Brunnen von Hüseyin Altin Wie ein Marmorblock Trost spenden kann
In Rottenburg wurde er nicht mehr gebraucht, jetzt hat ein Brunnen von Hüseyin Altin seine letzte Ruhestätte in Schorndorf gefunden – und zwar auf dem Friedhof.
In Rottenburg wurde er nicht mehr gebraucht, jetzt hat ein Brunnen von Hüseyin Altin seine letzte Ruhestätte in Schorndorf gefunden – und zwar auf dem Friedhof.
Schorndorf - Schon von Weitem zieht der weiße, mehr als zwei Meter hohe Marmorblock die Blicke auf sich. In seiner Erhabenheit und Klarheit ist der vor Kurzem eingeweihte Brunnen auf dem Neuen Friedhof in Schorndorf ein echter Hingucker. Und doch strahlt das Kunstwerk von Hüseyin Altin Ruhe aus, ist ein Werk der leisen Töne.
Sacht fließt das Wasser aus vier Öffnungen an den Seiten des Brunnens hinunter, erinnert an die vielen Tränen, die an diesem Ort der Trauer vergossen werden. Zwei Bänke laden dazu ein, den Platz zur Einkehr und Besinnung zu nutzen, Trost zu finden angesichts des Wassers als Symbol des Lebens.
Der Brunnen passt perfekt zu seinem Standort – obwohl er eigentlich für einen ganz anderen Rahmen geschaffen wurde: Vor mehr als 25 Jahren hat der Bildhauer Altin mit diesem Werk einen Wettbewerb in Rottenburg gewonnen; er bekam damals 100 000 Mark dafür. Die Skulptur zierte bis 2005 den dortigen Eugen-Bolz-Platz, dann musste sie im Zuge einer Neugestaltung weichen. Altin lagerte den Brunnen an seinem Wohnort Urbach ein. Als sein Freund Eberhard Abele – frühere Vorsitzender des Schorndorfer Kulturforums – von der Geschichte erfuhr, nahm er Kontakt zu der Schorndorfer Verwaltung auf. Mehrere Jahre wurde nach einem neuen Standort für den Brunnen gesucht.
Mit dem nun gefundenen Platz vor der Aussegnungshalle ist der 77-jährige Künstler mehr als glücklich: „Das ist ideal, denn eine Skulptur braucht Raum“, sagt Hüseyin Altin angesichts der weiten Rasenfläche. Diese erhält durch den kleinen Brunnenplatz eine neue Funktion, die der Entwicklung der Bestattungskultur Rechnung trägt: „Friedhöfe werden mehr und mehr zu einem Kommunikationsort. Umso wichtiger wird auch die Gestaltung und die Einbindung von Kunst an Orten wie diesen“, sagte der Oberbürgermeister Matthias Klopfer.
Und dann erzählt der ehemalige Kunstpädagoge Hüseyin Altin, dass mehrere Freunde auf dem Friedhof beerdigt seien und er seine Besuche am Brunnen somit auch als Begegnung empfinde. Und noch aus einem anderen Grund ist der Ort des Abschieds genau der richtige Platz für seinen Brunnen: „Das ist meine letzte Arbeit“, sagte Hüseyin Altin. Das Hantieren mit tonnenschwerem Material sei für ihn mittlerweile zu schwer geworden.
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In seinem jahrzehntelangen Wirken als renommierter Bildhauer hat er im Remstal einige Spuren hinterlassen: Seit dem Bau des Waiblinger Bürgerzentrum ziert ein Altin-Brunnen den ebenfalls von ihm entworfenen Vorplatz. Auch den Brunnen vor dem Rathaus in Kernen hat der Künstler gestaltet. Dass dieser heute noch steht, ist Bürgerprotesten zu verdanken: Eigentlich sollte der Brunnen vor sechs Jahren nach Bauarbeiten in der Ortsmitte von Rommelshausen nicht wieder aufgestellt werden. Doch angesichts von 100 protestierenden Bürgern stimmte der Gemeinderat für den Wiederaufbau.