Bürgermeisterwahl in Schwieberdingen Wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten?

Ein Bild, das die Ähnlichkeit der beiden Kandidaten – links Stefan Benker, rechts Ron Keller – unterstreicht. Unterschiede in ihren Planungen für die Entwicklung von Schwieberdingen gibt es allenfalls in Nuancen – und in Lebensalter und Erfahrung. Foto: Simon Granville

Die beiden Bewerber um das Amt des Bürgermeisters von Schwieberdingen haben sich am Donnerstagabend in der Turn- und Festhalle ihren potenziellen Wählern vorgestellt und Fragen beantwortet. Ein klarer Favorit war dabei nicht erkennbar.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Eines hat die Vorstellung der beiden Kandidaten für das Schwieberdinger Bürgermeisteramt deutlich gemacht: Die Entscheidung für die Wahlberechtigten unter den rund 11 600 Einwohnern darüber, wem sie ihre Stimme geben, wird nicht leicht. In der Fragerunde, die der jeweiligen Einzelvorstellung von Ron Keller und Stefan Benker folgte, ähnelten sich die Antworten der Bewerber oft so sehr, dass sie dabei immer wieder auf den jeweils anderen verwiesen: „Wie Herr... schon richtig sagte...“

 

Was dazu führte, dass einer der rund 600 Zuhörer wissen wollte: „Warum würden Sie den jeweils anderen wählen, wenn Sie Schwieberdinger wären und heute wählen müssten?“ Die Frage sorgte nicht nur für Gelächter im Saal, sondern auch für das Bekenntnis Benkers: „Da lassen Sie mich ratlos zurück“, während Keller, der etwas mehr Zeit zum Überlegen gehabt hatte, schlagfertig konterte: „Nur wenn ich abspringen würde, und Herr Benker bliebe übrig.“

Verwaltungserfahrung bei beiden Bewerbern

Beide Kandidaten haben Verwaltungserfahrung. Der 27-jährige Keller, der sich als Erster vorstellen durfte, weil er seine Bewerbung sechs Tage vor Benker eingereicht hatte, hat an der Ludwigsburger Hochschule für Verwaltung und Finanzen Public Management mit Schwerpunkt Finanzen studiert und arbeitet aktuell als Kämmerer der Gemeinde Freudental. Der 39-Jährige Benker ist Diplom-Verwaltungswirt, war stellvertretender Leiter des Ordnungsamts in Schwieberdingen und leitet zurzeit das Hauptamt in der südbadischen Kleinstadt Kenzingen, die mit 10 500 Einwohnern eine ähnliche Größe wie Schwieberdingen hat.

Beide zeigten auch, dass sie sich gut in der Gemeinde auskennen, der sie künftig vorstehen möchten. Keller, der in Bietigheim-Bissingen lebt, sagte, er habe Freunde im Ort und sei auch schon vor Jahren zu einem Reitturnier gekommen, Benker konnte damit punkten,schon in Schwieberdingen gearbeitet zu haben.

Ehrenamt, Klimaschutz, Wärmewende – die Antworten ähneln sich

Beide betonten die Bedeutung des Ehrenamts, das sie fördern wollen. Benker war in der Freiwilligen Feuerwehr Schwieberdingen, Keller ist in seinem Wohnort Bissingen bei den Floriansjüngern aktiv und engagiert sich im Karnevalsverein. Weitgehende Übereinstimmung herrscht auch bei den Punkten Klimaschutz mit Photovoltaik auf kommunalen Dächern und Unterstützung der geplanten Windräder. Keller legte zusätzlich einen Schwerpunkt auf die Fernwärme, die er für die Zukunft hält. Ob er dafür sorgen kann, dass auch in den Gebieten, die als unwirtschaftlich gelten, Fernwärme angeboten wird, konnte er nicht beantworten, da die Aufgabe bei einem privaten Unternehmen liege. Man müsse überlegen, ob man als Gemeinde auch teilweise in den Leitungsbau gehe, da seien aber noch viele Fragen offen.

Auch bei einer weiteren Frage, die die Deponie betraf, waren sich die beiden Kandidaten einig. Schwieberdingen habe seinen Beitrag geleistet; es könne nicht sein, dass man im Suchlauf nochmals mit dabei sei und am Ende mangels eines anderen Standorts erneut in die Pflicht genommen werde. Keller will da ein klares Signal an den Landkreis senden, Benker möchte vom Landkreis eine verbindliche Aussage, dass Schwieberdingen nicht mehr in Betracht kommt.

Erhöhung von Steuereinnahmen nicht über die Gebührenschraube

Ein weiteres Thema, das in der Fragerunde zur Sprache kam, ist das interkommunale Gewerbegebiet gemeinsam mit Markgröningen, Hemmingen und Möglingen. Das halten beide Kandidaten für nötig, und es sollte aus ihrer Sicht bald kommen. Eine Ansiedlung von Porsche wollen beide nicht, um sich nicht erneut von einem Großunternehmen abhängig zu machen. Gefragt sei vielmehr ein Mix von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen. So könne man das Risiko eines Steuerausfalls minimieren und die Einnahmen erhöhen. Über die Grundsteuerhebesätze solle letzteres jedenfalls auf keinen Fall geschehen, bevor die Grundsteuerreform greife, so Keller. Benker hatte zuvor schon ausgeschlossen, an der Gebührenschraube zu drehen, wenn die Kasse in den roten Zahlen sei. „Es kann nicht sein, dass am Ende der Bürger drauflegt.“

Auch das Herrenwiesenareal sollte nach Meinung beider bald überbaut werden. Keine Hoffnung machte Keller darauf, dass es dort Ersatz für das geschlossene Schwimmbad geben werde. Grundschulkinder könnten trotzdem schwimmen lernen, beispielsweise mit einem mobilen Hallenbad. Benker dagegen sah auf dem Areal auch die Möglichkeit, dort selbst Energie zu erzeugen.

Zur Kinderbetreuung haben beide ebenfalls recht ähnliche Vorstellungen. Keller plädierte dafür, zunächst alle Probleme zu sammeln und dann nach Lösungen zu suchen. Sonst werde man kein neues Personal gewinnen. „Unser Ruf im Landkreis ist derzeit viel zu schlecht.“ Nach Benkers Erfahrung zählt Wertschätzung in der Kinderbetreuung oft mehr als Geld. Deshalb schwebt ihm ein Kita-Gipfel vor, bei dem alle an einen Tisch geholt werden sollen.

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