Boeing in der Krise Selten war ein Rücktritt so überfällig
Wie man ein Unternehmen zugrunde richtet, sieht man an Boeing. Der Airbus-Rivale braucht dringend einen Neustart, meint unser Finanzreporter Hannes Breustedt.
Wie man ein Unternehmen zugrunde richtet, sieht man an Boeing. Der Airbus-Rivale braucht dringend einen Neustart, meint unser Finanzreporter Hannes Breustedt.
Der Niedergang des US-Traditionsunternehmens Boeing war schon voll im Gange, als Dave Calhoun im Jahr 2020 Vorstandschef wurde. Dennoch war ein Rücktritt selten so überfällig. Dass Calhoun an die Spitze des Airbus-Erzrivalen befördert wurde, war von vornherein das falsche Signal.
Boeing hätte spätestens nach den verheerenden Abstürzen durch Konstruktionsfehler bei seinem wichtigsten Flugzeugmodell 737 Max erkennen müssen, dass dringend ein Strategiewechsel her muss. Gewinnausschüttungen und Aktienkurspflege dürfen bei einem Flugzeugbauer einfach nicht zulasten der Qualitätskontrolle gehen.
Statt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine Führung mit starkem Techniksachverstand zu ernennen, entschied man sich mit Calhoun dafür, weiterzumachen wie bisher. Statt ein Zeichen des Wandels zu setzen, setzte Boeing auf einen Kostendrücker, der schon seit 2009 im Direktorium saß und dieses bei seiner Berufung zum Vorstandschef sogar leitete.
Die Direktoren des Verwaltungsrats können bei US-Unternehmen größeren Einfluss nehmen als Aufsichtsräte in Deutschland. Doch statt je zu erklären, warum das Kontrollgremium den Kurs all die Jahre nicht korrigierte, schob Calhoun später alle Schuld auf seinen Vorgänger Dennis Muilenburg.
Tatsächlich steht Calhoun für Dinge, die bei Boeing seit Langem schieflaufen. War Muilenburg immerhin noch selbst ein Ingenieur, der sich im Konzern hocharbeitete, so kam sein Nachfolger als Kostensenker von der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone. Der US-Luftfahrtexperte Richard Aboulafia spottete bereits: Für Boeings europäischen Konkurrenten Airbus sei Calhoun der „beste Vorstandschef“, den es je gegeben habe.