Die Tore öffnen sich, vor Anabel Onhaus liegt die Bühne. Bestimmt zehn Meter muss sie zurücklegen, dann steht sie ganz vorne. Vor ihr sind fünf große, rote Stühle aufgestellt, die Rückenlehnen sind ihr zugewandt. Darauf sitzen Wincent Weiss, Lena Meyer-Landrut, Alvaro Soler sowie Michi Beck und Smudo von den Fantastischen Vier. Anabel Onhaus legt ihre Heilsteine neben den Mikrofonständer, die hat sie extra mitgebracht. Dann singt sie los. „Sag mir, was ist bloß um uns geschehen.“ Es ist „Symphonie“ von Silbermond. Balladen wie diese singt sie am liebsten.
Anabel Onhaus ist zehn Jahre alt und kommt aus Böblingen. In ihrer Freizeit lernt sie Selbstverteidigung, tanzt, spielt Klavier und sammelt Heilsteine. „Ich sammle gerne Kruschd“, sagt sie dazu und lacht. Sie ist ein ganz normales zehnjähriges Mädchen. Und doch hat sich ihr Leben in den vergangenen Monaten überhaupt nicht so angefühlt.
Anabel singt schon ihr Leben lang
Denn noch eines macht Anabel Onhaus gerne: Sie singt. Schon ihr Leben lang. Und zwar so gut, dass sie es in die Castingshow „The Voice Kids“ geschafft hat. Am Freitagabend ist sie in der ersten Folge der neuen Staffel auf Sat.1 zu sehen. Wie kommt eine Böblinger Fünftklässlerin dazu, bei dieser Show mitzumachen?
Begonnen hat alles mit ihrer Liebe zur Musik. „Seit ich sprechen kann, summe ich vor mich hin“, sagt Anabel Onhaus. Gesangsunterricht nimmt sie, seit sie sieben Jahre alt ist. Zunächst bei der Musikschule. Auch bei der Stage Academy lernt sie zwischenzeitlich Tanz, Gesang und Theater. An ihrer Schule, dem Albert-Einstein-Gymnasium, besucht sie die Gesangsklasse. Das Singen zieht sich durch ihr Leben.
Im vergangenen Jahr beschließen Anabels Eltern deshalb, eine professionelle Gesangslehrerin auszuprobieren. „Nur mal für drei Monate“, sagt Simone Onhaus, Anabels Mutter. Die Lehrerin hat die Idee, Anabel könnte doch bei der Sendung mitmachen. „Sie hat schon vorher Kinder für The Voice ausgebildet“, sagt Anabel. Sie selbst und ihre Familie hatten die Castingshow nicht auf dem Schirm. „Das war nie das Ziel“, sagt Anabels Papa Thomas.
Aber warum nicht? Anabel schickt ein Video ein. Ob die Eltern Einwände hatten, dass ihre Tochter bei so einer Show mitmacht? „Nein“, sagt Anabels Mutter. Sie unterstützen ihre Tochter von Anfang an, wollen ihr möglich machen, dabei zu sein. Als zwei Tage später die Einladung zum ersten Vorsingen kommt, packen die drei ihre Sachen und fahren nach München. Nach der Auswahlrunde erfährt sie, dass sie weiterkommt. Dieses Mal geht es zur finalen Auswahlrunde nach Berlin. Sie schafft es wieder.
Allein der Gesang soll überzeugen, das Aussehen ist egal
Jetzt ist sie in den sogenannten „Blind Auditions“. Da stehen die Kinder auf der Bühne und singen ihr Lied, während die Coaches, also die Jury der Sendung, mit dem Rücken der Bühne zugewandt zuhören. Denn allein der Gesang soll überzeugen, das Aussehen ist erst einmal egal. „Ich war richtig aufgeregt und hab einfach gesungen“, sagt Anabel über den Moment. Immerhin weiß sie, dass ihr Auftritt später im Fernsehen ausgestrahlt wird. Und immerhin sitzen prominente Sänger vor ihr.
Die hören alle zu. Ist einer von dem Auftritt überzeugt, drückt er auf einen Buzzer und dreht sich um. Damit kommt das Kind weiter. Und kann sich von dem Coach Gesangstipps holen. Ob sich für Anabel jemand umdreht? Das darf noch nicht verraten werden – die Zuschauer sehen es am Freitag.
Vor der Ausstrahlung im Fernsehen ist Anabel ganz schön aufgeregt. Sie hat Freunde eingeladen, um die Folge gemeinsam anzuschauen. Freunde, die auch bei den „Blind Auditions“ dabei waren, sich frei nahmen und Bahn- und Hotelkosten bezahlten, um Anabel und ihren Eltern zur Seite zu stehen.
Denn auch für Letztere ist das Ganze eine wilde Fahrt. Sie fahren mit ihrer Tochter schon vor den „Blind Auditions“ mehrfach nach Berlin, damit Anabel Outfits anprobieren und auf der Bühne proben kann. Auch sie nehmen sich Urlaub, warten geduldig in Aufenthaltsräumen hinter der Bühne, bis ihre Tochter endlich dran ist. Dass die Nerven da ganz schön strapaziert werden, ist ihnen auch Wochen später noch anzumerken. Das Erlebnis wird noch eine Weile in Erinnerung bleiben.
Freunde und Erfahrungen fürs Leben
Was nimmt Anabel davon mit? „Viele Freunde“, sagt Anabel. Sie zeigt ihr Freundebuch, in dem sich die anderen Teilnehmer verewigt haben. „Das Tollste daran sind wirklich die Kinder“, bestätigt Simone Onhaus. „Alle, die mitmachen, waren ständig am Singen.“ So wie Anabel.
Und noch was? Ja: „Die Erfahrung, auf einer riesigen Bühne zu stehen“, sagt sie. Da sei sie jetzt deutlich entspannter als vorher. Und natürlich hat sie den ein oder anderen musikalischen Kniff gelernt. Dafür habe die Show ihr schon etwas gebracht.
Anabel wird immer weiter singen. Auch beruflich sieht sie sich in der Musik. Ihr größter Wunsch: Einmal mit Helene Fischer singen. Ob sie noch einmal nach Berlin zum Show-Finale fährt, ist ab Freitag zu sehen.
„The Voice Kids“ – wie läuft das ab?
Ausstrahlung
Am Freitagabend wird um 20.15 Uhr die erste Folge von Staffel 12 ausgestrahlt – zum regulären Staffelstart erlaubt eine Spezialfolge um 22.50 Uhr einen zusätzlichen Blick hinter die Kulissen. Danach gibt es jeden Freitag eine neue Folge. Auf Joyn Plus sind die Folgen jeweils schon eine Woche vorher verfügbar.
Ablauf
In der ersten Runde treten die Kinder in der „Blind Audition“ auf. Wer da weiterkommt, darf mit dem Coach, der sich umgedreht hat, weiter üben. Dann folgen die sogenannten Battles und Sing-Offs, in denen die besten weiterkommen. Am Ende gibt es ein Live-Finale.
Bewerbung
Mitmachen bei der Sendung können Kinder im Alter von sieben bis 15 Jahren. Zu Beginn müssen sie eine Onlinebewerbung und ein Gesangsvideo einschicken. Dann folgt die Scouting-Tour, teilweise mit mehreren Runden. Da singen die Kinder zum ersten Mal vor. Wer da weiterkommt, kommt in die „Blind Auditions“.