Bürgerbeteiligung in Wernau Noch eine Schleife auf dem Weg zur Sporthalle
Der Wernau Gemeinderat stimmt einer Bürgerbeteiligung für den Neubau einer Sporthalle zu. Der Nutzen dieses Prozesses bleibt allerdings im Dunkeln. Das sind die Hintergründe.
Der Wernau Gemeinderat stimmt einer Bürgerbeteiligung für den Neubau einer Sporthalle zu. Der Nutzen dieses Prozesses bleibt allerdings im Dunkeln. Das sind die Hintergründe.
Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer füllten den Ratssaal, darunter etliche Vertreter der beiden Sportvereine TSV und Handballclub. Sie befürworten eine neue Sporthalle in Wernau, die in dieser Sitzung auf der Tagesordnung stand – je schneller, desto besser, denn sie haben nicht ausreichend Trainingsmöglichkeiten. Auch der Gemeinderat steht hinter dem Projekt. Warum also soll nun ein Bürgerbeteiligungsformat dazu stattfinden, wie in der Beschlussvorlage stand? Das hat sich, um es vorwegzunehmen, auch den Zuhörern im Ratssaal nicht erschlossen.
Aber zunächst der Blick zurück: Nachdem der Sportpark im Neckartal gescheitert war, hatte die Stadt im vergangenen Jahr eine erneute Erhebung durchführen lassen. Diese bestätigte den Bedarf für die genannten Vereine und für die Realschule. Im vergangenen November sprach sich der Gemeinderat deshalb für eine Sporthalle auf einem gemeindeeigenen Grundstück auf dem Katzenstein aus, allerdings zunächst ohne formalen Beschluss. Im Haushalt 2024 sind Planungsmittel dafür eingestellt, sie wurden jedoch vorläufig mit einem Sperrvermerk versehen.
Man ist sich also weitgehend einig. Offen bleibt die Frage, wie und in welcher Größe der Hallenbau finanziert werden kann. Die WBL/JB hatte deshalb angeregt, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die sich damit auseinandersetzt. Diese wurde nun in der Ratssitzung beschlossen, dazu kam aber als zweiter Punkt, dass die Verwaltung eine „dialogische Bürgerbeteiligung“ durchführen soll. Dabei handelt es sich um ein Verfahren mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, das dem Gemeinderat ein Meinungsbild spiegeln soll. Kostenfrei für die Stadt, wie Ulrich Arndt von der Servicestelle Bürgerbeteiligung des Landes, die dabei unterstützen würde, betonte. Es handle sich sozusagen um „eine gesellschaftliche Tiefenbohrung“ die ein breites Meinungsspektrum wiedergebe. Aber was soll dabei rauskommen, oder wie Nicolai Boldt (Grüne) formulierte, „welchen Outcome wünschen wir uns?“ Dieses Fragezeichen im Raum stehen.
Bürgermeisterin Christiane Krieger hatte zwar einen Vorschlag gemacht, sie formulierte in der Vorlage die Frage, inwieweit die Sportvereine an der Baumaßnahme beteiligt werden könnten. Das stieß allerdings auf Kritik im Gremium: Ob ein Verein sich beteiligen könne und wolle, sei die Entscheidung der Mitglieder, sagte Sabine Dack-Ommeln (WBL), das könne man nicht aus einer Bürgerbeteiligung ableiten. Ulrich Arndt hielt eine konkrete Fragestellung ohnehin für nicht sinnvoll, lieber solle man offen an die Sache rangehen. Sicher ist, dass mit dem Verfahren weitere Zeit verstreichen wird. Das ist nicht im Sinn der Sporttreibenden; es sei aber auch nicht richtig, „dass Vereine den Druck auf den Gemeinderat erhöhen“, meinte Pjetar Nrecaj (FWV).
Die Vereine selbst sind durch die erneute Schleife eher ratlos. „Wir verstehen das alles gar nicht“, sagte der TSV-Vorsitzende Manfred Leutz auf unsere Nachfrage. „Die Fakten liegen doch eigentlich alle auf dem Tisch.“ Es sei richtig, dass der Turn- und Sportverein über alternative Lösungen, wie eine Halle auf dem eigenen Gelände auf dem Kehlenberg diskutiert habe. Das sei auch noch nicht endgültig abgehakt. Aber ein Projekt wie eine Zwei- oder Dreifeldhalle übersteige die Möglichkeiten des TSV bei Weitem. Zudem steht bei ihm in naher Zukunft auch die Sanierung der bestehenden Anlagen an. Die ist überfällig – sie war immer wieder zurückgestellt worden, weil man davon ausging, dass der Verein in den Sportpark Neckartal zieht.