Bürgerdialog in der Stadthalle Schwimmbad und Schulen brennen den Vaihingern auf den Nägeln

Kaum einer der rund 650 Plätze blieb in der Vaihinger Stadthalle leer. Foto: Werner Kuhnle

Rund 650 Gäste bereuten nicht, zum Themenabend in die Vaihinger Stadthalle gekommen zu sein. Sie konnten sich per Smartphone an der Diskussion beteiligen.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Wer spät kam, musste nach einem freien Stuhl Ausschau halten. Zwar gab es rund 650 Sitzplätze am Montag in der Vaihinger Stadthalle, sie waren aber kurz vor Beginn um 19 Uhr fast alle besetzt. Der Themenabend der Stadtverwaltung zog. Das lag an den drei heißen Eisen, die besprochen wurden: dem Sanierungsbedarf im Enztalbad, die Sorge um Grundschulstandorte in den neun Stadtteilen sowie die Querelen um die Wärmeversorgung.

 

Der Oberbürgermeister deckte Mängel auf

Zuletzt waren die drei Themen in aller Munde gewesen – die Haushaltslage der Stadt gestaltet sich schwierig, offenbar fehlte in einigen Bereichen ein Gesamtüberblick, den sich der seit etwa eineinhalb Jahren neu im Amt stehende Oberbürgermeister Uwe Skrzypek nun verschaffen muss. Weil er auf Mängel stieß und sie öffentlich brandmarkte, machte er sich einige Vaihinger zu Gegnern. So setzte er durch, dass der Gemeinderat eine rechtswidrige Ausschreibung für die Wärmeversorgung der Baugebiete Leimengrube und Fuchsloch III aufhob. Auch ein Sanierungskonzept für die Auricher Grundschule stieß auf Widerstand – Bürger im Teilort befürchten, dass Skrzypek die Schule schließen wolle. Und auf das Enztalbad möchte in der 29 000-Einwohner-Kommune kaum einer verzichten. Das will der Oberbürgermeister zwar nicht dichtmachen, doch müssen die erheblichen Mängel im Bad erst einmal finanziert werden.

Der von Uwe Skrzypek anberaumte Themenabend sollte Licht ins Dunkel bringen und Antworten auf die Fragen liefern, die bisher offen geblieben waren. „Klar in der Sache, fair im Ton bleiben“, das wünschte sich der Oberbürgermeister, als er den Modus des Miteinanders vorstellte. Für jedes der drei Themen waren 45 Minuten geplant: je 15 Minuten Impulsvortrag, Podiumsdiskussion und eine Fragerunde für das Publikum. Durch den Abend führte der Mediator Thomas Uhlendahl. Als vorteilhaft für einen gemäßigten Umgangston erwies sich der Einsatz des Internet-Tools Slido. Es bot jedem Gast die Chance, über ein Smartphone eine Frage zu formulieren. Wenn diese Frage vom möglichst vielen anderen Gästen mit einem virtuellen Daumen unterstützt wurde, zählte sie zu denen, die an das Podium gestellt wurden.

Für die Sanierung der Schule in Aurich gibt es zwei Szenarien

Den ersten Impulsvortrag hielt Uwe Skrzypek selbst zur Situation der Grundschulen. „Die Stadt hat mitnichten die Absicht, eine Schule zu schließen“, stellte er klar. Der Bedarf von Familien an einer Ganztagsbetreuung werde jedoch zu Verschiebungen an Standorten führen. Hinzu komme eine Personalnot. Die größten Probleme hätten Grundschulen mit wenig Lehrern und Betreuern, da dort Ausfälle schwer zu verkraften seien. Baulich gebe es zudem einen hohen Sanierungsdruck, vor allem an der Schlossbergschule.

Die Sanierung der Auricher Schule sei vom Gemeinderat zurückgestellt worden, doch entdeckte Skrzypek im November, dass einer der Räume seit 2005 ganze 18 Jahre lang ohne Brandschutz betrieben wurde. Für Skrzypek ein Unding – ob und wie die Schule saniert werde, „da ist noch nichts entschieden“, es gebe zwei Szenarien: eine Variante mit bis zu 700 000 Euro für drei Klassenräume und eine mit bis zu 1,1 Millionen Euro inklusive einer Erweiterung. Vorschläge aus Aurich seien wertvoll und würden einfließen. Eine interimsweise Beschulung der Auricher Kinder in Enzweihingen sei möglich.

In der Podiumsdiskussion wurden Fragen nach den Transportkosten, nach dem Personal und Förderungen der Ganztagsbetreuung durch das Land gestellt – deutlich wurde: Viele Informationen aus übergeordneten Stellen liegen noch nicht vor.

Das technische Auf für das Hallenbad steht offenbar bevor

Wichtige Neuigkeiten brachte Uwe Skrzypek hingegen in Sachen Enztalbad mit. Die Sanierung des Freibads wäre für rund 9,9  Millionen Euro in vier Bauabschnitten möglich. Demnach müsste die Stadt zunächst rund drei Millionen Euro aufbringen, um das Freibad noch zehn weitere Jahre betreiben und allmählich weitersanieren zu können. Unmöglich sei ein ähnliches Verfahren für das Hallenbad. Es würde rund zehn Millionen Euro an einem Stück kosten, es zu sanieren. „Das ist mit dem Haushaltsplan nicht vereinbar – wir haben erste Gewerke, die endlich sind.“ Es werde schlichtweg irgendwann das technische Aus kommen.

Auch hier gingen die Vertreter auf dem Podium, unter anderem der DLRG-Vorsitzende Thomas Schmid auf Fragen ein. Schmid regte an, dass jeder Vaihinger sich eine Saisonkarte kaufen und Mitglied in einem neuen Förderverein werden könne. Die Bürger hakten per Slido bei der Priorisierung nach: Sie stellten die Landesgartenschau und den Neubau eines Feuerwehrhauses in Roßwag in Frage.

Wie lange darf jetzt noch die Planung der Wärmeversorgung dauern?

Im Mittelblock hatten die Gäste Näheres über die Wärmeversorgung erfahren. Das Wärmenetz müsse bis Ende 2025 angeschlossen werden, um die 40 Prozent Förderung sicher zu erhalten, erklärte Raphael Gruseck von der Ludwigsburger Energieagentur Lea. Er verteidigte eine längere Gesamtplanung für ein größeres Netz, man komme nicht 20 Jahre mit demselben Energieträger aus. Eine andere Meinung vertrat Wolfgang Schuler von der Bietigheimer Ingenieurgesellschaft IBS. Er rät dazu, schnell einen Betreiber für die Gebiete Leimengrube und Fuchsloch III samt städtischen Gebäude zu finden. „Alles, was dann noch kommt, wird sowieso größer.“ Skrzypek bedauert, keine Stadtwerke zu haben und setzt auf die Lea: „Die kurzfristigen Entscheidungen dürfen den langfristigen nicht widersprechen.“ Im Mai berate der Gemeinderat.

Weitere Themen