Im Rathaus Oberriexingen laufen die Dinge schon seit einer ganzen Weile nicht mehr wie gewohnt. Im Dezember 2021 erkrankte Bürgermeister Frank Wittendorfer an Long Covid. „Mittlerweile geht er selbst davon aus, dass es Folgen einer Schutzimpfung sein könnten, die ihn so lange außer Gefecht setzten“, sagt Gerd Maisch. Er übernimmt seit mittlerweile acht Monaten die Verwaltungsaufgaben der Stadt.
Zuvor hatte Erich Bannert, ehrenamtlicher Stellvertreter von Frank Wittendorfer, die Geschäfte übernommen. Seit Juli 2022 ist der Bürgermeister nun allerdings dauerhaft krank geschrieben. Bannert, der bereits seit 2004 Stadtrat in Oberriexingen ist, habe die Vertretung in der Hoffnung übernommen, dass Wittendorfer in zwei bis vier Wochen wieder da sein würde und im Anschluss alles normal weiterlaufen könne. Doch leider blieb die erhoffte baldige Genesung aus.
Personalmangel im Rathaus
Als Anfang 2023 die Hauptamtsleiterin in Elternzeit ging und auch die Kämmererstelle unbesetzt blieb, musste dringend eine neue Lösung her. Eine solche Aufgabe lasse sich schlicht nicht aus dem Gemeinderat heraus stemmen. „Sie sind auf mich zugekommen, und nach Gesprächen mit dem Landratsamt habe ich die Aufgabe im Mai 2023 übernommen“, sagt Maisch. Nun arbeitet er 15 bis 20 Stunden die Woche im Rathaus. Er bringt über 28 Jahre Erfahrung als Bürgermeister von Tamm und Oberbürgermeister der Stadt Vaihingen/Enz mit. „Die Aufgabe eine Verwaltung zu leiten ist mir also nicht fremd.“
Als Bürgermeister auf Zeit teilt Maisch sich die Aufgaben nun mit Bannert. „Ich übernehme die Verwaltungsaufgaben. Er als ehrenamtlicher Vertreter des Gemeinderats die repräsentativen Aufgaben.“ So besuche Bannert etwa Bürgerinnen und Bürger oder vertrete die Stadt bei Veranstaltungen. Die Zusammenarbeit im Rathaus laufe trotz fehlendem Personal sehr gut. Es sei ein sehr engagiertes Team, das gut zusammenarbeite. Die Arbeit mache dem 59-Jährigen Spaß. Dennoch sei es nur eine Übergangssituation, betont er: „Wir können im Moment nicht alles machen, was wir gerne wollten.“
Verlängerung um weitere 4 Monate
Aus diesem Grund habe sich der Interimsbürgermeister mit dem Gemeinderat zusammengesetzt und überlegt, was die Verwaltung der Stadt strukturell benötige. Die Aufgaben, die auf die Kommunen zukommen, werden aufgrund steigender Anforderungen immer größer. So wurde beschlossen, die personelle Kapazität zu erhöhen: „Bis auf die Kämmererstelle haben wir aktuell aber keine neue Arbeitsstelle zu vergeben.“
Wann und ob Wittenberger seine Arbeit im Rathaus wieder aufnehmen kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Aus diesem Grund wurde der vorübergehende Einsatz von Gerd Maisch um weitere vier Monate verlängert. Ob diese Zeit ausreicht, müsse man abwarten. Die Verwaltung plane erst mal „Stück für Stück“.
Die Überbrückungsphase dauert somit nun schon knapp eineinhalb Jahre an. „Ich persönlich finde, dass es eine zu lange Zeit ist“, sagt Maisch. In den nächsten Wochen werde sich zeigen, ob Wittendorfer wieder zurück komme, oder ob das nicht möglich ist. Diese Variante müsse man ehrlicherweise auch im Hinterkopf behalten. „Wir brauchen eine Entscheidung“, so Maisch. Die Amtszeit von Wittendorfer läuft noch bis Oktober 2025. Bis dahin könne man diese Situation auf keinen Fall weiter überbrücken.