Der Affalterbacher Bürgermeister Steffen Döttinger kandidiert im nächsten Jahr für eine vierte Amtszeit und verkündete dies auch offiziell in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag. Dafür erhielt er breite Unterstützung aller Vertreter – mit Ausnahme der Unabhängigen Liste Affalterbach (ULA), die sich einer Aussage zur erneuten Kandidatur enthielt. In der ULA sitzen die Gegner der von der Verwaltung geplanten Ortsentlastungsstraße. Im Vorfeld hatten die beiden Mitglieder sogar in Erwägung gezogen, einen Antrag für die Änderung der von der Verwaltung vorgeschlagenen Stellenanzeige zu stellen.
Konkret stören sie sich an dem darin enthaltenen Passus „Der derzeitige Amtsinhaber bewirbt sich wieder“. Der ist zwar durchaus üblich und ein Stück weit auch sinnvoll. Denn ernst zu nehmende Bewerber werden sich ohnehin vorab informieren, ob der amtierende Rathauschef oder die Rathauschefin wieder kandidiert und wie die Chancen für eine Gegenkandidatur sein könnten. Hin und wieder ist aber auch zu hören, die Formulierung sei eine Art Geheimcode und der Hinweis darauf, dass andere Bewerbungen gar nicht erwünscht seien.
Zweifel an der Rechtssicherheit
Diese Befürchtung hegt auch die ULA: „Keine Auswahlmöglichkeit auf dem Stimmzettel, keine Auswahlmöglichkeit für den Bürger – und der geht erst gar nicht zur Wahl, weil er denkt, dass das Ergebnis schon von vornherein feststeht“, hieß es in einer E-Mail an die Redaktion dieser Zeitung. Ergänzt darum, dass sich der Amtsinhaber wohl auch ohne diesen Passus durchsetzen könne, dass die Anzeige mit der Formulierung aber aus Gründen der Gleichbehandlung Zweifel an der Rechtssicherheit aufkommen lasse.
Solche Anträge werden vereinzelt gestellt – in der Regel dann, wenn es zwischen Gemeinderat und Rathauschef erheblich knirscht. So hatte sich bei der Bürgermeisterwahl in Marbach vor knapp drei Jahren die Mehrheit des Gemeinderats für die Streichung dieses Hinweises ausgesprochen. Tatsächlich konnte sich Amtsinhaber Jan Trost erst im zweiten Wahlgang gegen einen starken Herausforderer durchsetzen. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: In Steinheim an der Murr wurde 2016 der Passus nicht gestrichen, obwohl die Fronten zwischen Gemeinderat und dem damaligen Bürgermeister Thomas Rosner verhärtet waren – und dennoch siegte mit sehr deutlicher Mehrheit der Herausforderer Thomas Winterhalter.
Bürgermeister betont gute Zusammenarbeit
Letzten Endes verzichtete dann die ULA in der Sitzung darauf, den Antrag zu stellen, weil klar war, dass Döttinger im Gemeinderat große Unterstützung genießt und die Zusammenarbeit gut funktioniert. Was, wie er sagte, auch ein wesentlicher Grund dafür gewesen sei, dass er sich nach einer Zeit des Zögerns für eine erneute Kandidatur entschieden habe. „Ich hätte nicht weitergemacht, wenn ich nicht gewusst hätte, dass auch Sie als Gemeinderäte weitermachen möchten.“ Unabhängig davon versicherte er, er habe auch nach 23 Jahren noch „große Lust, Projekte zu gestalten und nach vorne zu schauen. Wir haben für die nächsten Jahre viel vor uns, auch wenn es nach einem Rückschlag aussieht“, sagte er mit Blick auf die verfahrene Situation bei der Umgehungsstraße.