Bundeswehr-Skandal in Pfullendorf Ein Fachmann für Lehre übernimmt das heikle Kommando

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Nach dem Bundeswehr-Skandal in Pfullendorf soll Carsten Jahnel den Standort wieder auf Kurs bringen. Der Offizier hat viel Erfahrung bei der Ausbildung von Soldaten.

Neuer Kommandeur am Ausbildungszentrum für Spezielle Operationen in Pullendorf: Carsten Jahnel. Foto: Bundeswehr
Neuer Kommandeur am Ausbildungszentrum für Spezielle Operationen in Pullendorf: Carsten Jahnel. Foto: Bundeswehr

Pfullendorf - Carsten Jahnel ist nicht nur Fallschirmjäger, sondern auch ein Offizier mit viel Erfahrung bei der Ausbildung von Soldaten. Mit dem Profil soll er den Standort Pfullendorf wieder auf Kurs bringen. Dass der Kommandeurswechsel in Pfullendorf auf den 1. März fällt, ist natürlich Zufall. Aber es passt nicht schlecht zur Lage in der Pfullendorfer Kaserne, dass der Neustart, den Verteidigungsministerin Ur-sula von der Leyen (CDU) dem Standort verordnet hat, just auf einen Aschermittwoch fällt. Denn dann ist zwar nicht „alles vorbei“, wie es in dem alten Faschingsschlager heißt, aber das närrische Treiben nimmt ein abruptes Ende. Und im übertragenen Sinne soll der neue Kommandeur in Pfullendorf auf seinem neuen Posten ja genau dafür sorgen: Künftig sollen Sanitätslehrgänge wieder ohne anzügliche Unterrichtseinheiten auskommen und Aufnahmerituale mit sexuell oder sonstwie herabwürdigenden Praktiken nicht mehr vorkommen.

Den Job hat von Mittwoch an Oberst Carsten Jahnel, 52. Der gebürtige Oldenburger, der verheiratet ist und fünf Kinder hat, soll die Kaserne aus den Schlagzeilen heraus- und die Ausbildung für Spezialeinheiten der Truppe wieder in ruhigeres Fahrwasser führen. Zu der neuen Aufgabe passt nicht nur, dass Jahnel Fallschirmjäger ist. Er kommt vom Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit in Celle, war zuvor Kommandeur beim Ausbildungsstützpunkt Luftlande/Lufttransport in Altenstadt und hat auf diesen Etappen bereits Erfahrungen als Leiter von Lehranstalten der Truppe gesammelt.

Kommandoübernahme in aller Stille

Jahnel kennt die Personalstrukturen in Ausbildungszentren und weiß, wo es Schwachstellen gibt und wie es zu Reibungspunkten zwischen Hörsaalleitern, Ausbilderteams und Lehrgangsteilnehmern kommen kann. Ab jetzt soll er dafür sorgen, dass es bei Aufklärungs- und Erkennungs-, Planungs- und Führungslehrgängen, bei der Scharfschützen- und Sanitätsausbildung sowie beim Überlebenstraining für Spezialkräfte alles mit rechten Dingen zu geht zugeht.

Anders als im Normalfall übernimmt Jahnel das Kommando von Oberst Thomas Heinrich Schmidt, der im Zuge der Affäre zum Ausbildungskommando des Heeres in Leipzig versetzt wurde, in aller Stille. Üblicherweise geben sich bei solchen Zeremonien die örtlichen Honoratioren, Politiker und Bürgermeister und die Vertreter der Bundeswehr ein Stelldichein. Der Über­gabeappell in Pfullendorf findet wegen des Skandals aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, heißt es in der Pressestelle. Viele Soldaten seien aufgewühlt durch die Vorgänge, heißt es; am Standort soll offenbar zunächst wieder Ruhe einkehren.

Carsten Jahnel ist seit 1985 bei der Bundeswehr. Er ist Fallschirmjäger, hat von Anfang an die Offizierslaufbahn eingeschlagen, 2002 den Generalstabslehrgang abgeschlossen und im kalifornischen Monterey einen Masterabschluss (im Fach: National Security Affairs) gemacht. Er war je zweimal in Bosnien und in Afghanistan im Auslandseinsatz.