Der Stuhl des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann blieb leer. Ersatzweise schmückte ihn ein Strauß Blumen. Gerne hätte sich die Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen LEA Tamm Asperg“ (GGLTA) mit Vertretern des Landes ausgetauscht. So aber blieb es am Freitag vor 800 Gästen im Bürgersaal und per Livestream auf dem Vorplatz im Bürgerdialog bei einer lebhaften Diskussion ohne die Entscheidungsträger. Aus den Wortbeiträgen aus dem Publikum ging – wie nicht anders zu erwarten – viel Unmut über die für 1200 Asylbewerber geplante Landeserstaufnahme (LEA) hervor.
Zurzeit herrscht offenbar Funkstille seitens des Justizministeriums, dem die GGLTA Anfang August mehr als 8000 Unterschriften gegen das Vorhaben überbracht hatte. „Uns ist inzwischen ein Gespräch mit den Spitzen des Ministeriums zugesagt worden, aber so kurzfristig wollte uns niemand für den Bürgerdialog am 15. September zusagen“, sagte Thomas Walker, der Sprecher der Bürgerinitiative, am Sonntag. Insgesamt sei das Verhalten der Landesregierung enttäuschend. Die gerade von Winfried Kretschmann hoch gehaltene Bürgerbeteiligung werde in dieser kritischen Frage nicht praktiziert.
Sorge vor Anstieg der Kriminalität
Der Abend in Tamm verlief zunächst informativ – die Initiative gab einen Rückblick über ihren Widerstand gegen das Vorhaben auf der naturgeschützten Gemarkung der Stadt Ludwigsburg, die näher an Tamm und Asperg liegt. So nah, dass bei einer derart hohen Zahl von LEA-Bewohnern dort ein Anstieg der Kriminalität befürchtet wird. Neu für die Öffentlichkeit waren Pläne zur konkreten LEA-Besiedlung des Schanzackers, deren Herausgabe die GGLTA vom Justizministerium erwirkt hatte. Als „fiktive Planspiele“ stellte die Bürgerinitiative eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Kapazität von 1200 Untergebrachten in Aussicht.
Menschenkette im Oktober geplant
Angesichts des Flüchtlingszustroms und der überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen in Ellwangen und Sigmaringen sei dies keineswegs abwegig, so Moderator und GGLTA-Mitglied Andreas Weiser. Das Land könne Baurecht schaffen, wenn es nachweislich sonst alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht steht hinter den LEA-Plänen – ob ihm die Stadträte folgen, gilt als ungewiss. Als nächste Aktion plant die Interkommunale Gemeinderatsinitiative Tamm/Asperg eine Menschenkette am Schanzacker am 8. Oktober. Sie rief auf, dafür zu mobilisieren.