Christoph Jäger hört nach 24 Jahren in Großerlach auf – vielleicht um sich seiner Leidenschaft als Liedermacher zu widmen. Wer wird sein Nachfolger? Foto: Gottfried Stoppel
In gleich drei Rathäusern im Schwäbischen Wald wird ein Wechsel an der Rathausspitze vollzogen. Die Amtsinhaber haben ihre Kommunen zusammen über 79 Jahre geprägt. Zwei Nachfolger sind bereits gewählt.
Dieter Zahn ist im Oktober gestorben. Foto: Gemeinde Sulzbach
Aller Voraussicht nach wäre der 63-Jährige, zuletzt der dienstälteste Rathauschef des gesamten Rems-Murr-Kreises, nach dem turnusmäßigen Ablauf seiner Amtszeit im kommenden Jahr auch nicht mehr für eine fünfte Wahlperiode zur Verfügung gestanden und hätte den Weg 2024 für einen Generationenwechsel frei gemacht. Doch damit wäre er nicht der Erste gewesen, der einen erheblichen Umbruch im Oberen Murrtal eingeläutet hätte.
Max Schäfer ist der Nachfolger von Uwe Bossert. Foto: Gemeinde Spiegelberg
Der erste Wechsel an der Spitze eines Rathauses ist bereits vollzogen. Im September wurde der seitherige Hauptamtsleiter Max Schäfer als einziger Kandidat mit 94,3 Prozent der Wählerstimmen zum Nachfolger von Uwe Bossert in Spiegelberg gewählt, im November wurde er ins Amt eingesetzt. Bossert hatte die Geschicke der Gemeinde, die er selbst gerne scherzhaft als den nördlichsten Vorposten der Region Stuttgart bezeichnete, 23 Jahre lang geleitet. Das 24. machte er nur nicht mehr voll, um seiner Kommune zu ersparen, in kürzester Zeit zwei oder drei aufwendige Wahlgänge organisieren zu müssen. 2024 sind in Baden-Württemberg auch Kommunalwahlen. Seine Wiederwahl wäre sicherlich Formsache gewesen. Doch der 58-Jährige betonte, nach fast 40 Jahren im öffentlichen Dienst, davon fast 35 Jahren in Führungsfunktionen, kürzertreten zu wollen.
Veronika Franco Olias ist die Nachfolgerin von Dieter Zahn. Foto: Gottfried Stoppel
Auch die Nachfolgerin von Dieter Zahn steht bereits fest: Veronika Franco Olias hat sich im Dezember überraschend klar gegen drei männliche Mitbewerber durchgesetzt. Sie erhielt gleich im ersten Wahlgang 73,5 Prozent der Stimmen. Die 30-Jährige ist seit Juni 2020 die Ortsvorsteherin des Waiblinger Teilorts Bittenfeld. Wann genau sie den Chefsessel in Sulzbach beziehen kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Franco Olias selbst geht davon aus, dass sie zum 1. Februar wechseln darf.
Fast zeitgleich mit Uwe Bossert hat Christoph Jäger vor 23 Jahren sein Amt in Großerlach angetreten. Im September hatte der 55-Jährige – für viele überraschend – bekannt gegeben, nach Ablauf seiner dritten Amtsperiode nicht mehr für eine vierte zur Verfügung zu stehen. Jäger hatte den Schritt mit einer gewissen Erschöpfung nach vielen Jahren erfüllender, aber auch aufreibender Tätigkeit als Schultes begründet. Auch wenn ihm das Herz breche: „Wenn man erkennt, dass man die nötige Kraft für etwas, das man liebt, nicht mehr aufbringen kann, muss man loslassen“, hatte Jäger, der für die CDU auch seit vielen Jahren ein Mandat im Kreistag hat, in einer Erklärung geäußert. Die Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin ist auf den 28. Januar terminiert.
Lange Zeit hatte nur ein einziger Kandidat seine Bewerbung bekannt gegeben. Melih Göksu „möchte Ihr neuer Bürgermeister werden und mit Demut, Engagement und Einsatz gemeinsam mit Ihnen die Gemeinde voranbringen“, wie er auf seiner Internetseite schreibt. Der 33-Jährige ist seit 2012 im Waiblinger Landratsamt tätig, zuletzt als Mitarbeiter des Fachbereichs Koordination und Planung Flüchtlinge, und seit mehr als zehn Jahren für die Grünen im Bezirksbeirat seiner Heimatgemeinde Stuttgart-Mühlhausen engagiert. Doch kurz vor dem Bewerbungsschluss hat das Kandidatenkarussell in Großerlach dann doch noch einmal Fahrt aufgenommen.
Fünf weitere Frauen und Männer spekulieren jetzt auf den Rathauschefsessel in der rund 2600 Einwohner zählenden Gemeinde: Der gelernte Kfz-Mechaniker und aktuelle Privatier Denis Sipahi (45) aus Backnang, der Wüstenroter FDP-Gemeinderat und Mikrobiologe Kay Theodor Schloe (59), die Großerlacher Industriekauffrau Nicole Feuchter (31), der Verwaltungsbeamte Kevin Dispan (30) aus Marbach am Neckar sowie der Geschäftsführer eines örtlichen Erdbauunternehmens und Containerdienstes, Simon Beck (49), wollen ebenfalls Nachfolger von Christoph Jäger werden.
Christoph Jäger ist auch Musiker. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel
Und Christoph Jäger selbst? Könnte vielleicht weiter an seiner Karriere als Liedermacher feilen. Vor Weihnachten jedenfalls hatte der singende Bürgermeister zusammen mit seinem Freund Sepp Steinkogler ein Video auf der Internetplattform Youtube veröffentlicht, in welchem er seinen neuen Song „Nachhaus zur Weihnacht“ zum Besten gibt. Das Lied erzählt die Geschichte eines Lkw-Fahrers, der an Weihnachten arbeiten muss und dabei eine tiefe Sehnsucht in sich verspürt, rechtzeitig am Abend bei seiner Familie anzukommen, die er so sehr liebt. Es könnte auch Jägers Abgesang auf demnächst 24 Jahre als Bürgermeister sein.
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