Bühnenabschied von Egon Madsen „Irgendwann muss einfach Schluss sein“

Tanz-König Egon Madsen legt die Krone ab und verabschiedet sich mit drei Vorstellungen seines „King Lear“-Solos von der Bühne. Foto: REGINA BROCKE/RB

Ballett-Legende Egon Madsen will sich mit dem Solo „Egon King Madsen Lear“ Ende November im Theaterhaus endgültig von der Bühne verabschieden.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Am Tag vor unserem Telefonat hat ein Erdbeben Egon Madsen am Morgen in den italienischen Marken aus dem Bett geholt. Dort lebt der Tänzer, dem einst mit dem Stuttgarter Ballett ein Wunder gelang, mit seiner Frau und vielen Tieren in einem kleinen Dorf. Mehr Zeit will der gebürtige Däne fortan hier verbringen. Aber auch aus anderen Gründen ist für ihn die Zeit nun reif für einen Bühnenabschied: Mit dem Solo „Egon King Madsen Lear“ soll im Theaterhaus für den Tänzer der letzte Vorhang fallen.

 

Herr Madsen, die nächsten drei Vorstellungen Ihres „King Lear“-Solos sollen Ihre letzten Auftritte überhaupt sein?

Ja, das wird ein Bühnenabschied. Ich habe so viel gemacht in den 70 Jahren meiner Karriere, irgendwann muss ich einfach einen Schlusspunkt setzen. Nach der Gala zu meinem 80. Geburtstag im Theaterhaus fand ich, dass nach diesem erfüllten Jahr für mich ein guter Moment dafür ist. Außerdem will ich mehr Zeit für meine Frau und unser Leben in Italien haben.

Mauro Bigonzetti, der Choreograf von„Egon King Madsen Lear“, sagte vor der Premiere, dass er noch viele Ideen für Sie habe. Gibt es Projekte und Künstler, für die Sie auf die Bühne zurückkehren würden?

Mein Körper ist eigentlich müde, deshalb sage ich jetzt mal nein. Aber ich habe schon mehrere Abschiede gemacht – und stand dann doch wieder auf der Bühne. Wenn ein verrücktes Projekt kommt wie „Greyhounds“, wo ich mich einbringen kann, dann darf ich nicht nein sagen.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die letzten Vorstellungen?

Mit Glück und Dankbarkeit. Alles, was ich als Tänzer verkörpert habe, war immer erfolgreich – was für ein Glück. Und da ist eine große Dankbarkeit gegenüber dem Stuttgarter Ballett, dem Nederlands Dans Theater und dem Theaterhaus, die das ermöglicht haben, und gegenüber einem Publikum, das mich bis heute treu begleitet. Als Coach von Gauthier Dance, als Pädagoge und für Einstudierungen bleibe ich ja präsent. Ich will mein Wissen weiterhin weitergeben.

Bekommt das Drama um den Despoten Lear für Sie im Jahr 2022 neues Gewicht?

Ja, mit dem Krieg und den kleinen und großen Krisen können da tiefere Gedanken angestoßen werden, ich sehe da durchaus Parallelen. Die Menschen haben so vieles durchgemacht und wissen nicht, was auf sie zukommt… Ich habe von Lear gelernt, wie wichtig der Zusammenhalt in einer Familie, in einer Gemeinschaft überhaupt ist. Jeder muss sich ändern, damit man einander in jeder neuen Situation verstehen kann.

T ermin
Egon Madsen tanzt „Egon King Lear Madsen“ nochmals vom 25. bis zum 27. November im Theaterhaus; Tickets zum Preis von 32 Euro gibt es unter www.theaterhaus.com

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