kostet knapp sechs Millionen Euro

Die 5,7 Millionen teure Instandsetzung des 1980 erstellten Bauwerks war notwendig geworden, da Streusalz den Untergrund zerfressen und auch schon den Baustahl angegriffen habe, erklärt Melanie Smekal, die Sprecherin der Stadtwerke, die das Parkhaus betreiben. Nun werde im ersten Sanierungsschritt der Stahl im Boden erneuert, mit Beton wieder verfüllt und das Ganze anschließend mit einer Beschichtung überzogen, damit künftig kein salzhaltiges Tauwasser mehr eindringen kann.

Doch nicht nur die Bauweise des Untergrunds entspricht nicht mehr modernen Standards, auch der Brandschutz müsse den neuen Vorschriften angepasst werden, sagt Smekal. Dafür müssten vor allem die Fluchtwege besser kenntlich gemacht werden, damit sie auch dann noch schnell zu finden sich, wenn die Tiefgarage voller Rauch ist. Dazu habe man vor Beginn der Sanierung gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Böblingen einen so genannten Rauchversuch gemacht, um zu prüfen, ob Qualm wie vorgesehen abziehe oder ob er womöglich in die Lüftung eindringe, erklärt Smekal. Bei dem Praxistest habe sich gezeigt, dass alle Annahmen einer zuvor ausgearbeiteten Computersimulation zuträfen, so die Stadtwerke-Sprecherin.

Nicht nur der Brandschutz wird optimiert

Neben der Verbesserung des Brandschutzes unter anderem durch neue Sprinkler-, Brandmelde- und Kohlenmonoxid-Warnanlagen werde man, so Smekal, das Belüftungssystem erneuern und die Beleuchtung austauschen. Zudem soll ein frischer Farbanstrich das Erscheinungsbild der Tiefgarage aufhellen. Auch soll die Einteilung der Parkplätze an moderne Anforderungen angepasst werden und extra Familienparkplätze ausgewiesen werden. Diese breiter angelegten Stellflächen werden mit eigenen Piktogrammen an Boden und Wänden gekennzeichnet sein.

Um nicht das gesamte Parkhaus sperren zu müssen, haben die Stadtwerke die Arbeiten in drei Bauphasen eingeteilt. Derzeit ist der Bereich unter dem Marktplatz dran. Daher kann die Zufahrt von der Pfarrgasse bis einschließlich Oktober nicht genutzt werden. Außerdem stehen momentan 140 der insgesamt knapp 400 Stellplätze nicht zur Verfügung. Im zweiten Sanierungsschritt, der im November beginnt, wird der Bereich Altstadt Nord angegangen, danach folgt von Mai nächsten Jahres an der Parkhausteil Rathaus.

Auch während dieser Zeiten müssen Nutzer Einschränkungen hinnehmen, kündigt die Stadtwerke-Sprecherin Smekal an. So kann in Phase zwei zwar die Tiefgarage sowohl von der Pfarrgasse als auch von der Stadtgrabenstraße aus angefahren werden, aber eine Durchfahrt von einem Teil des Parkhauses in den anderen ist nicht möglich. Während des letzten Bauabschnitts ist dann wieder nur noch eine Zufahrt offen – die in der Stadtgrabenstraße.