Geplantes Filmhaus in Stuttgart Was passiert mit dem Breuninger-Parkhaus?

Von Josef Schunder 

Wo heute noch das Breuninger-Parkhaus steht, soll nach Möglichkeit das neue Film- und Medienhaus entstehen. Doch erst ist die Frage zu klären, ob die 650 Autostellplätze komplett in den Untergrund versenkt werden können. Auch andere Themen müssen noch bearbeitet werden.

Das Breuninger-Parkhaus ist der Wunschstandort von Stadtverwaltung und Kulturszene für das neue Filmhaus und eine ergänzende Bebauung. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Das Breuninger-Parkhaus ist der Wunschstandort von Stadtverwaltung und Kulturszene für das neue Filmhaus und eine ergänzende Bebauung. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Das neue Film- und Medienhaus soll auf dem Gelände des Breuninger-Parkhauses entstehen, doch dieser seit Monaten diskutierte Standort ist noch keinesfalls gesichert. Jetzt versucht Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU), mit Breuninger die Eckpunkte zu bestimmen und ein tragfähiges Konzept für eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Die zuletzt im Herbst 2017 verschobene Grundsatzentscheidung im Rathaus über das Projekt ist nun im Herbst 2018 vorgesehen. Doch ob die Vorbereitungen bis zu den Sommerferien oder wenigsens bis zur ihrem Ende klappen, ist ungewiss. Bei einigen Punkten befinde man sich im Anfangsstadium, sagt Mayer.

Das Gelände gehört zwar der Stadt, das Parkhaus selbst aber dem Kaufhausunternehmen. Dessen Erbbaurecht läuft bis Ende 2028. Das wäre viel zu spät für das angestrebte Film- und Medienhaus. Man plane den Baubeginn natürlich nicht erst 2029, sagt der Kulturbürgermeister. Das Projekt Film- und Medienhaus sei jetzt aktuell, dieses Themenfeld „gesellschaftlich und kulturpolitisch jetzt virulent“. Zudem müsse man sich eine baldige städtebauliche Aufwertung in diesem Bereich wünschen. Die Chancen scheinen gut zu stehen, obwohl Breuninger-Sprecher Christian Witt sagt, dass „die Sache ganz am Anfang ist“ und alle 650 Autoabstellplätze unverzichtbar seien. Jemand, der in die Standortsuche involviert war, meint aber beobachtet zu haben, dass das Interesse bei Breuninger gewachsen ist. Das Unternehmen, das gerade groß in das Dorotheenquartier investierte, wolle weitere Teile des Umfelds aufwerten. Andererseits will es nicht zu viele Parkplätze einbüßen – und die Stellplätze müssten künftig komplett unter der Erde liegen. Daher prüft die Verwaltung, ob man mit der Parkgarage trotz der Mineralwasservorkommen in der Stuttgarter Erde noch weiter in den Boden gehen kann. Bei der Parkgarage Dorotheenquartier sei es möglich gewesen, sagt Mayer. Geprüft würden auch neuartige automatisierte Anlagen mit geringerem Platzbedarf.

Geprüft wird ein automatisiertes Parkhaus

Auch die Aufgabenteilung zwischen Stadt und Breuninger ist näher zu bestimmen. Die Verwaltung und der Gemeinderat fühlen sich zuständig für das Kulturprojekt, das dicht am Leonhardsplatz, nämlich im Bereich der Treppe zur Breuninger-Unterführung der B 14, vorgesehen ist. In Richtung Charlottenplatz gesehen soll sich bis zur Höhe Rosenstraße eine zusätzliche neue Baumasse anschließen, wo heute noch Teile des Parkhauses stehen und sich ein kleiner Parkplatz befindet. Hier sei die Nutzung noch ungeklärt, sagt Mayer. Im Stadtplanungsamt kann man sich Büros vorstellen, Wohnungen – wenn überhaupt – nur auf der Seite an der Esslinger Straße. Die Neubauten sollen wieder eine „Gebäudekontur“ an der B 14 herstellen, wie es sie an der Hauptstätter Straße vor langer Zeit einmal gab.

Auch bei der Leonhardskirche ist mehr Kontur erwünscht

Für einen zusammenhängenden Gebäudekomplex spräche, dass das Bohnenviertel so gegen Lärm und Luftschadstoffe geschützt würde. Städtebaulich wären eher Bauelemente erwünscht, zwischen denen es Zäsuren gibt; vielleicht sogar dadurch, dass neben der Rosenstraße auch die Brennerstraße und die Wagnerstraße vom Bohnenviertel bis zur B 14 geführt werden. Die Planer der Stadt gehen in ihren Gedankenspielen sogar so weit, die Kontur am Rand der B 14 auch bei der Leonhardskirche fortzusetzen, wo der Leonhardsplatz vor dem Krieg und vor der starken Verbreiterung der B 14 baulich gefasst gewesen sei – jedoch denken sie hier nicht an ein Gebäude, sondern an eine Pergola oder Baumreihe.

Entsteht doch noch ein Deckel über der B 14?

Natürlich lässt sich das Projekt Filmhaus nicht ohne die Bestrebungen zur Erweiterung der Kulturmeile Konrad-Adenauer-Straße betrachten. Es ist auch nicht zu trennen von dem städtebaulichen Architektenwettbewerb, den die Stadt zur Umgestaltung der B 14 zwischen Gebhard-Müller-Platz und Österreichischem Platz ausloben und bis Jahresende entscheiden möchte. Dabei könnte, wie bereits einmal vor Jahren, wieder ein Deckel über dem tiefer liegenden Teil der B 14 südwestlich des Charlottenplatzes eine Rolle spielen. Die Begeisterung der städtischen Planer hält sich zwar in Grenzen; um die gekappte Rosenstraße vom Bohnenviertel wieder ins Dorotheenquartier zu führen, in welcher Form auch immer, wäre ein Deckel aber „vielleicht sinnvoll“, räumt Wolf Gläser vom Stadtplanungsamt ein. Inzwischen hat das Tiefbauamt auch ermittelt, dass man mit technischen Kniffen die Rampen der B-14-Fahrbahnen wohl so modellieren könnte, dass ein Deckel breit genug wäre für die Rosenstraße. Bautechnische Herausforderungen gibt es auch beim eigentlichen Filmhausprojekt. Und dies nicht nur wegen des Mineralwassers im Untergrund. Beim Parkhaus existiert auch noch ein unterirdisches Regenüberlaufbecken. Daher lautet Mayers Fazit: „Wir prüfen erst einmal, was an dem Standort möglich ist.“ Von den Baukosten habe man noch keine Vorstellung.

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