Dieter Zahn hat sich die Mühe gemacht und für den Mai und den Juni aufgelistet, was auf der Murrbahn nicht so gelaufen oder besser gefahren ist, wie man sich das als Bürgermeister einer Anrainerkommune wünschen würde. Das Ergebnis: An mehr als jedem zweiten Tag gab es laut dem Sulzbacher Schultes etwas zu bemängeln: neben einer regelmäßig von zwei auf eins reduzierten Triebwagenzahl auch Verspätungen, extreme Überfüllung oder komplette Zugausfälle. Zahns Fazit: „Die Betriebsqualität auf der Murrbahn hat einen Zustand erreicht, der für die Bahnfahrer als unzumutbar zu bezeichnen ist. Man kann meines Erachtens von Chaos reden.“ Der Mangel an verfügbaren Triebwagen scheine in den vergangenen Wochen dermaßen eklatant geworden zu sein, dass die eigentlich geplante Kapazität nur in absoluten Ausnahmefällen gefahren werden könne.
Bürgermeister fordern „vertragsgemäße Verhältnisse“
Die Listen, die sich aus Beobachtungen von Bahnpendlern oder Meldungen im Bahn-Auskunftssystem speisen und noch nicht einmal Störungen aufgrund von Notarzteinsätzen oder Streckensperrungen enthalten, hat Zahn jetzt an Volker Heepen, den Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), geschickt. Verbunden ist die Bestandsaufnahme mit der mit den Kollegen Frank Zimmermann (Gaildorf), Armin Mößner (Murrhardt) und Bernhard Bühler (Oppenweiler) abgestimmten dringenden Bitte: „Sorgen Sie dafür, dass auf der Murrbahn schnellstmöglich wieder geordnete, das heißt vertragsgemäße Verhältnisse geschaffen werden.“ Die NVBW unterstützt nach eigener Darstellung „das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg dabei, das Land zur Pionierregion für nachhaltige Mobilität zu machen“.
Die Initiative des Bürgermeisters ist nicht die einzige Initiative, die die aktuellen Verhältnisse auf der Murrbahn bemängelt. Auch der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber hat sich an den Bevollmächtigten der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz, gewandt. Gruber schreibt von „empfindlichen Störungen im Personennahverkehr“ und moniert insbesondere, dass stark genutzte Pendlerverkehre am Morgen häufig nur in Einfach- statt in Doppeltraktion unterwegs seien.
Landtagsanfrage: teilweise hohe Auslastung
Bereits im März hatte Gruber zusammen mit seinem Kernener FDP-Parlamentskollegen Jochen Haußmann in einer Anfrage an die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) die Auslastung der Züge auf der Rems- und der Murrbahn abgefragt. Aus den Antworten wurde deutlich, dass vor allem auf der Murrbahn in Einzelfällen sehr hohe Auslastungswerte zu verzeichnen waren – und zwar immer dann, wenn ein Zug nicht so viele Plätze hatte, wie sie vom Land eigentlich bestellt sind. Das Land kann die Linienbetreiber dafür mit Strafzahlungen in Regress nehmen. Doch die Bürgermeister fordern stattdessen Abhilfe. Zahn: „Irgendwelche Strafzahlungen helfen uns nicht weiter.“