Brand in der Eselsmühle Besitzer wollen alles wieder aufbauen
Die Besitzer Meinrad Bauer und Natalie Barthels wirken nach dem Unglück in der Eselsmühle gefasst – obwohl die Schäden nach dem Brand sehr groß sind.
Die Besitzer Meinrad Bauer und Natalie Barthels wirken nach dem Unglück in der Eselsmühle gefasst – obwohl die Schäden nach dem Brand sehr groß sind.
Idyllisch ist es im Siebenmühlental. Der Wind rauscht leise in den Blättern, die Vögel zwitschern und auf der Wiese nur wenige Meter vom Parkplatz der Eselsmühle entfernt grasen friedlich kleine Esel und ein Pony. Sie lassen sich nicht stören von den großen Feuerwehrautos, den Männern, die geschäftig umherlaufen, um die dicken Feuerwehrschläuche wieder aufzurollen und weiteres Material einzusammeln. Die Flammen sind am späten Vormittag gelöscht, doch sie hinterlassen ein Bild der Zerstörung.
Am frühen Montagmorgen hat das vordere Haus der Eselsmühle lichterloh gebrannt. Dort befinden sich der Hofladen, darüber die Mühlenstube und im Dachgeschoss eine Wohnung. Das Feuer hat die vierköpfige Familie, die dort zu Hause ist, aus dem Schlaf gerissen, doch sie kam unbeschadet aus dem Gebäude. Für den Mühlenbesitzer Meinrad Bauer und seine Frau Natalie Bartels ist das mit Abstand das Wichtigste. Und auch die Tiere – die neun Esel, das Pony und die Hühner – blieben unbeschadet. Nur kurze Zeit nach dem Feuer wirken die Mühlenbesitzer gefasst. „Die Mitarbeiter sind gekommen, von überall her wird uns Hilfe angeboten“, sagt Natalie Barthels. Für die nun vorübergehend obdachlos gewordene vierköpfige Familie, die ihr Zuhause verloren habe, sei bereits eine neue Bleibe für eine Übergangszeit gefunden. „Wir sind gerade dabei, Möbel zu organisieren“, sagt Natalie Barthels. Und es gebe auch schon eine Spendensammlung, damit sich die Familie mit dem Nötigsten versorgen könne. „Sie haben ja nur noch ihre Schlafanzüge“, sagt Natalie Barthels und muss nun doch schlucken und eine Träne wegblinzeln.
Gegen 5.30 Uhr hatte Meinrad Bauer von den Bewohnern des Gebäudes von dem Feuer erfahren. „Als ich hier ankam, war es noch ein kleines Feuer im Außenbereich“, sagt der Mühlenbesitzer. Doch dann sei alles ganz schnell gegangen. Bis die Feuerwehr vor Ort war, stand das Haus bereits komplett in Flammen. Etwa 110 vorwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte und 22 Fahrzeuge waren vor Ort, heißt es im Polizeibericht. Die Feuerwehren aller Stadtteile Leinfelden-Echterdingens waren im Einsatz, dazu Spezialfahrzeuge aus Filderstadt, Steinenbronn, Esslingen und vom Flughafen. Zur Bildübertragung stand zeitweise auch ein Polizeihubschrauber am Himmel über der Brandstelle.
Was genau passiert ist, steht noch nicht fest. Sobald der Brandort betreten werden kann, müssen Ermittler herausfinden, was die Ursache für das Feuer war. Nach ersten Erkenntnissen könnte der Brand im Bereich der Terrasse der Gaststätte im ersten Stock ausgebrochen sein, so die Polizei. Die Höhe des Sachschadens ist noch unklar, dürfte aber mehrere Hunderttausend Euro betragen. Das Polizeirevier Filderstadt ermittelt.
Die Südfassade des vorderen Hauses ist komplett verkohlt. Die Fensterscheiben sind geborsten. Im Dach klaffen Löcher. Die Aufräumarbeiten beginnen bereits am Montagvormittag. Feuerwehrleute entfernen die losen Ziegel, immerzu ist ein Scheppern und Krachen zu hören. Andere fegen auf dem Innenhof zwischen der Mühlenstube und der Scheune Schutt zusammen. Rot-weißes Absperrband und ein paar Polizisten verhindern, dass Schaulustige dort weitere Fotos machen. Die nördliche Gebäudeseite, an der sich der Eingang zum Hofladen und die schmale Treppe in Richtung Mühlenstube befinden, sieht noch gut aus. Die Kräutertöpfchen, die dort an diesem Montag hätten verkauft werden sollen, haben so gut wie nichts abbekommen. „Auch innen sieht es gar nicht so schlimm aus“, sagt Meinrad Bauer. Die Verkaufstheke im vorderen Teil sei einigermaßen erhalten. Und auch oben in der Mühlenstube sehe ein Teil der Tische und Stühle auf den ersten Blick noch okay aus. Nur in dem Teil des Gebäudes, der Richtung Garten zeige, wo das Feuer besonders schlimm gewütet habe, da seien die Schäden sehr deutlich.
Meinrad Bauer glaubt nicht, dass das Gebäude wieder aufgebaut werden kann. „Es wurde kurz nach dem Krieg erbaut. Damals hatten die Menschen nicht viel Geld. Die Grundstruktur ist nicht so solide“, sagt der Mühlenbesitzer. Doch ein Neubau werde wohl auch nicht ganz einfach, weil das Ensemble unter Denkmalschutz stehe. Bis das alles geklärt ist, wird noch viel Wasser den kleinen Bach hinter dem Anwesen hinunterfließen.
Die Mühlenbesitzer richten ihren Blick lieber erst einmal auf die nahe Zukunft. „Die Mühlenstube und der Hofladen müssen geschlossen bleiben, und auch die Wohnung ist unbewohnbar“, fasst Meinrad Bauer zusammen. Doch die umgebaute Scheune und der ehemalige Kuhstall, wo regelmäßig Veranstaltungen, vor allem Hochzeiten, stattfinden, sind von dem Brand in keiner Weise betroffen. Für diesen Teil des Anwesens gibt es auch eine eigene Küche, sodass die Gäste auf nichts verzichten müssen. Auch die Bäckerei der Eselsmühle kann ohne Einschränkungen weiter betrieben werden. Meinrad Bauer geht davon aus, dass dort bereits am Montagnachmittag wieder Teig geknetet und gebacken wird. Zudem gebe es eine weitere Eselsmühlen-Bäckerei in Steinenbronn. Sämtliche Bäckereien, die von der Eselsmühle beliefert werden, erhalten also auch weiterhin ihre Waren.
Meinrad Bauer kann sich vorstellen, vorübergehend aus einem Marktwagen heraus die frischen Produkte der Eselsmühle vor Ort im Siebenmühlental anzubieten, statt im Hofladen. „Wir sind ja ohnehin auch auf Wochenmärkten unterwegs“ sagt er. Und vielleicht gebe es auch eine Möglichkeit, im großzügigen Garten schon bald wieder Gäste zu bewirten. „Auch unsere Mitarbeiter überlegen schon, was man wie umorganisieren könnte“, ergänzt Natalie Barthels. Und ihr Mann fügt noch hinzu: „Wir werden alles wieder aufbauen. Ich glaube, wir werden wieder was Schönes draus machen.“