Buchtipp: Natascha Wodin, „Nastjas Tränen“ Wunder in der Grauzone des Lebens

Was in Natascha Wodins west-östliches Kraftfeld gerät, wird zu großer Literatur. Foto: copyright Isolde Ohlbaum/Isolde Ohlbaum
Was in Natascha Wodins west-östliches Kraftfeld gerät, wird zu großer Literatur. Foto: copyright Isolde Ohlbaum/Isolde Ohlbaum

Wer sind die Osteuropäerinnen, die sich hier als Pflegekräfte oder Haushaltshilfen verdingen? In ihrem Roman „Nastjas Tränen“ stellt Natascha Wodin eine von ihnen vor – man wird sie sobald nicht mehr vergessen.

Kultur: Stefan Kister (kir)
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Stuttgart - Wenn es eine Instanz der ausgleichenden Gerechtigkeit gäbe, die über dem stummen Leiden, den unsichtbaren Schicksalen im toten Winkel unserer Wahrnehmung waltet – die Schriftstellerin Natascha Wodin wäre ihre Priesterin. Denjenigen, die von der Geschichte aus der Bahn geworfen wurden, verschafft sie in ihren Romanen ein zweites Leben. Hier zeigt sich, was sie wirklich sind und was ihnen vom fatalen Gang des Ganzen aufgezwungen wurde. Der Gang des Ganzen ist im Leben und Werk der als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth geborenen Autorin eine Angelegenheit zwischen West und Ost. Ihre Mutter wurde im Krieg aus dem ukrainischen Mariupol nach Leipzig deportiert, um wie unzählige andere „slawische Untermenschen“ in den Rüstungsbetrieben des Flick-Konzerns verheizt zu werden. Sie überlebte, krank, entwurzelt und traumatisiert, bis sie sich 1956 unweit einer tristen Siedlung für „Heimatlose Ausländer“ am Rand der fränkischen Kleinstadt das Leben nahm.

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