Buchpräsentation in Waiblingen Fotografin zeigt Bilder aus einer frostig-schönen Welt

Eine Auswahl der Antarktis-Fotos sind noch bis zum 20. Februar in der Galerie Neuer Kunstverlag ausgestellt. Foto: Gottfried Stoppel

Klaudia Dietewich ist auf einem Expeditionsschiff in die Antarktis gereist – und hat Tausende Fotos gemacht. Eine Auswahl zeigt das im Waiblinger Neuen Kunstverlag erschienene Buch „Vanishing Universe“, das am Freitag vorgestellt wird.

Um zu einem fremden Planeten zu reisen, braucht es nicht unbedingt ein Raumschiff. Manchmal genügt es, ein Schiff zu besteigen, das Kurs in Richtung Antarktis nimmt. Genau das haben Klaudia Dietewich und ihr Mann Raimund Menges getan: Mit der MS Fram, einem für Polarexpeditionen konstruierten Schiff, reisten sie in die Antarktis. Benannt ist das Schiff nach dem Schoner, mit dem der norwegische Forscher Roald Amundsen 1910 gen Südpol aufbrach.

 

Immer ein Stock dabei, um Tiere abzuhalten

Auch auf der modernen Fram war ein Expeditionsteam an Bord, erzählt Klaudia Dietewich: „Mit dabei waren zwei Ornithologen, ein Geologe und ein Historiker, außerdem eine Fotografin.“ Dieses Team ging bei den täglich zwei Landgängen stets zuerst ans Festland und markierte dort einen Weg, den die Schiffsreisenden nicht verlassen durften – zum Schutz der Natur.

Beim Betreten und Verlassen des menschenleeren Kontinents mussten die Touristen mit ihren Stiefeln durch eine Desinfektionswanne gehen. Stets mit dabei war auch ein Stock: „Den brauchte man manchmal, um sich die Tiere etwas vom Leib zu halten“, erzählt Klaudia Dietewich. Denn die Antarktis hat zwar keine ständigen menschlichen Bewohner, ist aber die Heimat unzähliger Tiere: Diverse Pinguin- und Robbenarten, Seevögel, darunter die riesigen Albatrosse, und verschiedene Wale fühlen sich dort wohl. „Die Tiere spielen in meinem Buch aber bewusst keine Rolle.“

Fotos, die wie Gemälde wirken

Für den Band mit dem Titel „Vanishing Universe“, der jetzt im Neuen Kunstverlag Waiblingen erschienen ist, hat Klaudia Dietewich gezielt eher abstrakte Bilder ausgewählt, die meist nicht wie Fotografien, sondern eher wie Gemälde aussehen, obwohl Klaudia Dietewich sie nicht bearbeitet hat.

Die Bilder zeigen gewaltige Gebirge aus dunklem Fels, bedeckt mit hellem Schnee und Gletschern. Rote Algen, die sogar auf Eis gedeihen – und diesem einen rosafarbenen Schimmer verleihen. Und immer wieder deutlich sichtbare, beunruhigende Spuren, die vom Klimawandel und der Bedrohung für diesen einzigartigen Kontinent zeugen, der ungefähr so groß ist wie Europa und Australien zusammen. Die Antarktis ist ein Ort der Superlative. In der größten Eiswüste der Erde wurde mit knapp Minus 90 Grad Celsius die tiefste jemals von Menschen gemessene Temperatur ermittelt. Dort gibt es auch den salzigsten See und den südlichsten aktiven Vulkan der Welt.

Ein wichtiges Projekt sind die „Wegstücke“ aus der ganzen Welt

Die Fotos hat Klaudia Dietewich mit einer Digitalkamera und einem guten Teleobjektiv geschossen. Es waren so viele, wie sie nie zuvor gemacht hat – dabei arbeitet die Sozialpädagogin, die einst beim Jugendamt Stuttgart tätig war, schon seit 15 Jahren hauptberuflich als freischaffende Künstlerin, vorwiegend mit der Fotokamera. In erster Linie widmet sie sich dabei dem Projekt „Wegstücke“, bei dem sie menschliche Spuren auf Asphalt in absoluter Nahaufnahme fotografiert – so etwa Fahrbahnmarkierungen oder Graffiti. Beispiele aus allen Kommunen im Rems-Murr-Kreis sind als Dauerausstellung im neuen Landratsamtsgebäude an der Rötestraße in Waiblingen zu sehen.

Wenige Zeugnisse der einst menschlichen Besiedelung findet man noch in der Antarktis – in Form längst verlassener Walfangstationen. Ansonsten aber sei diese Landschaft ohne menschliches Leben völlig ungewohnt, sagt die Künstlerin: „Das haut einen weg. Man fühlt sich komplett unbedeutend und wie auf einem anderen Planet.“ Angesichts riesiger Eisberge und Gebirge, die wirken, „als hätte man die Schweizer Berge abgeschnitten und ins Meer gestellt“ verliere der Betrachtende jeglichen Bezug zur Größe: „Man hat keinerlei Referenzpunkte.“

Im Hochsommer herrschen um die Null Grad Celsius

Die meiste Zeit haben Klaudia Dietewich und ihr Mann draußen auf Deck verbracht – und das, obwohl die Temperatur meist um die Null Grad Celsius lag. Dennoch sagt Klaudia Dietewich, das Wetter hätte kaum besser sein können bei dieser Reise, welche das in Stuttgart-Hoffeld (Degerloch) lebende Paar Ende Dezember antrat – zu einer Zeit, in der am Südpol Hochsommer herrscht und es erst gegen Mitternacht langsam dämmert.

Das wohl beeindruckendste Erlebnis auf der Reise war die Stippvisite von rund 200 Buckelwalen, Jungtieren und Erwachsenen, die sich rund um die MS Fram tummelten, Saltos schlugen und unter dem Schiff hindurch tauchten. „Die haben eine richtige Show für uns abgezogen“, sagt Klaudia Dietewich, die von dem Spektakel so beeindruckt war, dass sie erst gar nicht versucht hat, es mit der Kamera festzuhalten.

Buchpräsentation am 16. Februar in Waiblinge

Klaudia Dietewich stellt ihr Buch „Vanishing Universe“ am Freitag, 16. Februar, ab 18 Uhr in der Galerie Neuer Kunstverlag, Beim Hochwachtturm 2, in Waiblingen vor. Es kostet 20 Euro und hat die ISBN 978-3-96416-084-3. Bis zum 20. Februar ist eine Ausstellung mit einigen der Fotos beim Neuen Kunstverlag zu sehen.

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