Branchentreffen Design Experience in Stutgart Die kreativen Köpfe tauschen sich aus

Von Nora Stöhr 

Auf dem Kongress Design Experience in Stuttgart diskutieren Experten über die Themen Nachhaltigkeit, gute Bedienbarkeit von Produkten und Digitalisierung, die die Branche derzeit umtreiben.

Alien Wolter vom Stuttgarter Unternehmen Arno spricht auf der Design Experience über die Gestaltung von Läden. Foto: Getty
Alien Wolter vom Stuttgarter Unternehmen Arno spricht auf der Design Experience über die Gestaltung von Läden. Foto: Getty

Stuttgart - Welche wirtschaftliche Bedeutung die Kreativbranche für Stuttgart hat und welchen wichtigen Stellenwert die baden-württembergische Landeshauptstadt gleichzeitig als Kreativstandort in Deutschland einnimmt, fasst Ines Aufrecht, die Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, in einem Satz zusammen: „In Berlin stellt man nur Bilder aus, in Stuttgart auch Rechnungen“, zitierte Aufrecht am Donnerstag auf der Fachtagung „Design Experience“ in Stuttgart einen gängigen Spruch aus der Branche.

„Als Industriestandort mit starker kreativwirtschaftlicher Durchdringung sind wir vor allem im Kommunikations- und Produktdesign einer der führenden Standorte in Europa“, ergänzte der Geschäftsführer der regionalen Wirtschaftsförderung, Walter Rogg. Allein in Stuttgart seien 4500 Unternehmen aus der Kreativbranche ansässig, die insgesamt 16 000 Menschen beschäftigten, so Aufrecht. Seit 2009 sei die Beschäftigtenzahl in diesem Bereich um 20 Prozent gestiegen. Themen, die die kreativen Köpfe derzeit umtreiben, seien Nachhaltigkeit, gute Bedienbarkeit von Produkten sowie die Digitalisierung.

Online und offline werden zunehmend verschwimmen

Wie wichtig die Digitalisierung und damit auch verbunden die Ansprache der sogenannten Digital Natives – also der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist – für die Design- und Kommunikationsbranche sind, machte Alien Wolter vom Stuttgarter Unternehmen Arno, das sich vor allem auf den Ladenbau spezialisiert hat, deutlich: Acht von zehn Kunden, die einen Laden betreten, hätten sich bereits zuvor im Internet über die Produkte informiert, berief sich Wolter auf eine Studie.

Die Differenzierung zwischen Online und Offline werde sukzessive aufgehoben, glaubt Wolter. Deshalb sei es für die Zukunft wichtig, den Onlinehandel und den stationären Handel miteinander zu verbinden. Als Beispiel führte sie den New Yorker Modehändler Kate Spade an, der die Schaufenster von geschlossenen stationären Läden nutzt, um dort Teile seines Angebots der Laufkundschaft zu zeigen. Über einen Bildschirm kann die Ware direkt online bestellt werden. Im Allgemeinen sei vor allem die Bedienbarkeit für die Kunden wichtig. „Bedieneroberflächen müssen funktionieren. Tun sie das nicht, dann wird das Produkt sofort ausgetauscht“, sagte Wolter.

Einen virtuellen Sportwagen für die junge Zielgruppe

Beim Stuttgarter Autobauer Daimler arbeite man an fünf Standorten weltweit an der Gestaltung der Autos, allein 20 Designer seien für die Gestaltung der Scheinwerfer zuständig, erzählte der Daimler-Designer Martin Bremer auf dem Kongress. Das Erreichen der jungen, digitalaffinen Zielgruppe spiele auch im Bereich des Automobildesigns eine große Rolle. Um die kaufkräftige Kundschaft von morgen an die exklusiven Autos heranzuführen, haben die Mercedes-Benz-Designer beispielsweise einen virtuellen Sportwagen für das Playstation-Rennspiel Gran Turismo entwickelt. „Wir überlegen uns als Designer ständig, wie wir neue Kundengruppen für uns gewinnen können“, sagte Bremer.

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