Der Konzern will an der Ecke Römerstraße/Poststraße Büros und Labors auf 27 500 Quadratmetern bauen.

Leonberg - Der Technologiekonzern Bosch wird seinen Standort in Leonberg deutlich erweitern. Dafür kauft das Unternehmen ein benachbartes Gelände, auf dem bis vor zwei Jahren eine Filiale des Möbelhauses Hofmeister ansässig war.

Um das Geschäft perfekt zu machen, hat der Leonberger Oberbürgermeister Martin Kaufmann (SPD) sogar die Sitzung des Gemeinderates um eine Woche nach hinten verschoben. Bevor die Stadträte am kommenden Dienstag die Änderung des Bebauungsplans und eine neue Nutzung der Fläche beschließen können, mussten sie erst das Votum von Bosch abwarten.

Der Bau könnte Mitte 2019 beginnen

Doch nachdem der Technologiekonzern jetzt entschieden hat, seinen Leonberger Standort zu erweitern und das Areal, das im Volksmund Möbel Mutschler genannt wird, zu kaufen, kann das amtliche Verfahren für eine völlig neue Nutzung in Gang gebracht werden. Das wird etwa ein halbes Jahr dauern.

Mitte des kommenden Jahres könnte Bosch mit dem Projekt beginnen. Im Unternehmen rechnet man mit einer Bauzeit von gut zwei Jahren. Vorgesehen sind auf dem jetzigen Mutschler-Gelände Büro- und Laborflächen einschließlich Kantine mit einer Gesamtgröße von 27 500 Quadratmetern. Der Neubau ist nicht nur dafür da, die Enge im jetzigen Entwicklungszentrum zu lindern. Eine Unternehmenssprecherin kündigt auf Anfrage unserer Zeitung an, dass „die Kapazitäten um etwa 1000 Arbeitsplätze erweitert werden.“ Es wird neu eingestellt.

Zur Investitionssumme will Bosch noch keine Angabe machen. Dass das Gelände gekauft wird, steht indes fest. Nach dem Ratsbeschluss soll der Kaufvertrag beurkundet werden.

Die Überlegungen sind nicht neu

Ursprünglich hatte mitten im Leonberger Zentrum das Möbelhaus Mutschler seinen Stammsitz. Es folgte die bundesweit agierende Möbelkette Höffner, bis 2008 das Bietigheimer Möbelhaus Hofmeister eine Filiale eröffnete. Ende 2016 war der Mietvertrag mit einem Luxemburger Immobilienfonds ausgelaufen. Auf eine Verlängerung konnte oder wollte sich die Geschäftsführung nicht einigen, hatte sie doch zuvor ein großes Haus in Sindelfingen eröffnet. Seither steht das klotzige Gebäude wie eine Art Handelsmahnmal leer.

Die Überlegungen, dass dort viel Platz für Bosch wäre, sind nicht neu. Trotz des Forschungszentrums in Malmsheim ist der Leonberger Standort im Aufwind. Erst im vergangenen November hatte der hiesige Bosch-Verantwortliche Stephan Stass für Aufsehen gesorgt, als er öffentlich erklärte, dass Leonberg der zentrale Entwicklungsstandort für das autonome Fahren ist, die Umsätze die Milliarden-Grenze übersteigen und das Gelände an der Poststraße aus allen Nähten platzt. Spätestens jetzt kam die Option Möbelhaus konkret in Betracht.

Geheimdiplomatie à la Leonberg

Und damit begann die Geheimdiplomatie à la Leonberg: Wolfgang Schaal, der Stadtverbandsvorsitzende der Freien Wähler, hatte Bosch-Standort-Chef Stass auf die naheliegende Erweiterungsmöglichkeit hingewiesen. Sein Fraktionskollege Georg Pfeiffer nutzte seine Kontakte zu einem Stuttgarter Immobilienmakler, der im Auftrag des Eigentümers aus Luxemburg nach Interessenten für das Möbelhaus-Areal suchte, und empfahl Bosch.

Im Hintergrund waren der damalige Oberbürgermeister Bernhard Schuler und der Wirtschaftsförderer Benjamin Schweizer aktiv, um nur einige zu nennen.

Früchte einer langen Beziehung

Der Schlusspunkt blieb dem neuen Rathauschef vorbehalten. Als sich Martin Kaufmann beim Leonberger Bosch-Chef vorstellte, kamen die beiden schnell zur Sache und brachten die Gespräche für die Erweiterung auf die Zielgerade.

Der Erfolg hat also viele Väter. Nicht umsonst spricht Axel Röckle, der Fraktionschef der Freien Wähler, von den „Früchten einer lange gepflegten und gut partnerschaftlichen Beziehung zwischen der Firma Bosch, der Verwaltung und dem Gemeinderat.“

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