Bundesverband Windenergie bilanziert Windräder immer höher und stärker
Der Ausbau der Windkraft ist im ersten Halbjahr 2021 kräftig gestiegen, aber laut Bundesverband Windenergie noch nicht genug. Baden-Württemberg liegt auf Platz fünf.
Der Ausbau der Windkraft ist im ersten Halbjahr 2021 kräftig gestiegen, aber laut Bundesverband Windenergie noch nicht genug. Baden-Württemberg liegt auf Platz fünf.
Stuttgart - Der Ausbau der Windkraft in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2021 um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt, insgesamt sind auf dem Festland 240 neue Anlagen errichtet worden mit einer Gesamtkapazität von 971 Megawatt. Diese Zahlen sind am Dienstag von Bundesverband Windenergie vorgelegt worden, einem Verbund von Herstellern. Am stärksten war der Zubau in Niedersachsen (plus 22 Prozent) sowie in Brandenburg (plus 17 Prozent). In fünf Bundesländern – darunter die Stadtstaaten, aber auch im Saarland und in Sachsen – ist im ersten Halbjahr kein einziges neues Windrad in Betrieb genommen worden. Baden-Württemberg liegt mit 21 neuen Windenergieanlagen (Gesamtleistung 85 Megawatt) immerhin auf dem fünften Platz.
Die windreichen Küstenländer sind bei der Windkraft traditionell führend. Von den insgesamt rund 56 000 Megawatt Leistung, die die rund 30 000 Windräder in Deutschland erzeugen, kommen fast 12 000 Megawatt aus Niedersachsen, dem Spitzenreiter, gefolgt von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Der Beitrag von Baden-Württemberg mit seinen 842 Windrädern, die rund 1700 Megawatt erzeugen, ist da relativ bescheiden. Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) reagierte dennoch erfreut auf die neuesten Zahlen und den Platz fünf für das Land: „Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Sie zeigt, dass wir im Land die Energiewende hin zu sauberem Strom weiter ehrgeizig vorantreiben.“ Die Zahlen könnten „uns alle“ motivieren, noch mehr Strom aus Solar- und Windenergie zu erzeugen, um schädliche Treibhausgasemissionen spürbar zu drücken. Mit der ersten Überarbeitung des Klimaschutzgesetzes sei dafür die Grundlage gelegt, zwei Prozent der Landesfläche sollten künftig für Windenergie und Freiflächen-Fotovoltaik reserviert werden.
Laut Bundesverband Windenergie gibt es ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. So stammen nun 41 Prozent der installierten Windkraftleistung aus den Küstenländern, 44 Prozent seien den Ländern in der Mitte Deutschlands zuzuordnen und 15 Prozent entfielen auf die windschwächeren Standorte im Süden. Deutlich wird aus der neuesten Statistik auch, dass die neuen Windkrafträder immer stärker und größer werden: Jede zweite Anlage hat bereits eine Leistung von mehr als vier Megawatt, die leistungsstärkste der im ersten Halbjahr installierten Anlage hatte eine Nennleistung von 5,7 Megawatt. Die durchschnittliche Leistung ist um fast 20 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Gesamthöhe von Windrädern wuchs auf 207 Meter (plus sechs Prozent), die Nabenhöhe auf 140 Meter (plus vier Prozent) und der Rotordurchmesser auf 135 Meter (plus elf Prozent).
Trotz der positiven Zahlen äußerte sich Hermann Albers, der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, unzufrieden: „Das erneute Marktwachstum reicht nicht aus, um die Zielvorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von knapp 4000 Megawatt pro Jahr zu erfüllen.“ Aufs Jahr 2021 gerechnet erwartet der Verband nur einen Zubau von 2200 bis 2400 Megawatt Leistung bei der Windkraft. Schaut man auf das deutsche Klimaschutzgesetz – mit dem Ziel von 65 Prozent CO2-Minderung bis 2030 – dann müsste der Brutto-Zubau an Windkraftleistung laut Albers sogar bei 5000 Megawatt in Deutschland liegen. Der Zubau an Windkraft werde durch „mangelnde Flächenausweisungen, unsäglich verkomplizierte Genehmigungsprozesse und den ungeklärten Artenschutzkonflikt“ gebremst.