Zum Tod des Böblinger Alt-Landrats Reiner Heeb Fleißiger Schaffer für die Sache

Kompetent, fleißig, schwäbisch-charmant: Reiner Heeb als Landrat Foto: Landratsamt

Reiner Heeb führte den Landkreis Böblingen von 1973 bis 2000 und meisterte viele Herausforderungen. Am vergangenen Dienstag ist er im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

Als Reiner Heeb im Jahr 1973 zum Böblinger Landrat gewählt wurde, galt das als kleine Sensation. Denn der gebürtige Stuttgarter gehörte der SPD an und war somit der erste „rote Landrat“ in Baden-Württemberg – auch wenn er später zur CDU wechselte. In einer Kampfabstimmung setzte er sich seinerzeit gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Petersen durch und führte fortan die Geschicke des Landkreises – mit großem Fleiß und einem enormen Weitblick. 27 Jahre lang brachte er als Böblinger Landrat etliche Großprojekte auf den Weg – vom Restmüllheizkraftwerk bis zur Reaktivierung der Schönbuchbahn. Am Dienstag ist Reiner Heeb nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren verstorben.

 

„Der Landkreis Böblingen trauert um einen Menschen, der in 27 Jahren als Landrat eine gewaltige Aufbauarbeit geleistet und dem ganzen Landkreis maßgeblich seinen Stempel aufgedrückt hat“, schreibt Landrat Roland Bernhard zum Tod seines Vorgängers. Reiner Heeb war als fleißiger Schaffer bekannt, der den Kreis Böblingen so gut als möglich voranbringen wollte. „Er war einer, der bis spät in die Nacht am Schreibtisch saß und äußerst akribisch gearbeitet hat“, so Bernhard.

Verdienstmedaillen und Bundesverdienstkreuze erhalten

Heeb sei immer ein Visionär gewesen, und einer, der weitreichende Ideen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürgern entwickelte, betont Bernhard. Das wurde vielfach gewürdigt – Heeb wurde nicht nur die Verdienstmedaille des Landkreises Böblingen und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, sondern auch das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen.

Dabei hatte es Reiner Heeb von Beginn an nicht leicht. Nach verschiedenen Anstellungen bei einer Bank, im Regierungspräsidium und im baden-württembergischen Innenministerium wurde er 1973 zum Böblinger Landrat gewählt – ausgerechnet in jenem Jahr, als die Kreisreform wirkte. Zum 1. Januar 1973 war der Landkreis Leonberg zerschlagen und dessen südlichen Teile dem Landratsamt in Böblingen zugeordnet worden – eine strittige Reform, die einige Konflikte hervorrief und deren Umsetzung viel Fingerspitzengefühl bedurfte.

Viele Auseinandersetzungen um das Restmüllheizkraftwerk

Doch diese hitzige Phase war wohl nichts gegen die Auseinandersetzungen um das geplante Restmüllheizkraftwerk, die der Landkreis Böblingen in den 1990er Jahren erlebte. 1992 demonstrierten rund 30 000 Menschen gegen das Projekt. Zudem waren auch die Frage der Technologie und die Müllmenge, die verbrannt werden sollte, damals höchst umstritten. Doch Reiner Heeb blieb überzeugt, dass dieser Weg der richtige war und setzte sich durch. Der Bau der Anlagen begann 1996, am 1999 startete der Regelbetrieb. „Dies war wohl sein wichtigster Meilenstein als Landrat“, konstatiert Bernhard.

Aber auch im Schienenverkehr setzte Reiner Heeb neue Angebote aufs Gleis. In seiner Amtszeit wurde die S-Bahn nach Herrenberg verlängert und die Schönbuchbahn reaktiviert. Im Herbst 1996 weihte Heeb gemeinsam mit dem Böblinger Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang die Bahn zwischen Böblingen und Dettenhausen ein, die seitdem Zehntausende von Fahrgästen aufnahm. „Eine große Bürgernähe, herausragende fachliche Kompetenz und überragendes Engagement“ bescheinigt Bernhard seinem Vorgänger.

Deutsches Rotes Kreuz im Kreis Böblingen geprägt

Auch das Deutsche Rote Kreuz trauert. Reiner Heeb war von 1978 bis 2006 der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Böblingen. „Die Ära Heeb nimmt in den Annalen des Roten Kreuzes im Landkreis einen besonderen Platz ein“, schreibt der Böblinger DRK-Präsident Michael Steindorfner zum Tod von Reiner Heeb. „Er hatte immer den Mut zur eigenen Meinung und vertrat diese mit gewinnendem Charme, selbstverständlich guten Argumenten und zuweilen auch schwäbisch-knitz.“ Heebs Augenmerk galt insbesondere dem Bau von Altenpflegeheimen. Er legte den Grundstein dafür, dass der DRK-Kreisverband mittlerweile elf Altenpflegeheime betreibt.

Als erster SPD-Landrat Baden-Württembergs gestartet, bekam Reiner Heeb innerhalb seiner Partei mit der Zeit viel Gegenwind. Unter anderem wurde ihm ein zu wirtschaftsliberales Vorgehen vorgeworfen, wenn er bemüht war, Unternehmen im Landkreis Böblingen zu fördern. Letztlich kam es zum Bruch, 1994 wechselte Heeb zur CDU und übernahm im Jahr 2000 vorübergehend auch den Vorsitz des CDU-Kreisverbands.

Parkinson-Erkrankung am 80. Geburtstag öffentlich gemacht

In den letzten Jahren hatte Reiner Heeb mit der Parkinson-Krankheit zu kämpfen, die er bei der Feierstunde zu seinem 80. Geburtstag öffentlich machte. Bis zuletzt lebte er in seinem eigenen Haus in Böblingen – stets begleitet und gepflegt von seiner Ehefrau Elke und der Familie.

Beisetzung Die Beerdigung findet voraussichtlich am Freitag, 5. Januar, um 14 Uhr statt. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

Der Kreis Böblingen und seine Landräte

Stuttgarter
Reiner Heeb wurde 1935 in Stuttgart geboren. Er arbeitete als Vorstandsassistent einer Bank, als Regierungsassessor beim Landratsamt Böblingen, im Bau- und Kommunalreferat des Regierungspräsidiums Stuttgart sowie im Innenministerium Baden-Württemberg, ehe er 1973 zum Landrat wurde.

Landkreis
Der Landkreis Böblingen geht auf das alte gleichnamige württembergische Oberamt zurück. Mit der Kreisreform 1973, als 15 Gemeinden des Landkreises Leonberg hinzukamen, hatte der Kreis Böblingen rund 285 000 Einwohner. Im Jahr 2000 waren es bereits fast 365 000, zuletzt wurde der 400 000 Einwohner gefeiert.

Landräte
 Erster (nicht kommissarischer) Böblinger Landrat nach dem Zweiten Weltkrieg war Georg Hengstberger (1946-1952). Es folgten Karl Heß (1953-1973), Reiner Heeb (1973-2000) und Bernhard Maier (2000-2008). Seit 2008 steht Roland Bernhard an der Spitze und will im Juli 2024 erneut kandidieren.

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