Bürgermeisterwahl in Denkendorf Der Kampf um Aufmerksamkeit läuft auf Hochtouren

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Am Sonntag wählt Denkendorf einen neuen Rathauschef. Um die Nachfolge von Bürgermeister Peter Jahn bewerben sich eine Frau und zwei Männer.

Ralf Barth, Friedhild Miller und Frank Nödinger (von links), hier bei einer Podiumsdiskussion in der Albert-Schweitzer-Schule,  wollen auf den Chefsessel im Denkendorfer Rathaus. Foto: Horst Rudel
Ralf Barth, Friedhild Miller und Frank Nödinger (von links), hier bei einer Podiumsdiskussion in der Albert-Schweitzer-Schule, wollen auf den Chefsessel im Denkendorfer Rathaus. Foto: Horst Rudel

Denkendorf - Die Bürgermeisterwahl in Denkendorf elektrisiert die Einwohner der Körschtalgemeinde. Fünf Tage vor der Wahl am Sonntag, 25. Februar, haben mehr als zehn Prozent der 8530 Wahlberechtigten die Möglichkeit in Anspruch genommen, ihre Stimme per Brief abzugeben. „Das, und die proppevolle Festhalle anlässlich der Kandidatenvorstellung, lässt auf eine hohe Wahlbeteiligung schließen“, prophezeit Fritz Berner, der Hauptamtsleiter im Denkendorfer Rathaus.

Um die Nachfolge von Peter Jahn, der nach 32 Jahren den Chefsessel im Denkendorfer Rathaus freimacht, bewerben sich eine Frau und zwei Männer. Ganz oben auf dem Stimmzettel steht der Name von Ralf Barth. Der Hauptamtsleiter der Ermstalgemeinde Dettingen, der im benachbarten Neuhausen wohnt, hat seinen Hut schon zu Beginn der Bewerbungsfrist Mitte November in den Ring geworfen.

Heimvorteil oder „Blick von außen“

Seither ist der 29 Jahre alte Kandidat bemüht, seinen Bekanntheitsgrad in der Gemeinde zu steigern und so den vermeintlichen Heimvorteil von Frank Nödinger wettzumachen. Der ist in Denkendorf aufgewachsen und, selbst wenn er jetzt im nahen Esslingen wohnt, dank seines ehrenamtlichen Engagements als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Denkendorf-Meximieux und Vorsitzender des Vorstands der Bürgerstiftung Denkendorf, im Ort bestens vernetzt. Anders als sein Mitbewerber verzichtet der 48 Jahre alte Nödinger auch darauf, mit Wahlplakaten Werbung in eigener Sache zu machen.

Im Wahlkampf haben sich beide Kandidaten mit großen Versprechungen zurückgehalten. Nicht nur aus wahltaktischen Gründen, sondern auch, weil der künftige Bürgermeister vom 32 Jahre amtierenden Vorgänger Peter Jahn ein wohlbestelltes Feld übernehmen wird. Lieber haben sie auf ihre Verwaltungserfahrung verwiesen – Nödinger als stellvertretender Leiter der Stuttgarter Stadtkasse und Barth als Chef von gut 70 Mitarbeitern im Dettinger Hauptamt – und beteuert, dass ihnen der Chefposten im Denkendorfer Rathaus „Herzenssache“ (Nödinger) und „spannende Herausforderung“ (Barth) ist.

Konsequent haben beide bei ihren öffentlichen Auftritten auf die eigenen Stärken gesetzt. Nur, wenn Nödinger beteuerte, der Bürgermeisterjob sei für ihn „weder Zwischenschritt noch Sprungbrett auf dem zielstrebigen Karriereweg in ein Oberbürgermeisteramt“ oder wenn Barth „den neutralen Blick von außen“ verspricht, ist den Wählern zwischen den Zeilen bedeutet worden, dass es doch eine Richtungsentscheidung ist, die da in der 11 111 Einwohner zählenden Gemeinde ansteht.

Schrille Töne im Wahlkampf

Während die beiden aussichtsreichen Bewerber pfleglich miteinander umgegangen sind, hat die dritte im Bunde, Friedhild „Fridi“ Miller, für die schrillen Töne gesorgt. So auch bei einer Diskussion mit Jugendlichen im Foyer der Albert-Schweitzer-Schule. Auf ihrem T-Shirt prangte zwar das Peace-Zeichen, doch im krassen Gegensatz zur demonstrativ-friedlichen Botschaft des Textils zeigte sich die Trägerin auf Krawall gebürstet. Vom Podium herunter hat sie ihre jugendlichen Zuhörer als Schwachnasen und ihre beiden Mitbewerber der Lüge bezichtig.

In einem Internet-Forum hat sie noch einmal nachgelegt. „Fickt euch! Ganz ehrlich! Ihr glaubt lieber Lügnern anstatt jemandem, der Klartext spricht wie ich“. Sie selbst hatte angesichts des Gegenwinds in Denkendorf kurzzeitig erwogen, ihre Kandidatur zurückzuziehen. „Das ist rechtlich nicht zulässig. Wenn der Gemeindewahlausschuss die Rechtmäßigkeit einer Bewerbung festgestellt hat, dann gibt es kein Zurück“, sagt Berner. So steht der Name der Frau, die eigenem Bekunden zufolge eigentlich Bundeskanzler werden will und mit grenzwertig-skurrilen Auftritten in den sozialen Medien um Aufmerksamkeit buhlt, am Sonntag weiterhin an zweiter Stelle auf den Stimmzetteln.




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