Britische Royals Große Ehre für Herzogin Camilla
Zum 70. Jahrestag ihrer Thronbesteigung hält Königin Elizabeth II. eine Überraschung bereit: Camilla soll den Titel „Queen Consort“ bekommen.
Zum 70. Jahrestag ihrer Thronbesteigung hält Königin Elizabeth II. eine Überraschung bereit: Camilla soll den Titel „Queen Consort“ bekommen.
London/sandringham - Keine Monarchin und kein Monarch war länger auf dem Thron des Vereinigten Königreichs als Elizabeth II. – 70 Jahre. Anlässlich ihres „Platinum-Jubiläums“ am Sonntag hat die Queen eine besondere Botschaft verkündet. Sie versucht, ihrem Sohn Charles und dessen Frau Camilla den Weg zur Nachfolge zu ebnen. Und die 95-jährige Monarchin besteht darauf, dass Camilla den Königinnen-Titel tragen darf. „Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass Camilla, wenn die Zeit dafür gekommen ist, als ‚Queen Consort‘ bekannt sein wird“, schrieb Elizabeth II. in einem Statement. Prinz Charles und Herzogin Camilla reagierten „berührt“: „Uns ist die Ehre, die der Wunsch meiner Mutter bedeutet, äußerst bewusst“, schreibt Charles (73).
„Queen Consort“ („Königsgemahlin“) ist der übliche Titel der Ehefrau eines Königs im Vereinigten Königreich. Dies war auch bei der Mutter und Großmutter der heutigen Queen der Fall. Im Unterschied zur „Queen Consort“ ist eine „Queen Regnant“, wie Elizabeth selbst, britisches Staatsoberhaupt mit den entsprechenden Befugnissen. Doch auch eine „Queen Consort“ wird in einer kleineren Zeremonie in aller Form gekrönt und zur Königin geweiht.
Bisher hatte Camilla erklärt, sie beanspruche eine solche Ehre nicht und wolle sich einfach „Princess Consort“ nennen. Grund dafür war, dass sie in der Vergangenheit unter Royalisten wenig populär war. Als eine frühere Freundin von Charles war sie nach dessen Heirat mit Diana Spencer und nach ihrer eigenen Heirat mit dem Armeeoffizier Andrew Parker-Bowles in den 80er und 90er Jahren offenbar die Geliebte des Prinzen geblieben. „Es hat immer drei in unserer Ehe gegeben. Es war ein bisschen überfüllt“, klagte Diana 1995 in einem Fernsehinterview.
Noch im selben Jahr hatten sich Camilla und Andrew Parker-Bowles scheiden lassen. Und im Jahr darauf wurde die Ehe von Charles und Diana aufgelöst. Nach Dianas Tod im Sommer 1997 aber, der eine Woge der Emotionen auslöste in Großbritannien, machten Charles und Camilla bald schon kein Geheimnis mehr aus ihrem Verhältnis. 2005 heirateten sie in einer relativ bescheidenen zivilen Zeremonie im Standesamt von Windsor. Damals kam das vielen Monarchisten, die noch immer Diana nachtrauerten, „wie ein Verrat“ vor an ihrer „Königin der Herzen“.
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In den 17 Jahren seither wusste sich die mit dem Titel Herzogin von Cornwall bedachte Camilla durch beharrliche Einordnung ins Windsor-Gefüge und durch demonstrative Pflichterfüllung an der Seite von Charles oder bei Soloauftritten mehr und mehr Respekt zu verschaffen. Inzwischen wird sie, wie Umfragen zeigen, weithin toleriert. Die 74-Jährige gilt als nahbar bei öffentlichen Auftritten, bodenständig und humorvoll. Die Queen hat dies über die Jahre mit diversen Ehrentiteln und zuletzt mit der Aufnahme der Schwiegertochter in den höchsten Orden des Landes, den Garter-Orden, gewürdigt. Mit ihrem „dringlichen Wunsch“, dass sich Charles und Camilla zu gegebener Zeit König und Königin sollen nennen dürfen, schloss sie den Rehabilitierungsprozess für die nun 74-jährige Herzogin ab. „Für Camilla ist der Weg von der dritten Person in einer Ehe zur zukünftigen Queen abgeschlossen“, sagt der frühere Royal-Korrespondent der BBC, Peter Hunt.
Londons Hof-Kommentatoren meinen übereinstimmend, Elizabeth habe versucht, die Monarchie für die Zeit nach ihrem Tod zu festigen, sie „zukunftssicher“ zu machen. Dass jedenfalls ein entsprechendes Verlangen der Monarchin die erwünschte Wirkung haben wird – daran zweifelt im Königreich niemand. Vor vier Jahren hatte sich die Queen ebenfalls mit einem „dringlichen Wunsch“ an das Commonwealth of Nations gewandt. Damals hatte sie darauf bestanden, dass Charles, wie zuvor sie und vor ihr ihr Vater, mit der Leitung des Staatenbunds betraut würde. Diesem Wunsch hatte sich das Commonwealth gebeugt, obwohl viele Regierungs- und Staatschefs ihre Zweifel haben an Charles.
Auch sonst, machte die Queen klar, baue sie darauf, dass Charles bei seiner Erhebung in den Königsstand „die gleiche Unterstützung von Ihnen allen erhält, die Sie mir haben zuteil werden lassen“. Ausdrücklich dankte sie ihren Landsleuten für „die Treue und die Zuneigung“, die sie ihr entgegengebracht hätten in ihren siebzig langen Jahren auf dem Thron. Erneut gelobte Elizabeth II., dass sie bis zu ihrem Lebensende als Königin ihres Amtes walten, also nicht vorher abtreten, werde.
Die offiziellen Feiern zum „Platinum-Jubiläum“ sind für diesen Juni geplant. Überschattet wird das Jubiläumsjahr von den schweren Beschuldigungen gegen Prinz Andrew, den Herzog von York, der stets als Lieblingssohn Elizabeths galt. Wie Ende letzter Woche bekannt wurde, soll Andrew am 10. März im Vorfeld eines Prozesses unter Eid aussagen, um zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen Stellung zu nehmen. Bisher streitet er alle Schuld in dieser Frage ab.