Bundesverdienstkreuz für Plieninger Tausendsassa Folker Baur kann nicht aufhören zu helfen

Folker Baur ist für sein langjähriges und vielfältiges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden. Foto: Torsten Schöll

Das Land Baden-Württemberg würdigt das soziale Engagement des langjährigen Vorsitzenden des TV Plieningen mit dem Bundesverdienstkreuz.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat kürzlich 18 Männer und Frauen aus Baden-Württemberg für ihr großes soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Einer davon ist der wahrscheinlich bekannteste Bürger Plieningens: Folker Baur. Sein ehrenamtliches Engagement hat schon in früher Jugend begonnen und endet auch mit 73 Jahren noch längst nicht. Wo anfangen und wo aufhören?

 

Folker Baur scheint ein Tausendsassa zu sein, einer dieser Menschen, deren Tage zumindest zeitweise mehr als 24 Stunden zu haben scheinen: Seit mehr als 30 Jahren führt der ehemalige Handballbundesliga-Spieler den Turnverein Plieningen als Vorstand. Als Betreiber eines Sportgeschäfts engagierte er sich viele Jahre lang im Plieninger Handels- und Gewerbeverein und förderte unter anderem tatkräftig die Bildungspartnerschaft zwischen der Körschtalschule und den örtlichen Betrieben.

Damit nicht genug: In diesem Jahr organisiert Folker Baur, wie in all den Jahren zuvor, das Hohenheimer Schloss-Radrennens, dieses Jahr bereits zum 26. Mal. Und nebenbei bringt sich der Pensionär in der Flüchtlingshilfe ein oder sammelt Spenden für Plieninger, denen es am Nötigsten fehlt. Die Liste der Aufgaben, die sich Folker Baur selbst stellt, ließe sich nahezu beliebig fortsetzen. Einer, der das Bürger-Sein als ein Nehmen und Geben versteht. Warum das alles? Baur muss nicht lange überlegen, wenn er nach Gründen für sein ehrenamtliches Engagement gefragt wird: „Es ist mir einfach eine Herzenssache zu helfen“, sagt er. In seiner Jugend habe er selbst viel Unterstützung erfahren. „Das möchte ich wieder zurückgeben“, betont der 73-Jährige. Für seinen Einsatz in Sport und Verein wurde Folker Baur bereits 2014 von der Stadt Stuttgart mit dem Titel „Sportpionier“ ausgezeichnet. Sein vielfältiges soziales Engagement fand nun durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes seine krönende Würdigung.

Ehrenamtliches Engagement ist für ihn eine Herzenssache

Angefangen habe alles mit 18 Jahren, als er im TV Plieningen als Handballer seine erste Jugendmannschaft trainiert und betreut habe, erzählt Folker Baur. „Seitdem hat es nicht mehr aufgehört.“ Als Betreiber seines Sportgeschäfts in der Filderhauptstraße, das er vor etwa zwei Jahren altersbedingt geschlossen hat, habe er, wie er sagt, auch viel von dem Leid anderer im Stadtbezirk erfahren. Das Geschäft, eine echte Institution in Plieningen, war auch Anlaufstelle für so manchen, der ein offenes Ohr suchte.

Er nutzt sein Netzwerk im Stadtbezirk

„Kinder liegen mir besonders am Herzen“, sagt der Pensionär. Mit Hilfe der von ihm in Plieningen mitinitiierten Initiative „Martins Mantel“ konnten beispielsweise vor kurzem Kinder einer ägyptischen Flüchtlingsfamilie, die im Plieninger Sportverein aktiv sind, mit Trainingsanzügen ausgestattet werden. Sein Netzwerk in der Kommunalpolitik nützte er auch, als er vorschlug, ein leer stehendes Hotel im Stadtbezirk zu einer Flüchtlingsunterkunft umzufunktionieren. Vorgeschlagen wurde er von Sabine Reith, der ehemaligen Vorsitzenden des Bürgervereins Plieningen – ohne sein Wissen. „Ja, ich war sehr überrascht“, sagt der Vorstand des TV Plieningen. Doch wichtiger als die Auszeichnung, ergänzt er, sei ohnehin das, was man tut.

„Wenn man hilft, bekommt man sehr viel zurück“

Weitermachen will er, solange es die Gesundheit zulässt. Vor allem die Organisation des Schloss-Radrennens verlange viel Zeit und Engagement. „Da muss ich von Jahr zu Jahr sehen, wie es weitergeht.“ Ohne Baur, so viel ist klar, wird es auch kein Radrennen in Hohenheim mehr geben.

„Meine Frau fragt mich manchmal, ob ich für alle da sein muss“, sagt Folker Baur. Doch so sei es eben: Er könne nicht aus seiner Haut. Wenn er auf dem Plieninger Friedhof, wo Eltern und Bruder begraben liegen, eine Grabstelle mit Pflanzen sieht, die lange nicht gegossen wurden, nehme er eben noch einmal die Gießkanne zur Hand. Seinen Mitbürgern gibt er den Rat, sich selbst einzubringen. „Wenn man hilft, bekommt man sehr viel zurück“, sagt Folker Baur.

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