Brauhaus Eins eröffnet im Bosch-Areal Bier direkt aus dem Tank – das gibt es auch bald in Stuttgart

Das frühere Felix im Bosch-Areal wird gerade zum Brauhaus Eins umgebaut. Foto: Uwe Bogen

Was als Ausschank der Zukunft gilt, feiert bald Premiere in Stuttgart: Das frühere Felix im Bosch-Areal wird zum Brauhaus mit neuartigen Tanks statt mit herkömmlichen Fässern. Das Bier, sagen die Fans dieses Verfahrens, schmecke besser – und schone die Umwelt.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Wenn der Tanklaster kommt, muss er nicht immer Heizöl an Bord haben. Künftig wird auf diese Weise auch das Bier geliefert. Fässer haben im Brauerei-System der Zukunft ausgedient. Dies soll der Umwelt dienen, weil keiner mehr leere Behälter oder Kisten hin- und herfahren muss. Und obendrein soll das gekühlte Bier aus speziellen Vakuumstanks besser und frischer schmecken, weil kein zusätzliches Kohlendioxid mehr benötigt wird, um den Gerstensaft aus dem Fass zu drücken. „Wer Tankbier mal getrunken hat, will kein anderes mehr“, sagt Wirt Oliver Kupresakovic.

 

Eröffnungsfeier ist für den 21. März geplant

„Wir sind die ersten in Stuttgart, die Tankbier anbieten“, berichtet Hofbräu-Chef Martin Alber. In Berlin gibt es bereits 18 Tankbierbars mit überwiegend positiven Bewertungen. In den Genuss des neuen Ausschankverfahrens kommen Stuttgarter Bierfans im früheren Café Felix, das der Betreiber Kupresakovic nach mehr als 20 Jahren im vergangenen Dezember geschlossen hat. Das Restaurant war vor allem bei Konzertbesuchern der Liederhalle und Cinemaxx-Kinogängern beliebt.

Der Gastronom versprach ein „neues Konzept“, das er gemeinsam mit Stuttgart Hofbräu entwickelt hat. Über dem Tresen werden künftig drei Tanks hängen, die dank dem Bag-in-Tank-Prinzip Bier spenden, das so frisch schmecken soll wie direkt aus dem Brauerei-Keller. Weil dieses Verfahren für die Kesselstadt etwas völlig Neues ist, bekommt das Brauhaus den Namen Eins. Die Eröffnungsfeier ist für den 21. März geplant.

„Das Bier wird konstant auf fünf Grad gekühlt“, erklärt Wirt Oliver Kupresakovic, „sowohl im Tankwagen als auch in den Bartanks dank Kühlspiralen.“ Der Wirt freut sich, in Stuttgart ein Pionier beim neuen Ausschank zu sein. „Das macht großen Spaß“, sagt er.

Und so funktioniert es: Zwischen die Innenwände des Stahltanks und die Kunststoffbeuteln, in denen das Bier vom Tankwagen gepumpt wird, wird Luft gepresst. So entsteht ein natürlicher Druck, der zum Zapfen verwendet wird. Dies bedeutet, dass das Bier auf diese Weise seinen natürlichen CO₂-Gehalt behält und keinen externen Sauerstoff braucht. Dies sei der Grund, warum das Bier besser schmeckt, sagt Kupresakovic.

„Komm, wir gehen noch einen tanken!“

Tankbier, hört man in der Branche, kommt am ehesten an Biolandwirtschaft heran, weil das Bier nicht behandelt wird. Man muss künftig auch nicht mehr Fässer transportieren, was die Umwelt schont und zugleich die Kosten für Brauereien und Wirte senkt. Denn die leeren Fässer müssen zur Reinigung und Abfüllung an die Brauerei zurückgebracht werden, ihr CO2-Fußabdruck ist damit laut Brauerei um 30 Prozent höher als bei Tankbier. Da die Tanks im Gastraum hängen, sei auch die Optik ein Gewinn und stelle eine Attraktion für die Gäste dar. Die hohen Investitionen für das neue System lohnten sich allerdings nur, wenn der Umsatz hoch ist.

Nach dem Kino- oder Konzertbesuch im Bosch-Areal kann man künftig also sagen: „Komm wir geh’n noch einen tanken.“

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