Unternehmen aus Stuttgart Firma baut noble Panikräume und abhörsichere Konferenzsäle

Modern und abhörsicher – so könnte ein von der Firma Kiess gebauter Konferenzraum aussehen. Foto: Kiess Innenausbau

Sie haben Panzertüren, sind brand- und schusssicher – sehen aber aus wie edle Schlafzimmer. Mit Panikräumen hilft das Stuttgarter Unternehmen Kiess Innenausbau wohlhabenden Kunden, sich vor Kriminellen zu schützen.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Panikräume sind den meisten Menschen wohl nur aus dem gleichnamigen Hollywood-Film mit Jodie Foster bekannt. Doch diese besonderen Schutzräume in ganz normalen Wohnhäusern gibt es wirklich, und das schon seit vielen Jahren. In den USA sind sie relativ weit verbreitet, auch das Weiße Haus des Präsidenten hat einen.

 

Die Firma Kiess Innenausbau, die an der Heigelinstraße am Rand des Gewerbegebiets Fasanenhof beheimatet ist, hat schon einige Panikräume im In- und Ausland gebaut, auch in der Region Stuttgart. Hierzulande sind es zum Beispiel Vorstände großer Unternehmen und bekannte Politiker, die einen solchen Schutzraum in ihrem Eigenheim haben – also Menschen, die in der Öffentlichkeit bekannt sind und potenziell viel Geld haben.

Einen Panikraum kann man sich vorstellen wie einen begehbaren Tresor

Ein Panikraum ist ein spezieller Bereich im Haus, ein Rückzugsort für den Gefahrenfall, zum Beispiel, wenn Einbrecher im Gebäude sind. „Sie genügen hohen Sicherheitsanforderungen, haben Panzertüren, sind brand- und schusssicher“, erklärt der Kiess-Geschäftsführer Wolfgang Rosskopf. Im Grunde kann man sie sich vorstellen, wie einen begehbaren Tresor. Drinnen gibt es einen Notknopf, über den die Polizei informiert werden kann. Ein Panikraum ist in der Regel so konzipiert, dass er mindestens eine halbe Stunde Sicherheit bietet. Dann sollte die Polizei vor Ort sein.

Das Besondere an den Panikräumen der Firma Kiess ist, dass sie nicht danach aussehen. Meist sei der Panikraum ein komplett möbliertes und wohnliches Schlafzimmer, sagt Wolfgang Rosskopf. „Alles soll ganz normal aussehen, aber die komplette Technik beinhalten“, ergänzt der Geschäftsführer Tilo Kiess. Dazu werden die speziellen Wände und Türen zum Beispiel mit noblem und dickem Holz verkleidet – so etwas gehört schließlich zum Kerngeschäft der Möhringer Firma Kiess Innenausbau. Ein Panikraum koste in der Basisversion 40 000 Euro, sagt Wolfgang Rosskopf, nach oben gebe es kaum Grenzen, je nach Ausstattung könne ein solcher Raum auch deutlich teurer werden.

Den Panikräumen der Firma Kiess sieht man nicht an, dass sie höchsten Sicherheitsanforderungen genügen. Foto: Kiess Innenausbau

Die Firma Kiess beschäftigt sich schon seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Sicherheit. Angefangen hat das Unternehmen mit dem Einbau von schusssicheren und einbruchshemmenden Türen in luxuriösen Residenzen in afrikanischen Staaten wie zum Beispiel in Südafrika und Nigeria. Erst später gewann das Thema auch in Deutschland an Bedeutung. Doch natürlich ist mit einer sicheren Tür allein im Extremfall noch nicht viel gewonnen. So entwickelte sich das Geschäftsfeld weiter bis hin zu Panikräumen. „Inzwischen haben wir sehr viel Know-how auf diesem Gebiet“, sagt Tilo Kiess.

Bisher ein Nischenprodukt

Zur Sicherheit gehört zuweilen auch, dass Räume abhörsicher sind. Auch in diesem Bereich ist die Stuttgarter Firma aktiv. Bei den ersten Aufträgen in Deutschland ging es um Strahlenschutz an Universitäten – sie dienten also dazu, die Forschung abzusichern und nicht dazu, Kriminelle abzuwehren. Inzwischen hat Kiess auch schon einen abhörsicheren Raum für das Innenministerium gebaut. „Die Bereiche Strahlenschutz und Abhörsicherheit sind eng miteinander verwandt. Dabei werden spezielle Folien in den Wänden eingezogen“, sagt Tilo Kiess. Abhörsichere und abhörgeschützte Räume baut sein Unternehmen zusammen mit seinem Partner W+R Schirmungstechnik. „Wenn es hingegen um einbruchsichere Haus- und Wohnungstüren, Rauch- und Feuerschutz bis hin zur Beschusssicherheit geht, können wir das meistens selbst machen“, sagt Wolfgang Rosskopf.

Obgleich das Thema Sicherheit insgesamt immer wichtiger wird, ist es für die Firma Kiess bisher eine Nische. „Derzeit macht es etwa fünf Prozent unseres Unternehmensumsatzes aus“, sagt Wolfgang Rosskopf.

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