Böhringer Storch im spanischen Winterquartier Eine unter Hunderten

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Wir fahren wieder auf die Südseite des Sees. Wenn wir Glück haben, ist Zozu noch da, wo sie um 12 Uhr war. Bald sehen wir das Luzernefeld, wo immer noch die Störche stehen. Wir parken auf einer Wiese, von der aus wir die Tiere im Blick haben. Sie uns auch. Obwohl wir mehr als hundert Meter von ihnen entfernt sind, werden sie nervös. Sie heben die Köpfe und halten still, als nähmen sie Witterung auf.

Schmid schaltet ihre Basisstation ein und hebt die Antenne. Währenddessen hat Rodríguez sein Teleskop aufgebaut und ruft plötzlich: „Ja, ja!“ Auf einem der Störche meint er den Sender erkannt zu haben. Da piept Schmids Basisstation. „2541! Jetzt kommt sie! Die hat jetzt richtig viel drauf!“ 2541 ist Zozus Sendernummer. Die Daten beginnen zu fließen, dann bricht die Verbindung ab. „Ich muss ein bisschen weiter vor“, sagt Schmid und klettert gleich eine Böschung hinauf. Oben auf der Anhöhe streckt sie den Arm mit der Antenne aus. „Das dauert jetzt eine Weile.“

Rodríguez beobachtet Zozu weiter durch sein Teleskop. Unwillkürlich beginnt es aus ihm wie aus einem begeisterten Sportreporter herauszusprudeln: „Sie erhebt sich . . . Die hat den Apparat, ja, ja, ja. Ich hab’ sie, ich hab’ sie, ich hab’ sie. Sie wird noch mal landen, sie landet, sie landet, sie landet . . . pum. Die hat den Sender, die Dritte von rechts.“ Rodríguez strahlt.

Bald beginnt die Rückreise

Wir andern schauen und können ihm nur glauben. Die da, die Dritte von rechts, ist Zozu. Schmids Basisstation piept noch einmal, und Schmid ruft: „Komplett!“ „Very good“, sagt Rodríguez. Er will noch Fotos von Zozu machen. Er stattet sein Fernrohr mit einer Kamera aus und sucht sich im Gebüsch einen Ort, wo er fotografieren kann, ohne die Störche zu verschrecken. Einigen behagt seine Nähe trotzdem nicht, sie erheben sich und drehen lautlose Kreise. Zozu aber hält still. Rodríguez kann durchs Teleskop ihre Ringnummer lesen, er macht ein Foto nach dem anderen. „Zur Dokumentation“, sagt er. Die Fotos sind leicht verwischt, aber für uns doch eine Sensation: Wir haben Zozu gefunden, unter den Hunderten Störchen, die hier am Estany d’Ivars i Vila-sana den Winter verbringen.

Auf einem anderen Feld in der Nähe lädt Heidi Schmid noch die Daten von Pius herunter, einem zweiten besenderten Storch, dann verabschieden wir uns: Sie muss weiter, anderen Vögeln in Spanien hinterher. Wir gehen Mittag essen, zu spanisch später Stunde, dann bricht schon der Abend ­herein, und wir besuchen noch einmal den See. Dort wo mittags die Möwen saßen, ­haben sich jetzt mehr als 180 Störche niedergelassen, einer von ihnen ist Zozu.

Sie stehen im seichten Wasser und warten auf die Nacht. Himmel und See schimmern in allen Rottönen dieser Welt. Den Störchen ist die Schönheit egal, sie stehen fast unbewegt und fühlen sich offenbar sicher. Joan Rodríguez malt sich ihre Unterhaltungen aus: „Wann brechen wir nach Deutschland auf?“, fragt der eine den anderen. Bald ist es so weit. Für heute legt sich Schwärze über den See.