Brennstoffzellenfabrik in Weilheim Letzter Eigentümer unterschreibt: grünes Licht für Cellcentric

So soll das neue Industriegebiet Rosenloh einmal aussehen – mit Cellcentric als Hauptnutzer. Foto: Stadt Weilheim

Jetzt hat auch der letzte Eigentümer seine Flächen im Weilheimer Gewerbegebiet Rosenloh verkauft. Damit ist der Weg für eine der größten Brennstoffzellen-Produktionsstätten Europas frei.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Es ist ein Meilenstein für das Projekt. Am Freitag hat auch der letzte Eigentümer, der noch zentrale Flächen im neuen Gewerbegebiet Rosenloh in Weilheim (Kreis Esslingen) besaß, seine Grundstücke an die Stadt verkauft. Damit rückt die Realisierung einer der größten Brennstoffzellen-Produktionsstätten in Europa einen großen Schritt näher.

 

Das Unternehmen Cellcentric, ein Joint Venture von Daimler Truck und Volvo, möchte im Rosenloh auf einer Fläche von rund 15 Hektar Brennstoffzellen vor allem für den Schwerlastverkehr produzieren. Weitere 15 Hektar will die Stadt für den Bau einer Umgehungsstraße und für die Erweiterungspläne von lokalen Unternehmen zur Verfügung stellen. Das Projekt ist von landesweiter Bedeutung. Im Vorfeld des Bürgerentscheids im April 2022 hatte sich auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann mehrfach für das Projekt eingesetzt. Beim Bürgerentscheid hatten sich dann 70 Prozent der Weilheimer für das Gewerbegebiet Rosenloh und damit für die Ansiedlung von Cellcentric ausgesprochen.

Kaufverhandlungen haben sich hingezogen

Ursprünglich hätten die Kaufverhandlungen bereits im Juli 2022 abgeschlossen sein sollen. Die Planungen haben sich aber immer wieder verzögert, weil es der Stadt Weilheim lange nicht gelungen war, Bürger vom Verkauf zu überzeugen. Kurz vor Weihnachten hatten dann zunächst zwei Eigentümer ihren Widerstand aufgegeben. Nun kann die Stadt den Durchbruch verkünden.

Für Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle ist die Nachricht ein Erfolg: „Ich danke allen Grundstückseigentümern für diese weitsichtige Entscheidung. Mir ist bewusst, dass dies nicht allen ganz leichtgefallen ist. Wir werden weiterhin sehr transparent über das Projekt berichten und den Dialog mit den beteiligten Akteuren suchen.“

Es geht jetzt um Detailfragen

Für das Projekt stehen jetzt weitere wichtige Entscheidungen an: Nachdem der Gemeinderat im Dezember 2023 mit großer Mehrheit den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst hat, ist dieser nach der ebenfalls bereits erfolgten Bekanntmachung rechtskräftig. Nun müssen sich die Stadt und Cellcentric auf ein Vertragswerk verständigen und noch zahlreiche Detailfragen klären. Der Cellcentric-Chef Matthias Jurytko hatte sich kurz vor Weihnachten aber optimistisch gezeigt, dass diese Verhandlungen im ersten Quartal 2024 abgeschlossen werden können.

Um das Projekt noch zu retten, hatte der Verband Region Stuttgart im November zur Finanzierung des regional bedeutsamen Gewerbegebiets eine Bürgschaft von 21 Millionen Euro übernommen. Mit diesem Geld, so teilt die Stadt Weilheim nun mit, werde der Kauf der Grundstücke sowie die hälftigen Erschließungskosten für das Gebiet Rosenloh abgesichert. Ohne die Bürgschaft des Regionalverbands und ein Sonderfinanzierungsprogramm über die LBBW wäre der Abschluss nicht möglich gewesen. All diese Vertragselemente müssten von der Weilheimer Stadtverwaltung nun ebenfalls noch rechtlich geprüft werden. Auch das soll bis Ende März geschehen.

Erste Bagger sollen im Herbst rollen

Bis die ersten Bagger rollen, werden aber noch einige Monate ins Land gehen. „Erste Arbeiten im Gebiet werden aus heutiger Sicht in der nächsten vegetationsfreien Periode, also im Herbst 2024 möglich sein“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Damit ist klar, dass der ursprüngliche Plan, in Weilheim bereits Anfang 2026 mit der Serienproduktion der Brennstoffzellen zu beginnen, sich nicht wird halten lassen. Allerdings hatte Cellcentric-Chef Jurytko bereits vor Weihnachten angedeutet, dass man sich den Gegebenheiten anpassen werde.

Anders als ursprünglich geplant, wird nun wohl zuerst die erste von zwei angedachten Produktionsstätten in Weilheim geschaffen. Der zeitgleiche Umzug von Verwaltung und Forschung aus dem benachbarten Kirchheimer Stadtteil Nabern ist vom Tisch. Er soll dann bis 2030 vollzogen sein.

Drei Jahre harte Arbeit

Rund drei Jahre lang hat die Weilheimer Stadtverwaltung auf diesen Tag hingearbeitet. Johannes Züfle: „Ich danke allen Beteiligten, insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, für das außerordentliche Engagement, das zu diesem Ergebnis geführt hat.“

Positive Reaktionen gibt es auch aus der Politik. „Ich freue mich sehr, dass das Projekt eine entscheidende Hürde nimmt“, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Dass das Leuchtturmvorhaben in Weilheim nun in die nächste Runde gehen kann, werte ich als großen Erfolg für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg.“ Für Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut geht von Weilheim eine Signalwirkung aus: „Mit der aktiven Ansiedlungsstrategie wollen wir den Fokus gezielt auf Branchen und Zukunftsfelder richten, um offensiv für unseren Standort zu werben.“ Michael Kaiser, Wirtschaftsförderer der Region, sieht es so: „Mit Cellvcentric wird eine wichtige Zukunftstechnologie in der Region Stuttgart verankert“.

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