Bürgermeisterwahl in Uhingen Ein Fragenmarathon zwischen Plexiglas

In Uhingen wird am 18. April gewählt. Foto: dpa/Peter Endig
In Uhingen wird am 18. April gewählt. Foto: dpa/Peter Endig

Bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl am 18. April erschienen nur vier der sechs Bewerber. Die Veranstaltung wurde live gestreamt und kann weiterhin abgerufen werden.

Uhingen - Auf dem Stimmzettel für das Amt des Bürgermeisters in Uhingen stehen sechs Bewerber – auch wenn sich am Donnerstag nur vier im Uditorium präsentierten und Ideen für die Stadt skizzierten. Samuel Speitelsbach und Tunçay Sönmez waren nicht erschienen.

Die dreistündige Veranstaltung wurde per Livestream auf die heimischen Computer übertragen. Im Uditorium saß ein gutes Dutzend Zuschauer und folgte den Reden der Kandidaten, die in der Reihenfolge des Eingangs ihrer Bewerbung auftraten. Und da die Bewerbungen von Frank Benkart und Amtsinhaber Matthias Wittlinger am selben Tag eingetroffen seien, habe hier das Los entschieden, sagte Susanne Widmaier. Die SPD-Stadträtin führte gemeinsam mit ihrer CDU-Kollegin Sabine Braun durch die Veranstaltung. Beide sind auch stellvertretende Bürgermeisterinnen und stellten den Kandidaten nach jeweils 15-minütiger Vorstellung während eines zweistündigen Marathons 80 Fragen, die von der Bevölkerung zuvor schriftlich eingereicht worden waren.

Ein Plädoyer für mehr Transparenz

Dabei stand vor allem Amtsinhaber Matthias Wittlinger (CDU) auf dem Prüfstand, der seine Politik der vergangenen 16 Jahre verteidigte. Auch persönlichen Fragen musste er sich stellen. Ob er gewillt sei, nach einer Wiederwahl zurück nach Uhingen zu ziehen. Wittlinger war vor einigen Jahren nach Rechberghausen gezogen. Eine Entscheidung für die Familie und keinesfalls gegen Uhingen, betonte der 49-Jährige. Und der Wohnortwechsel habe keinen Einfluss auf seine Arbeit. Philipp Riethmüller (SPD) aus Reutlingen erklärte schon während seiner Vorstellung, er werde im Fall einer Wahl nach Uhingen ziehen, während Sonja Elineau und Frank Benkart bereits in der Stadt wohnen. Für Projektmanager Frank Benkart (46) ist Kommunalpolitik „die kleinste politische Einheit, bei der man mitentwickeln kann“. Deshalb ließ er sich auch 2019 in den Uhinger Gemeinderat wählen, wo er sich mit der UBU-Fraktion seinerzeit gegen den interkommunalen Gewerbepark Fils im Gebiet Strut aussprach. Wie auch Mitbewerberin Sonja Elineau (47) plädieren Frank Benkart und Philipp Riethmüller (38), derzeit persönlicher Referent bei der Reutlinger Baubürgermeisterin, für mehr Transparenz.

Dafür gebe es unterschiedliche Wege. Frank Benkart sprach sich dafür aus, „Projekte nicht einfach loszutreten, sondern ein Meinungsbild der Bürger abzufragen“. Philipp Riethmüller gestand, er sei „kein Freund von Bürgerentscheiden“. Er habe allerdings gute Erfahrungen gemacht, im Vorfeld Interessenverbände einzubeziehen und notfalls auch einen Plan fallen zu lassen, wenn dieser sich nicht umsetzen lasse. Ein Vorgehen, das auch Diplom-Pädagogin Sonja Elineau (47) begrüßt.

Bürgermeister ist Gemeinderäten dankbar

Den Vorwurf eines Fragestellers, Matthias Wittlinger sei während seines Wirkens in der Vergangenheit „mehr Provokateur als Berater“ gewesen, wies der Bürgermeister zurück. Vielmehr sei er das Ziel von Angriffen gewesen. Mit seiner „hoch kompetenten Mannschaft“ und mit dem Gemeinderat habe man seinerzeit auch die Flüchtlingskrise bewältigt, die Wittlinger als eine seiner größten Herausforderungen der vergangenen Jahre bezeichnete: „Wir hatten eine extrem verunsicherte Bevölkerung. Es gab Rechtsradikale und Morddrohungen gegen die Verwaltung. Ich bin den Gemeinderäten heute noch dankbar, dass sie der Verwaltung den Rücken gestärkt haben.“ Er gab aber auch zu, über die Bürgerbeteiligung zum Thema Gewerbepark Strut „nicht glücklich“ gewesen zu sein. Ach ja – und er sagte klipp und klar auf die Frage, ob er sich für die frei werdenden Posten des Landrats oder Regionaldirektors bewerben wolle: „Das sind Posten, die für mich nicht in Frage kommen.“ Werde er wieder gewählt, werde er die nächsten acht Jahre in Uhingen bleiben, denn er sei gerne hier.

Den Vorwurf, die UBU-Fraktion treibe einen Keil in die Bevölkerung, wies Frank Benkart zurück: „Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Auf die Frage, ob er nicht einen Widerspruch in seiner Handlungsweise sehe, sich im Gemeinderat erst nicht zum zweiten Bürgermeister wählen lassen zu wollen, jetzt aber für den Posten des ersten Bürgermeisters zu kandidieren, stellte Benkart richtig: „Zum zweiten Bürgermeister wurde ich ganz einfach nicht gewählt.“ Arbeitsplätze schaffen will er und versuchen, den Spagat zwischen Wohnraumschaffung und Naturerhaltung zu bewältigen. Er widersprach auch Matthias Wittlinger, der mehrfach betonte, die Stadt habe keine Gewerbeflächen mehr. Tatsächlich seien noch welche vorhanden, die aber nicht für alle Gewerbearten geeignet sein. Man müsse sich im Vorfeld klar werden, welchen Branchenmix man anstrebe. Und Benkart möchte die Stadt wirtschaftlich unabhängig machen von der Autoindustrie

Ähnliche Themen, individuelle Meinungen

Riethmüller bescheinigt Uhingen eine attraktive Lage – was seine Konkurrentin Sonja Elineau bestätigt –, sieht aber noch Potenzial, durch Vermeidung von Verkehr und Steigerung der E-Mobilität die Stadt noch umweltfreundlicher zu gestalten.

Das Thema Verkehr nahm auch bei Sonja Elineau breiten Raum ein. 600 öffentliche Parkplätze in der Stadt sind für sie zu viel, und ihre Vision sieht eine verkehrsberuhigte Zone in der Stuttgarter Straße vor. Zudem will sie als Bürgermeisterin bis 2030 Uhingen zur klimaneutralen Stadt machen.

Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bürgerfreundlichkeit, Ökologie, Umweltschutz: Das sind Themen, die jeder der Kandidaten auf seiner Agenda hat. Wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und differenzierter Umsetzung.

Die Filstalwelle übertrug die dreistündige Kandidatenvorstellung per Live-stream ins Internet. Bis zur Schließung der Wahllokale am 18. April 2021, 18 Uhr, kann die Veranstaltung unter anderem auf der Website des Stadt Uhingen angesehen werden.




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