Boss Open 2022 Balljunge – der Traumjob auf dem Weissenhof

Felix Kapmeier ist bereit, um dem Tennisstar den Ball zuzuwerfen. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Felix Kapmeier aus Stuttgart und Tom Krauß aus Holzgerlingen haben bei den Boss Open in Stuttgart viel zu tun – und sind ganz nah dran an den Stars.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Wie wird man Balljunge oder Ballmädchen beim Tennisturnier auf dem Weissenhof? Bewerben, ein Casting überstehen – und dann gibt es drei Schulungen. Der Lohn? Die Die Ausrüstung darf behalten werden, es gibt jeden Tag zwei Essen und ein Ticket für die Familie. Lohnt sich das? Auf jeden Fall.

 

Felix Kapmeier (15) und Tom Krauß (17) machen dieser Tage in Stuttgart den Job. So nah kommt an die Stars keiner heran wie sie. „Ich stand zehn Zentimeter neben Andy Murray, das ist unglaublich. Vor allem in einem Moment, in dem er gerade ausrastet – und ich bin dabei“, sagt Felix Kapmeier. Auch sein Teampartner Tom Krauß – immer sechs Ballverteiler sind zusammen auf dem Platz – sieht es so: „Auch mich hat Murray am meisten beeindruckt. Es war einfach cool, mal neben ihm zu stehen und ihn mal vor sich zu haben. Der ist super relaxed und lässig. Und er hat immer zurückgelächelt.“

Die meisten Star sind supernett

Alles Star sind nicht so. Für die beiden Ballungen sind die meisten „supernett“, aber es gibt zwei, drei Ausnahmen. „Da wird es dann manchmal kritisch“, sagt Krauß. Die Balljungen und Ballmädchen spüren dann die eher nicht so gute Laune der Sportler. Und wie sie dann die Bälle einfordern, ist das nicht immer höflich.

Der Job hat indes seine stressigsten Phasen beim Aufschlag und im Tiebreak. „Zwischen dem ersten und dem zweiten Aufschlag, wenn dann der Ball im Netz liegt und man ihn schnell holen muss, rennt man so schnell es geht, damit die Spieler für den zweiten Aufschlag den Ball so schnell wie möglich wieder haben“, sagt Felix Kapmeier. Und auch zwischen den Ballwechseln muss immer darauf geachtet werden, dass genügend Bälle da sind, damit sich die Spieler die besten aussuchen können. Vor allem im Tiebreak, wenn nach jedem zweiten Punkt die Aufschlagseite gewechselt wird, müssen die Abläufe sitzen und die Bälle an den richtigen Platz gebracht werden. „Da wird es schon sehr anstrengend – vor allem muss man schnell denken“, sagt Kapmeier.

Selten geht was schief

Die meisten Tennisstars nehmen die Bälle von dort, wo sie gerade sind. Sie drehen sich zur Seite, auf der sie den Punkt gemacht haben, dann nicken sie einmal kurz, und der Balljunge wirft die Filzkugel dann zu. Die schauen, dass auf jeder Seite immer zwei Bälle sind, weil sie nicht wissen, von welcher Seite der Ball gefordert wird. Ein Spieler in Stuttgart nimmt die Bälle aber nur von einer Seite – vermutlich ist das ein Ritual oder hat auch ein bisschen mit Aberglaube zu tun. „Da müssen dann immer alle sechs Bälle auf einer Seite sein“, sagt Krauß, „wir haben da im Spiel den Dreh ziemlich schnell raus.“

Geht auch mal was schief? Selten. „Was eher schiefgeht, ist, wenn beim Aufschlag mal einer durchrutscht und der einen dann auch trifft. Gestern habe ich so einen Aufschlag mit über 200 km/h aber mit einer Hand gefangen, das ist dann auch ein cooles Gefühl“, sagt Tom Krauß – und sein Kumpel Felix Kapmeier, der nickt. Auch ihm ist so ein Kunststück schon gelungen.

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