Brachfläche in Heslach Aldi mauert bei Bauprojekt

Auf diesem Gelände in Heslach sollten eigentlich 50 Wohnungen gebaut werden, doch bisher ist nichts passiert. Foto: Torsten Schöll

In Heslach liegt seit vier Jahren ein riesiges Grundstück im Besitz des Lebensmittelkonzerns brach. Eigentlich sollen hier 50 Wohnungen entstehen. Den Bezirksbeiräten platzt allmählich der Kragen.

Ein Bauzaun schützt das Areal vor unbefugtem Zutritt. An einigen alten Mauerresten prangen Graffitis. Zwischen dem Schutt wuchert Unkraut, und natürlich liegt auch Müll verstreut auf dem Gelände. Auf der 3500 Quadratmeter großen Brache direkt an der Böblinger Straße in Heslach plant Aldi, Wohnungen und einen Supermarkt zu bauen. Doch passiert ist seit 2020 nichts.

 

Den Bezirksbeiräten in Stuttgart Süd platzt allmählich der Kragen: Das ehemalige Hofbräu-Gelände in der Böblinger Straße 104, dessen ursprüngliche Bebauung bereits vor vier Jahren dem Erdboden gleich gemacht worden war, ist ein echter Unort im Stadtteil. Die SPD-Bezirksbeirätin Marion Eisele forderte jüngst im Gremium nachdrücklich, dass solche „verkauften Flächen auch tatsächlich bebaut werden sollen“. Im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben spricht Bezirksvorsteher Raiko Grieb vom „größten Wohnbauprojekt der vergangenen Jahre im Stadtbezirk“.

Seit 2022 könnte gebaut werden

Doch von Bautätigkeit keine Spur: Bereits 2015 hatte die Radeberger Holding GmbH, der die Marke Hofbräu gehört, das Areal neben der Brauerei an den Discounter Aldi verkauft. Unter anderem sollten hier rund 50 Wohnungen und ein Lebensmittelmarkt entstehen. Um dies zu realisieren, hatte die Stadt bereits 2018 den Bebauungsplan entsprechend angepasst.

2020 wurde dann das alte Gebäude abgerissen, das zu einem Teil von der Brauereiverwaltung genutzt worden war. Zu einer ersten Verzögerung kam es in der Folge durch Einsprüche eines Anrainers und Hofbräu selbst. Die Brauerei fürchtete wegen der geplanten Wohnbebauung künftig Einschränkungen in Bezug auf ihre eigene Lärmemission.

Fakt ist, dass die Stadt auf Anfrage nun erklärt, dass die Baugenehmigung „aufgrund des Widerspruchs“ seit 2022 bestandskräftig und immer noch gültig sei. Baurechtlich genehmigt seien demnach ein Wohn- und Geschäftsgebäude „mit Lebensmittelmarkt, 50 Wohnungen und Tiefgaragen mit 115 Stellplätzen“. Kritiker im Stadtbezirk hatten in der Vergangenheit bemängelt, dass der Anteil an sozial geförderten Wohnungen bei dem Wohnbauprojekt zu gering sei.

Stadt: Auflagen sind vom Bauherrn noch nicht erfüllt worden

Wie die Stadtverwaltung weiter mitteilt, seien „die mit der Baugenehmigung verbundenen Auflagen und Bedingungen zum Baubeginn vom Bauherrn bislang nicht erfüllt“ worden. Eine Baufreigabe wurde deshalb bisher noch nicht erteilt.

Bei den angesprochenen Auflagen handelt es sich allerdings um nichts Gravierendes, sondern „um die üblichen Auflagen für den Baubeginn“, teilt die Stadt mit. Hinweise, dass es Probleme mit diesen Auflagen gebe, lägen nicht vor. Warum aber dann von der erteilten Baugenehmigung bis heute kein Gebrauch gemacht wurde oder bis wann geplant sei, das genehmigte Bauvorhaben umzusetzen, ist der Stadt Stuttgart, wie es heißt, „nicht bekannt“.

Bezirksbeirat besteht auf Antworten

Und Aldi selbst? Der Lebensmittel-Discounter, der auch im Immobiliengeschäft kräftig mitmischt, mauert. Auf Anfrage unserer Zeitung heißt es knapp: „Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass Aldi Süd Ihnen aktuell keine Angaben zum weiteren Projektfortschritt machen kann.“

Der Bezirksbeirat Stuttgart-Süd besteht nun gleichwohl auf Antworten. Auf Antrag der SPD soll jetzt die Stadtverwaltung selbst dafür sorgen, klarzustellen, wie es um das Bauprojekt in Heslach steht. Überdies soll die Stadt die Firma Aldi anhalten, die Verschmutzung auf der Brache und auf dem angrenzenden Fußgängerweg regelmäßig zu beseitigen.

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