Botschaftstermin für Sedia Kijera Kann der Altenpflegehelfer aus Gambia bald schon wieder in Kirchheim arbeiten?

Sedia Kijera hofft, bald wieder in Kirchheim leben und arbeiten zu können. Die Chancen stehen gut. Foto: privat

Sedia Kijera hat am Mittwoch bei der Deutschen Botschaft in Dakar einen Antrag auf ein Arbeitsvisum gestellt. Der 28-Jährige und seine Unterstützer in Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) sind erleichtert – es ging alles glatt.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

So wirklich glauben kann Sedia Kijera es noch nicht. Der Termin auf der deutschen Botschaft im senegalesischen Dakar hat geklappt. So oft im Leben musste der 28-Jährige mit Enttäuschungen und Angst zurechtkommen. Die Flucht aus Gambia war ein traumatisierendes Erlebnis, das ihn bis heute begleitet. So oft musste er Umwege nehmen, die Kraft kosteten. Doch dieses Mal gab es keine Stolpersteine.

 

Auf die Treue der Wegbegleiter gehofft

„Es hat alles geklappt. Jetzt muss ich warten und hoffe, dass ich bald zurück kann“, sagt der 28-Jährige am Telefon. Wie immer in einer beeindruckenden, zurückhaltenden, leisen Art. Er ist dankbar für die Menschen, die auch nach seiner freiwilligen Ausreise aus Deutschland an seiner Seite waren. „Sie haben mich nicht im Stich gelassen“, sagt er und so wie er es sagt wird spürbar, dass er zwar auf die Treue der Wegbegleiter gehofft hatte, aber ein Rest an Zweifel doch blieb.

Um ja rechtzeitig beim Termin in der Botschaft am Mittwochmittag aufzuschlagen, brach Kijera bereits am Montag ins Nachbarland auf. Mit sieben Stunden Busfahrt hatte er gerechnet. Am Ende waren es zwölf.

Sedia Kijera am Freitagmorgen nach der Rückkehr aus Dakar. Foto: privat

Bis kurz vor der Abfahrt hieß es Bibbern. Denn die Unterlagen, die seine Chefin Daniela Lehmann, die Leiterin des Kirchheimer Awo-Pflegeheims Am Mühlbach, am 25. März nach Gambia geschickt hatte und die er dringend für den Termin in der Botschaft brauchte, kamen in letzter Minute an. Der 28-Jährige ging am Montag mit der Sendungsnummer los und konnte den Brief quasi in letzter Minute abholen.

Versuche, bei der DHL zu erfragen, ob die Sendung mit den wichtigen Dokumenten auch wirklich in Gambia angekommen sind, gestalteten sich schwierig. „Man kann nicht wie bei uns an eine Hausadresse liefern lassen und die DHL kann den Sendungsverlauf nur bis zur gambischen Staatsgrenze rekonstruieren“, berichtet Götz Schwarzkopf, Sprecher der Kirchheimer Ortsgruppe der Seebrücke. Deshalb ging Daniela Lehmann mit einem Back-up auf Nummer sicher und schickte Kopien der Originaldokumente mit einem Kurier, der am 6. April sowieso von Stuttgart nach Gambia flog.

Seinen Pass und die Unterlagen musste der 28-Jährige zur weiteren Bearbeitung in der Botschaft lassen. Wenn der Antrag für ein Arbeitsvisum bearbeitet und genehmigt ist, erhält er ihn zurück. „Ich habe eine Kopie bekommen, mit der ich mich solange ausweisen kann“, erzählt der Gambier. Götz Schwarzkopf wertet das Einbehalten des Originalpasses als gutes Zeichen. „Dann findet der Vorgang auch wirklich statt.“

Überhaupt sind er und Lehmann das erste Mal wirklich zuversichtlich und erleichtert. „Wir waren mit Blick auf Mittwoch und den Termin sehr nervös“, gibt Schwarzkopf zu. „Es hätte ja sein können, dass der Antrag nicht angenommen wird, weil irgendein Dokument fehlt. Doch jetzt haben wir unser vorläufiges Ziel erreicht und hoffen, dass alles seinen behördlichen Gang geht.“ Hoffnung setzen die rund 50 Unterstützer von Sedia Kijera auch in das Landratsamt Ludwigsburg. Die Bearbeitung des Antrages auf ein Langzeitvisum dauert laut der Homepage der Botschaft in der Regel zwischen vier und sechs Wochen. Mit einem Brief an die Auslandsvertretung in Dakar könnte das Verfahren beschleunigt werden, hofft Schwarzkopf: „Die Awo hält Sedias Stelle noch immer frei. Das Team arbeitet in Unterbesetzung.“

Geld wird gesammelt

So oder so: Zum ersten Mal rückt eine Rückkehr des Altenpflegehelfers nach Kirchheim in greifbare Nähe. „Im Idealfall ist er in ein paar Wochen wieder bei uns“, sagt Schwarzkopf. Auf Kijera wartet dann aber nicht nur die Arbeit, sondern durch die Kosten der Abschiebehaft verursachten Schulden von rund 30 000 Euro. Seine Freunde und Wegbegleiter haben bereits begonnen, Geld für ihn zu sammeln. Die Kosten für den Rückflug haben sie schon zusammen. „Die Menschen sind unglaublich und machen mich sprachlos“, sagt Sedia Kijera.

Spendenkonto ist eingerichtet

Spendenkonto
Wer Sedia Kijera unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun. Götz Schwarzkopf hat ein Spendenkonto eingerichtet. Die Daten stehen auf der Homepage der Kirchheimer Ortsgruppe Seebrücke: https://www.sichererhafen-kirchheim.de/

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