Böblinger Baugenossenschaft „Bedarf an Wohnungen ist noch da“

Von Jan-Philipp Schlecht 

Rainer Ganske, Chef der Böblinger Baugesellschaft, sagt dass durch Corona die Immobilien-Preise durchaus fallen könnten.

Böblingen - City-Center-Neubebauung, Übernahme des Einkaufszentrums, Seecarré: Die Böblinger Baugesellschaft (BBG) prägt unter Geschäftsführer Rainer Ganske das Stadtbild maßgeblich. Kommt mit dem Coronavirus das Immobiliengeschäft zum Stillstand?

Herr Ganske, an Corona führt derzeit kaum ein Weg vorbei. Auch bei der BBG?

Wir spüren durchaus, dass bei vielen Menschen eine gewisse Kaufzurückhaltung besteht bei Immobilien, die wir als Bauträger entwickeln. Ist ja logisch, wenn jemand Angst um seinen Job haben muss oder in Kurzarbeit ist, tut er sich schwer, eine neue Wohnung oder ein Haus zu kaufen. Außerdem sind auch die Banken zum Teil zurückhaltender geworden, Darlehen zu gewähren. Trotzdem gehen wir im Moment nicht von einer dramatisch einbrechenden Nachfrage aus. Der Wohnungsbedarf ist nach wie vor da.

Gibt’s auch den gegenteiligen Effekt, dass Leute in der Krise in Immobilien investieren?

Durchaus. Angesichts der Börsenturbulenzen etwa gibt es auch solche, die sich gerade jetzt eine Wohnung oder ein Haus als Geldanlage kaufen wollen, weil sie sich davon eine sicherere Wertanlage als von einem Aktiendepot versprechen.

Geraten die Großprojekte ins Stocken?

Gott sei Dank laufen unsere Baustellen derzeit gut weiter, weil wir viel mit lokalen und regionalen Handwerkern zusammenarbeiten. Es gibt durchaus Großbaustellen in Deutschland, bei denen das anders ist. Das Problem haben wir nicht.

Kaufinteressenten bei Großprojekten sind oft Versicherungen oder Rentenkassen. Sind die von der Krise gänzlich unbeeindruckt?

In diesem Markt hat sich schon etwas verschoben. Der Kaufpreis für so ein Projekt ermittelt sich aus der zu erwartenden Jahresrohmiete. Darauf wird ein Faktor angewendet, und es kommt am Ende darauf an, das Wievielfache einer Jahresrohmiete bezahlt wird. Das ist aber stark abhängig von der Sicherheit, mit der sich ein Objekt vermieten lässt. So wird etwa in einer Toplage in München von Käufern eine geringere Verzinsung in Kauf genommen. Die Kaufpreise hängen also sehr stark von der abgeschätzten zukünftigen Entwicklung ab. Daher kann es durchaus sein, dass sich diese durch die Corona-Krise verändern, und das ist auch passiert.

Wie sehr wollen Sie darauf achten, die Neuansiedlungen als Ergänzung zu den bestehenden Geschäften zu sehen?

Wir sehen uns durchaus an, wie die Dinge zusammenpassen. Denn das Ziel ist immer, die Frequenz dort zu erhöhen, statt zu senken. Und das ist auch das Ziel der Einzelhändler, die sich dort ansiedeln wollen. Das spüren wir auch in den Verhandlungen: Die Firmen schauen sich den Markt und das Einzugsgebiet vor Ort genau an. Mit wem wir allerdings verhandeln – und das ist gängige Praxis – muss im Moment noch vertraulich bleiben.

Eines Ihrer großen Projekte ist das Postareal in Böblingen, das Sie neu bebauen. Hier wollen Sie die Bürger beteiligen. Hat Corona dieses Projekt ausgebremst?

Leider ja. Es wurde verschoben. Eigentlich wollten wir im Mai mit der Bürgerbeteiligung starten. Diese wird jetzt auf Mitte September verlegt. Das wird aufgrund der Corona-Beschränkungen viel stärker über digitale Kanäle laufen. Gleichwohl wird es trotzdem Präsenzveranstaltungen geben. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Neubebauung des Postareals aufgrund seines innovativen Charakters zum offiziellen Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 ernannt wird.




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