Böblinger Pharmakonzern Wörwag wächst weiter gen Osten

Führungstrio (v. l.): Gerhard Mayer, Lucia Cinque und Jochen Schlindwein Foto: /Schmalenberger

Die Böblinger Pharmafirma legt abermals glänzende Zahlen vor. Treiber des Wachstums ist das Geschäft in Osteuropa. Der Krieg in der Ukraine kann dem Erfolg nichts anhaben.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Seit Jahren gehen Umsatz und Gewinn von Wörwag Pharma nur in eine Richtung: nach oben. Die Böblinger sind auf sogenannte Biofaktoren spezialisiert, wozu vor allem Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zählen. Diese vertreibt Wörwag neben dem deutschen Markt vor allem in Osteuropa und bis nach Russland. Den russischen Angriffskrieg in der Ukraine bekam Wörwag zwar zu spüren, doch die Geschäfte in den betroffenen Ländern liefen weiter – wenn auch mit Einschränkungen.

 

„Die Situation in der Ukraine ist zweifelsohne schlimm“, sagt der oberste Finanzchef Gerhard Mayer. Wörwag habe dort zu Kriegsbeginn 45 Mitarbeiter beschäftigt. Für sie habe man eilends Unterbringungsmöglichkeiten an den Wörwag-Standorten in Rumänien, Polen und Deutschland geschaffen. Der Umsatz in dem vom Krieg gebeutelten Land sei um ein Drittel eingebrochen. „Einige sind aber schon wieder zurückgegangen. Mittlerweile arbeiten wir dort wieder mit voller Stärke“, sagt er.

Krieg in der Ukraine schmälert den Erfolg im Osten nicht

Die Sanktionen des Westens und das Verhalten Russlands hätten das Geschäft dort allerdings nicht beeinträchtigt, sagt Wörwag. Im Gegenteil: „In Russland hatten wir ein gutes Jahr“, sagt Gerhard Mayer. Zwar sei die Inflation dort hoch, doch die in Rubel erzielten Umsätze ließen sich umtauschen, sagt er. Grund für den Erfolg sei, dass ein Wettbewerber ein Präparat nicht liefern konnte. Deshalb wurde das Wörwag-Produkt Milgamma Injekt stärker nachgefragt. Im zurückliegenden Jahr wuchs der Gesamtumsatz der Böblinger um 21,4 Prozent auf 291 Millionen Euro. Über den Gewinn schweigt das Familienunternehmen traditionell. Doch es ist anzunehmen, dass dieser ebenfalls für gute Laune auf der Chefetage sorgt. „Mit diesem Ergebnis sind wir sehr, sehr zufrieden“, sagt Mayer. Und die Entwicklung soll in noch größeren Schritten so weitergehen.

Im laufenden Jahr will Wörwag erstmals die 300-Millionen-Marke beim Umsatz durchbrechen und peilt 325 Millionen Euro an. Die Zahl der Mitarbeiter ist ebenfalls gewachsen: Nach 178 Neu-Einstellungen standen zum Jahresende weltweit 1406 Menschen in Diensten des Unternehmens. Weitere sollen in diesem Jahr hinzukommen. Im Hauptsitz auf dem Flugfeld arbeiten aktuell 243 Menschen, weitere Stellen seien offen.

Wörwag gelang demnach ein organisches Wachstum von fünf Prozent – bereinigt um Akquisitionen und Währungsschwankungen. Vor allem setzte das Unternehmen mehr von dem Präparat B 12 Ankermann ab, einem hoch dosierten Vitamin-B12-Wirkstoff. Treiber ist das Wachstum in bestehenden Märkten durch weitere Außendienst-Mitarbeiter. Insbesondere intensivierte Wörwag seinen Vertrieb in Usbekistan und Kasachstan. Der Umsatz dort stieg dank zusätzlicher Außendienstler um 30 Prozent. Mayer: „Alle osteuropäischen Länder sind zweistellig gewachsen.“

Wörwag startet erstmals in Österreich und der Schweiz mit dem Vertrieb

Im laufenden Jahr greift das Pharmaunternehmen nach den Alpen: Seit Januar ist man auf dem österreichischen Markt mit B 12 Ankermann vertreten. Im Laufe des Jahres soll die Schweiz als Absatzmarkt hinzukommen. Wörwag holt außerdem immer mehr der Produktion zurück ins Unternehmen.

Im polnischen Lodz sitzen seit 2022 die Wörwag Pharma Operations. Derzeit wird die Produktion dort hochgefahren. Lag der Anteil an selbst produzierten Präparaten 2022 noch bei sechs Prozent, soll er im Laufe dieses Jahres auf 28 Prozent ansteigen. In 2025 will Wörwag dann schon die Hälfte seiner Präparate selbst herstellen.

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