Bundesgartenschau: Gold für Doppelgrab Wie gestaltet man ein schönes Grab?

Claus Birkle (links) lieferte den Stein, Georg Krämer (Mitte) und Alexander Weis die Bepflanzung. Foto: Ines Rudel

Eine würdevolle Ruhestätte braucht den richtigen Grabstein, der durch die Bepflanzung zur Geltung gebracht wird. Bei der Bundesgartenschau Mannheim gewannen mehrere Handwerker aus dem Kreis Esslingen Gold für ihre Grabeskünste.

Eine Symbiose zwischen Bepflanzung und Stein. So sieht laut Friedhofsgärtner Alexander Weis ein gelungenes Grab aus. „Der Stein sollte im Vordergrund stehen und betont werden.“

 

Im Rahmen der Bundesgartenschau Mannheim konnte seine Friedhofsgärtnerei Merk-Weis in Ostfildern in einer Ausstellergemeinschaft mit der Gärtnerei Krämer aus Stuttgart eine Goldmedaille und einen Ehrenpreis für die Gestaltung eines Doppelgrabes gewinnen. „Es sind quasi die Bundesmeisterschaften für Gärtner“, sagt Georg Krämer. „Man will zeigen, was man kann. Die Arbeit ist vergleichbar mit der an einem Meisterstück oder bei einer Konditoren-WM. Solche Torten backt auch niemand im Alltagsgeschäft.“

Ein Gedenkplatz zum Wohlfühlen

Beide Gärtner leiten Familienbetriebe, die seit mehreren Generationen bestehen, und sind in den Beruf hineingewachsen. Die Arbeit an Gräbern ist vor allem eine emotionale Angelegenheit, bestätigen beide. Natürlich gebe es eine Gestaltungslehre für Gärtner: Auf Proportionen und den goldenen Schnitt komme es an. Weis erklärt: „Die Bepflanzung auf einem Grab ist in drei Teile untergliedert: Eine grüne Bodendecke macht ungefähr 60 Prozent der Fläche aus. Das sogenannte Rahmengehölz, das bezeichnet Bäume auf dem Grab, sollte 25 Prozent ausmachen. Diese beiden Elemente bleiben das ganze Jahr gleich. Dazu kommt die Wechselbepflanzung: der blühende Teil des Grabes, der passend zur Jahreszeit gestaltet wird.“ Aber das seien nur Richtwerte. In erster Linie sei es eine emotionale Sache: „Ein Grab rational zu denken geht nicht“, sagt Krämer. Es sei ein Ort zum Trauern, an dem man sich zu Hause fühlen wolle. Der Tod erzeuge eine Leere, wo dieser Mensch gewesen sei. Diese Leere wolle man füllen. „Man muss darauf achten, wie die Leute sprechen. Sie sagen meist: Ich gehe zu Opa auf den Friedhof, nicht: Ich gehe zum Grab“, sagt Krämer.

Auch der Stein kommt aus Esslingen

Beim Wettbewerb habe man an leeren „Wettkampfgräbern“ gearbeitet. Per Losverfahren bekommen die Teilnehmer einen Stein zugeteilt. Ihrer war zufällig der des Steinmetzes Claus Birkle aus Esslingen. In einer Ausstellergemeinschaft nahm Birkle zusammen mit Martin Krumm teil, der für die Metallarbeiten zuständig war. Alle Steine, vier an der Zahl, hätten eine Auszeichnung erhalten: einer Gold, zwei Silber, und einer erhielt Bronze. Sein Mitarbeiter Martin Klein steuerte Entwürfe bei.

Das Wichtigste bei der Wahl eines Grabsteins ist für ihn der Individualismus. Inzwischen gebe es quasi alles: abstrakte und klassische Designs in freier Kombination mit Edelstahl oder Glasarbeiten. „Es kommt auf die eigene Ästhetik an“, sagt Birkle. Der Stein solle die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegeln und müsse sich einfach gut anfühlen. „Gräber sind Denkmale für Verstorbene, aber der Hinterbliebene muss sagen können: Ich fühle mich hier wohl.“ Der Stein, der mit Gold ausgezeichnet wurde, ist der, der auf dem Wettkampfgrab von Krämer und Weis steht. Ein schlichtes Monument mit zimtfarbenen Farbverläufen und einer Metallkonstruktion, die über den Stein hinaus in einem rechten Winkel in den Boden verläuft.

Im Frühjahr darf es bunt sein

Durch diesen Bogen pflanzten die beiden Gärtner einen Weg aus Farn. „Ein Symbol, dass der Lebensweg über den Tod hinausführt“, erläutert Krämer. Dazu ein buntes Blumenarrangement: „Wir haben die Farben des Steins und die Form des Bogens aufgegriffen. Die Form haben wir aber aufgebrochen. Das Metall verläuft rechtwinklig, und die Bepflanzung hat im Kontrast eine organische Rundung“, so Weis. Für die Wahl der Pflanzen erhielten sie den Zusatzpreis für bienenfreundliche Wechselbepflanzung. Eine natürliche Bepflanzung sei gerade jüngeren Menschen wichtig. „Früher gab es Leute, die mit einem Eimer warmem Wasser den Stein geschrubbt haben. Das gibt es heute nicht mehr“, so Krämer. Im Frühjahr dürfe es gerne bunt sein. Meist erhielten die Gärtner freie Hand in der Gestaltung der Gräber, die sie für Kunden pflegen und gestalten. Goldlack, Vergissmeinnicht, Androsacea und Violen empfiehlt Weis als Wechselbepflanzung. Als Rahmengehölz sei an Ahorn schön der Jahresverlauf zu sehen. Für den Sommer müsse man beachten, dass die Pflanzen die trockenen Sommer verkraften. Sukkulenten würden sich hierfür beispielsweise eignen. Auch auf ihrem Schaugrab folge bald der Wechsel zur Sommerbepflanzung. Danach werde es von einer Jury neu bewertet. Wer sich das prämierte Grab selbst anschauen möchte: Noch bis zum 8. Oktober ist es auf der Bundesgartenschau Mannheim zu besichtigen.

Informationen über die letzte Ruhe

Bundesgartenschau
 In diesem Jahr findet die 23. Gartenschau vom 14. April bis zum 8. Oktober in den Mannheimer Stadtbezirken Freudenheim und Käfertal statt. Dort gibt es auch den Themenschwerpunkt Schaugräber. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite www.buga23.de.

Erdbestattungen
 Neben Erd- und Feuerbestattungen sind keine weitere Formen in Deutschland zulässig. Das klassische Sargbegräbnis ist im Rückgang. Deutschlandweit werden nur noch 25 Prozent der Menschen auf diese Weise beerdigt. Der Rest wird feuerbestattet. Im Kreis Esslingen sieht es ähnlich aus: Hier werden 70 Prozent der Menschen in Urnen beerdigt. In Plochingen sind es sogar 80 Prozent. In katholischen Region ist der Anteil der Erdbestattungen höher.  

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