Brandserie in Kernen Polizei fasst Feuerteufel aus Kernen
Fahndungserfolg: Die Polizei hat einen 27-Jährigen ermittelt, der für eine große Brandserie in Kernen verantwortlich sein soll. Und er ist nicht der einzige Verdächtige.
Fahndungserfolg: Die Polizei hat einen 27-Jährigen ermittelt, der für eine große Brandserie in Kernen verantwortlich sein soll. Und er ist nicht der einzige Verdächtige.
Aufatmen in Kernen: Der Brandstifter, der in den vergangenen Monaten zahlreiche Feuer in der Gemeinde gelegt haben soll, scheint gefasst. Die Polizei macht ihn für mehr als ein Dutzend Brände verantwortlich, die zwischen dem Jahreswechsel und dem vergangenen September in der Gemeinde gelegt wurden. Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 27-Jährigen, dem konkret vorgeworfen wird, mindestens 14 Brände gelegt zu haben. Doch er ist nicht allein: Eine 45-Jährige wurde ebenfalls ermittelt, sie soll mindestens einen Mülleimer und einen Papiercontainer angezündet haben. Die Polizei hält sich bezüglich der Identität, der Berufe und der möglichen Beweggründe der Verdächtigen bedeckt. „Wir sind froh, dass wir einen Haupttatverdächtigen und eine weitere Verdächtige ermitteln konnten“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Aalen.
Die Straftaten ereigneten sich zwischen dem vergangenen Dezember und dem 20. September dieses Jahres. Die Polizei zählt insgesamt 30 Delikte zu dieser Serie. Die Brände wurden vorwiegend an Holzstapeln, Mülleimern, Containern bis hin zu Scheunen und Fahrzeugen gelegt. Verletzt wurde durch die Brände niemand.
Dennoch verursachten die Vorfälle erhebliche Schäden, die laut Polizei insgesamt rund 80 000 Euro betragen. Die Auswirkungen der Brände reichen jedoch über die rein materiellen Schäden hinaus und beeinflussten die Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung maßgeblich, wie der Polizeisprecher betont. Besonders deutlich wurde dies, als sich die Brände im Sommer massiv häuften.
Ursprünglich fokussierten die Ermittler ihre Aufmerksamkeit auf einen 55-Jährigen, dem vorgeworfen wurde, die Brände gelegt zu haben. Am 24. August wurde der Verdächtige auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart einem Haftrichter vorgeführt, der einen Haftbefehl erließ und in Vollzug setzte. Nachdem sich der anfänglich dringende Tatverdacht nach kriminaltechnischer Spurenuntersuchung und weiteren Ermittlungserkenntnissen jedoch nicht bestätigte und der Mann als möglicher Täter ausgeschlossen wurde, wurde der Mann aus der Haft wieder entlassen.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Polizei Waiblingen wurden daraufhin intensiviert. Am 19. September wurde der zur Klärung der Tatgeschehen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe Rebe eingerichtet, an der zwischenzeitlich 78 Beamtinnen und Beamte aus Schutz- und Kriminalpolizei eingebunden waren. Sie gingen bislang mehr als 130 Spuren nach. Parallel dazu wurden die Ermittlungen durch intensive Fahndungsmaßnahmen begleitet.
So geriet auch der 27-jährige Mann weiter ins Visier der Ermittler. „Er war schon zuvor aufgefallen, weil er sich bei einigen Bränden in der Nähe der Tatorte aufgehalten hatte“, sagt der Polizeisprecher. Es hätten zunächst jedoch belastbare Beweise gefehlt, um gegen ihn vorzugehen. Der Verdacht erhärtete sich aber nach einem Vorfall am 20. September in der Frauenländer Straße. Der 27-jährige Mann soll dort ein Auto in Brand gesteckt haben. Und eben nicht nur das: „Diesem Tatverdächtigen werden von den Ermittlungsbehörden zwischenzeitlich mindestens 13 weitere Taten, darunter insgesamt acht Brandstiftungen an Kraftfahrzeugen, zur Last gelegt.“ Der Tatverdächtige befinde sich aktuell auf freiem Fuß, er müsse nach derzeitigem Ermittlungsstand mit einer Anklage rechnen.
Die Ermittlungen zu der Brandserie sind nicht abgeschlossen und werden von der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Kripo Waiblingen fortgesetzt. So konnte zwischenzeitlich darüber hinaus ermittelt werden, dass Brände an einem Altpapiercontainer und einer Mülltonne mutmaßlich von einer 45-jährigen Frau gelegt wurden. Ob darüber hinaus weitere Personen involviert sind, ist Gegenstand der Ermittlungsarbeit. „Wir konnten nun 16 Fälle der Brandserie den beiden Tätern zuordnen“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion in Aalen. Er machte allerdings auch deutlich, dass es sich damit nur um einen, wenn auch sehr erfreulichen, Zwischenstand handle. „Die Ermittlungsarbeit wird weiter mit Hochdruck fortgesetzt“, so der Sprecher, „schließlich wollen wir auch die restlichen Taten noch aufklären.“
Im Laufe der Brandserie hatte auch Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch die Bevölkerung in der Gemeinde über die sozialen Netzwerke zur Besonnenheit aufgerufen: „Aufmerksamkeit ist gut und immer richtig, verzichten wir aber auf Mutmaßungen und Unterstellungen und Verdächtigungen“, hatte er seinerzeit geschrieben. „Falsche Verdächtigungen schaden den Einzelpersonen und tun auch uns als Gemeinschaft in Kernen nicht gut.“