Boston-Marathon Mit Google auf der Suche nach Opfern

Die Polizei von Boston twittert ihre Informationen direkt ins Netz. Screenshot: StZ
Die Polizei von Boston twittert ihre Informationen direkt ins Netz. Screenshot: StZ

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich im Internet die Nachricht von den Explosionen beim Zieleinlauf des Boston-Marathons. Die sozialen Medien werden nach dem Anschlag auch zur Organisation der Hilfe benutzt.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Boston - Wie ein Lauffeuer verbreitete sich im Internet die Nachricht von den Explosionen beim Zieleinlauf des Boston-Marathons. Während die TV-Stationen noch nach Bildern suchten, liefen über Twitter bereits erste kurze Videosequenzen. Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich der Hashtag #BostonMarathon auf der Website des Kurznachrichtendienstes zum Trending Topic, der lokale und weltweite Trends aufzeigt. Die Flut der Textnachrichten und Bilder von den Anschlägen wuchs im Sekundentakt. Fotos aus Boston verbreiteten sich vor allem auf Instagram und in diversen Tumblr-Blogs, längere Videos wurden häufig auf Youtube hochgeladen.

Die Macher der Seite Reddit.com erkannten sehr schnell die Dimension dieser medialen Flutwelle und stellten in kürzester Zeit einen sogenannten Thread zusammen. Darin werden Berichte von Augenzeugen, Behördeninformationen sowie unzählige Beiträge von Rundfunk- und Fernsehkanälen zusammengestellt.

Soziale Medien haben eine weitere Funktion eingenommen

In den Stunden nach dem Anschlag in Boston wurde deutlich, dass die Kanäle der Sozialen Medien in solch unübersichtlichen Situationen die Ereignisse nicht nur abbilden oder Stimmungen transportieren – was vor allem von Journalisten genutzt wird. Inzwischen haben die Sozialen Medien eine weitere Funktion eingenommen: sie werden zum Beispiel von öffentlichen Stellen genutzt um die erste Hilfe zu organisieren oder wichtige Informationen direkt an die Betroffenen weiter zu geben.

Allen voran Google. Nach den Explosionen hat die Suchmaschine eine Suche für vermisste Personen online gestellt. Beim „Person Finder“ kann jedermann Informationen zu Teilnehmern oder Besuchern des Laufs eingeben wie den Gesundheitszustand oder den Aufenthaltsort. Mit einer einfachen Suchmaske lassen sich diese Daten dann von besorgten Freunden oder Familienmitgliedern abrufen. Der „Person Finder“ beruht somit auf der Mithilfe möglichst vieler Internetnutzer. Zwei Stunden nach den Explosionen am Montag gab es bereits rund 1800 Einträge. Der „Person Finder“ wurde für Naturkatastrophen entwickelt und kam unter anderem beim Erdbeben und Tsunami in Japan im März 2011 zum Einsatz.

Auch die Verantwortlichen der Stadt Boston nutzen das Internet

Das Boston Police Department twitterte nach den Explosionen im Minutenrhythmus, um Informationen an die Bevölkerung weiter zu geben. Auf diesem Weg wurden auch Gerüchte zerstreut, dass kurz nach dem Attentat bereits die ersten Verdächtigen festgenommen worden seien. Auch die Verantwortlichen der Stadt Boston nutzen das Internet. Auf der Homepage cityofboston.gov können sich die Nutzer über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Dort erfahren sie zum Beispiel auch, dass die Müllabfuhr in dem vom Anschlag betroffenen Gebiet am Dienstag die Abfalleiner nicht leeren wird.

Auch das Online-Lexikon Wikipedia zeigte, wie die Aufbereitung von Informationen über das Internet funktioniert. Schnell war dort eine Seite eingerichtet, die unter dem Titel „2013 Boston Marathon Bombings“ das Geschehen zusammenfasst und übersichtlich dokumentiert. Zu Beginn des Artikels steht jedoch der Hinweis, dass diese Seite ein laufendes Ereignis dokumentiere und sich die Inhalte deshalb schnell ändern könnten.

Im Internet wird schließlich auch die praktische Hilfe der Bürger organisiert. Über das öffentlich zugängliche Google-Doc „I have a place to offer“ bieten viele Einheimische ihr Zuhause zum Übernachten an, wenn sich jemand in den kommenden Tagen um einen verletzten Angehörigen oder Freund in Boston kümmern muss.




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