Boschserie Keine Profis im Orchester von Bosch

Wirtschaft: Inge Nowak (ino)

Bei Bosch ist es anders. Es war klar, dass das eigene Orchester auftritt - "weil man mit uns auch wirklich repräsentieren kann", sagt Uwe Schneider, der Sprecher des Bosch-Orchesters. "Das spricht für ein besonderes Verständnis innerhalb der Geschäftsführung", fügt Schneider, der Elektrotechnik studiert und heute in der Zentralabteilung Lizenzen für Elektro- und Hybridfahrzeuge verhandelt, hinzu. Das Besondere: bei Bosch spielen fast ausschließlich die eigenen Mitarbeiter, Angehörige und Freunde. Profis zu engagieren, wie dies andere Firmen tun, passe nicht zur Firmenkultur. Aber manchmal geht es auch bei Bosch nicht ohne professionelle Hilfe - etwa wenn der Schlagzeuger, ein quasisolistisches Instrument im Orchester - eine besonders schwierige Passage zu bewältigen hat. Das Bosch-Orchester mit seinen 70 Freizeitmusikern - der Älteste ist ein Bosch-Rentner, der schon 50 Jahre am Cello sitzt - hat viel Lob für seine Leistungen rund um das Doppeljubiläum eingeheimst. Es war nicht der erste große Auftritt. 77 Jahre ist das Bosch-Orchester alt. Vor 75 Jahren gab es auch einen großen Auftritt (gemeinsam mit dem firmeneigenen Chor) - anlässlich des damaligen 75-jährigen Geburtstages des Firmengründers Robert Bosch.

 

Seit seiner Gründung hat das Orchester Höhen und Tiefen erlebt. Es habe auch Zerwürfnisse gegeben, erzählt der Geiger Schneider. Ein Tiefpunkt liegt 20 Jahre zurück, damals sei das Orchester "ziemlich abgewirtschaftet" gewesen. Es spielten vielleicht noch 20 oder 30 Mitarbeiter. Dann kam Ulrich Walddörfer. "Das Niveau, auf dem wir jetzt spielen, haben wir vielleicht seit zehn Jahren", sagt Schneider stolz. "Gehobenes Amateurniveau" habe man, wertet Schneider, der auf 35 Jahre Orchestererfahrung zurückblicken kann.

Und seit sie so gut spielen, erhalten sie Einladungen von den Bosch-Standorten im In- und Ausland. Dort werden die Konzerte organisiert. Die Standorte machen daraus ein Event - und präsentieren sich selbst. Etwa zehn Auftritte absolvieren die Hobbymusiker pro Jahr - im In- und Ausland. Mehr sei nicht zu schaffen, so Schneider. Schließlich sollen die Musiker nicht nur musizieren, sondern ihrem Job nachgehen - die tägliche Arbeit, Besprechungen oder Dienstreisen hätten immer Vorrang. Deshalb sind auch nicht immer alle Musiker bei einer Probe anwesend. Und manchmal ist es einfach eine Frage der Wegstrecke. Einer der Tubaspieler reist aus Bamberg an.

"Wir spielen immer für einen guten Zweck"

Als Lohn für die Musiker locken vielversprechende Reiseziele: Österreich, Ungarn, England, Spanien, Italien, Tschechien - ja sogar Asien und Australien standen auf dem Programm. Und wer jetzt denkt, gespielt wird ausschließlich in leer geräumten Werkshallen oder Kantinen, der irrt. In Prag etwa war der Auftritt in einer schönen Kirche, im australischen Sydney war es sogar in dem weltberühmten Opernhaus, von der Unesco geadelt - und heute Wahrzeichen der Stadt.

Die Geschäftsführung sei stolz auf die Leistungen des Orchesters, ist zu hören. Dafür gibt es auch viele Belege. Der Sonderurlaub gehört etwa dazu. Bei den meist einwöchigen Auslandskonzertreisen werden dem Bosch-Mitarbeiter "nur" zwei Tage vom eigenen Urlaubskonto abgezogen; drei Tage spendiert das Unternehmen. Auch die finanzielle Unterstützung scheint großzügig.

Wie großzügig, sagt Schneider zwar nicht, aber das Geld aus der Konzernkasse reiche aus, um Noten, den Dirigenten und den einen oder anderen Profi zu finanzieren. Einen Teil der Kosten tragen zudem die Standorte, wo die Konzerte stattfinden. Die Hobbymusiker selbst kommen für die Anreise und ein Besichtigungsprogramm auf. Eintrittsgelder kann das Orchester auf der Habenseite nicht verbuchen. "Wir spielen immer für einen guten Zweck", so Schneider. Auch das sei eine Frage der Unternehmenskultur.

Das Orchester versteht sich als eine Art "Kulturbotschafter". Soll heißen: die Musiker bringen ein Stück Bosch-Kultur an die Standorte. Und manchmal werden sie gar zu wahren Türöffnern. Es ist schon vorgekommen, dass die Musik komplizierte Bürokratie entwirrt hat. Nach einem Konzert mit beschwingten Rhythmen hat der ein oder andere Kommunalpolitiker denn seine Unterschrift recht schwungvoll unter ein bis dahin umstrittenes Projekt gesetzt, ist zu hören.

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