Bürgerwerkstatt für Baugebiet Korntal West Damit es im dritten Anlauf klappt

In der weiß umrahmten Fläche soll das Baugebiet Korntal West entstehen. Foto: Kuhnle
In der weiß umrahmten Fläche soll das Baugebiet Korntal West entstehen. Foto: Kuhnle

Der Gemeinderat von Korntal-Münchingen hat der Bürgerwerkstatt für das Baugebiet Korntal West offiziell zugestimmt. Damit sollen Bürger aus der Stadt frühzeitig in die Gestaltung des Viertels einbezogen werden. Hintergrund: Die Planungen zum Baugebiet erhitzen seit 30 Jahren die Gemüter in der Stadt.

Strohgäu: Annegret Jacobs (jac)
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Korntal-Münchingen - Der Zufallsgenerator scheint in Korntal-Münchingen eine leicht gemeinderatliche Ausrichtung zu haben: „Ich bin von der Stadt angeschrieben worden“, bekannte der SPD-Fraktionssprecher Egon Beck am Donnerstagabend im Gemeinderat. Auch Ralf-Uwe Johann, der Technische Beigeordnete, hat Post bekommen. Insgesamt 1000 willkürlich ausgesuchte Bürgern sind in dieser Woche von der Kommune schriftlich gefragt worden, ob sie an der Bürgerwerkstatt zu Korntal-West teilnehmen wollen.

Diese findet am 22. Juni im Foyer der Realschulmensa in Korntal statt. Das Verfahren soll Bürgern die Möglichkeit bieten, frühzeitig Einfluss auf die Struktur des geplanten Baugebiets zu nehmen – bevor der Bebauungsplan aufgestellt wird. Diskutiert werden soll über Themen wie Wohnungsnutzung und soziale Infrastruktur, Grün- und Freiflächengestaltung sowie Mobilität. Soll es Häuser mit Innenhöfen geben? Wie stark kann das Gebiet verdichtet werden? Wie soll der Übergang zwischen der Bebauung und den Feldern gestaltet werden?

75 Teilnehmern bietet des Werkstattverfahren Platz

Insgesamt gibt es in dem Verfahren 75 Plätze in drei Arbeitsgruppen. Neben den zufällig ausgewählten Bürgern sind die Kaufinteressenten eingeladen sowie die Besitzer von Grundstücken im geplanten Baugebiet, zudem Mitglieder des Jugendgemeinderates, der Kirchen und aus Agenda-Gruppen. Auch Gemeinderäte und Experten aus der Verwaltung werden dabei sein – allerdings als passive Teilnehmer mit beratender Funktion.

Warum ein so aufwendiges Beteiligungsverfahren für ein Baugebiet? Korntal-West sei ein „durchaus sensibler Ort“, begründet der Bürgermeister Joachim Wolf. Bereits zweimal sind die Pläne gescheitert, das rund zehn Hektar große Areal im Westen Korntals aufzusiedeln. Unter anderem hatten Anwohner mehr Lärm und Verkehr durch das Baugebiet befürchtet – schließlich werden je nach Ausgestaltung des Gebietes mehr als 800 Menschen zuziehen. „Deswegen wollen wir so transparent wie möglich vorgehen.“

Die Entscheidungen trifft der Gemeinderat

Wolf betonte jedoch auch: Ergebnis der Werkstatt könnten nur Empfehlungen sein. Der Gemeinderat habe das Verfahren vorbereitet, „und der Gemeinderat wird am Ende auch die Beschlüsse fassen“. Über die Sommerferien werde die Verwaltung die Ergebnisse zusammenfassen und dem Gemeinderat vorlegen. Zwei Bürger, die an dem Werkstattverfahren teilgenommen haben, sollen Teil der Jury des sich anschließenden städtebaulichen Wettbewerbs sein. Martin Hönes von der CDU erinnerte daran, dass bereits seit 30 Jahren von Korntal-West gesprochen werde und viel Geld in erfolglose Planungen geflossen sei. „Wir hoffen, dass die Bürgerwerkstatt zu geringer Frustration auf beiden Seiten führt.“ Die SPD und die Freien Wähler stimmten dem Werkstattverfahren ebenfalls zu. Auch die Grünen, die das Baugebiet lange nicht wollten, weil sie lieber die Stadt nachverdichtet sehen, stimmten für das Werkstattverfahren. „Wir begrüßen es, dass die Bürger so Einfluss auf die Planungen nehmen können“, sagte Eva Mannhardt. Auch die FDP stimmte zu, wenngleich Peter Ott kritisch anmerkte, dass er sich an der städtebaulichen Vorgabe „hohe Verdichtung“ stoße. „Wenn wir junge Familien dort ansiedeln wollen, müssen wir auch Ein- und Zweifamilienhäuser zulassen“, sagte er.

Die Bodenordnung ist ein strittiger Punkt

Mehreren Gemeinderäten lag daran, dass die Frage der Bodenordnung nicht im Werkstattverfahren behandelt und vor dem Planungswettbewerb entschieden wird. „Das sollten wir vorher tun“, sagte etwa Eva Mannhardt. Denn die Frage, wie die Stadt die Grundstücke für das Baugebiet aufkaufen wird, ist ungeklärt. Fakt ist, dass die Kommune mit rund 120 Eigentümern verhandeln muss – und je nach Lage schon die Weigerung eines einzigen, zu verkaufen, die Pläne zunichte machen kann. Bislang hat die Stadt noch nicht alle Grundstücke erworben.

Damit ist Korntal-West keine beschlossene Sache. Dies betonte auch der Bürgermeister. „Wenn ein Konzept in vernünftiger Weise nicht möglich ist, nehmen wir davon Abstand. Es gibt für uns noch einen Weg zurück“, sagte Wolf.




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