Bürgerversammlung in Leinfelden-Echterdingen Bürgermeister Ludwig drosselt Höchstgeschwindigkeit

Die Verwaltungsspitze mit (v.r.) Foto: Norbert J. Leven
Die Verwaltungsspitze mit (v.r.) Foto: Norbert J. Leven

Die Bürgermeisterin spricht erstmals öffentlich über ihre Idee von einer Mobilitätsstrategie. Gemeinderat und Bürger sollen gemeinsam am Leitbild arbeiten.

Filder-Zeitung: Norbert J. Leven (njl)
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Leinfelden-Echterdingen - Der Oberbürgermeister war zufrieden. Roland Klenk freute sich am Mittwochabend über einen guten Besuch der Bürgerversammlung, bei der erstmals vorab Bürger die zu behandelnden Themen bestimmt hatten (wir berichteten). „Ich habe den Abend als sehr positiv empfunden“, resümierte er nach zweieinhalb Stunden im Walter-Schweizer-Kulturforum. Etwa jeder tausendste Einwohner hatte sich bei der Verwaltung mit Anregungen gemeldet. Das Hauptinteresse lag bei Verkehrsfragen. Denen widmete sich die Verwaltungsspitze in Statements und in der Diskussion mit Bürgern ausführlich.

Mobilitätsstrategie

Die seit 100 Tagen amtierende Erste Bürgermeisterin Eva Noller hat die Bürgerversammlung genutzt, um ihre in einem Interview mit der Filder-Zeitung erstmals angekündigte Mobilitätsstrategie für Leinfelden-Echterdingen näher zu erläutern. Ihrer Analyse zufolge ist L.-E. „eine der am besten erschlossenen Städte des Landes“, aber eben auch „stark belastet“. Den schon einige Jahre zurückliegenden Verkehrserhebungen zufolge beträgt die Quote des Durchgangsverkehrs nur rund acht Prozent, die des Ziel- und Quellverkehrs 61 und die des Binnenverkehrs etwa 31 Prozent. Bei letzterem will die Bürgermeisterin ansetzen, etwa mit einer besseren Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsarten und einer „Kommunikation der Möglichkeiten“. In einem Diskussionsprozess will die Bürgermeisterin in den kommenden Monaten gemeinsam mit dem Gemeinderat und interessierten Bürgern ein „Leitbild zur Entwicklung eines stadtverträglichen Verkehrs entwerfen“.

Verkehrssicherheit

Bürgermeister Alexander Ludwig, in dessen Ressort die Verkehrssicherheit fällt, hat die Bürger bei der Versammlung mit zwei Ankündigungen überrascht. Eine davon betrifft die Hauptstraße in Echterdingen zwischen der Lammkreuzung und der Tübinger Straße und die Echterdinger Straße in Leinfelden zwischen der Markomannenstraße und der Bahnhofstraße: Auf diesen Abschnitten wird künftig aus Gründen der Verkehrssicherheit die Höchstgeschwindigkeit auf 40 Kilometer pro Stunde gedrosselt. Die andere Ankündigung betrifft die Verkehrsüberwachung. Dabei werde das Ordnungsamt einen Strategiewechsel hin zu mehr mobiler Tempokontrolle vollziehen, sagte Ludwig, nachdem aus dem Publikum Unverständnis über eine seit Monaten erblindete Blitzanlage in Leinfelden geäußert worden war. Er kündigte auch nächtliche Kontrollen auf Hauptstraßen an.

Nord-Süd-Straße

Kritik äußerten in seltener Einigkeit Achim Weinmann (Unteraicher Bürger) und Claudia Moosmann (Lebenswertes L.-E.) am Verzicht auf die Umsetzung der Nord-Süd-Straße wie auch der Verbindung vom Gewerbegebiet Leinfelden zum Kreisel Stuttgarter Straße/Rohrer Straße/Bahnhofstraße (Nordspange). Oberbürgermeister Klenk verteidigte die im vergangenen Jahr vom Gemeinderat getroffene Entscheidung, dieses Projekt aus der Finanzplanung herauszunehmen. Eine Entlastung sei nur bei Realisierung des Gesamtkonzepts zu erzielen: „Wir haben erkennen müssen, dass die Straßen nicht finanzierbar sind.“ Seine Haltung habe sich inzwischen grundlegend geändert: „Die Straße ist ökologisch hochgradig fragwürdig“, sagte Klenk. Weinmann bezeichnete das Nichtplanen als „verheerend“, Moosmann die „Kurverei“ über den gefährlichen Bahnübergang an der Hohenheimer Straße als „Zumutung“.

Filderhalle/Kinoturnhalle

Der Oberbürgermeister will nach Abschluss des Architektenwettbewerbs Anfang Februar die Planungen für den Ausbau und die Sanierung der Filderhalle öffentlich vorstellen und auch mit den Bürgern darüber diskutieren. Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte er, dass ein Ersatz für die unter Umständen entfallende Kinoturnhalle voraussichtlich nicht zeitgleich zu realisieren sei. „Dem Sport soll aber nichts genommen werden, was er hat und was er braucht“, sagte der OB. Als Ersatzstandort gerät offenbar das Schulgelände des Immanuel-Kant-Gymnasiums in den Fokus. Die Verwaltung prüfe, sagte Klenk, ob ein Andocken an die bestehende IKG-Sporthalle möglich und sinnvoll sei.




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