Holzgerlingen - Einsam zieht Hänsel durch den See der Burg Kalteneck. Weil es so windig ist an diesem Tag, wirft das Wasser Wellen, gegen die der Schwan kaum anschwimmen kann. Ein bisschen könnte das Wetter für Hänsels Leben stehen: manchmal sehr rau und stürmisch, aber nichts, wodurch sich ein Schwan entmutigen ließe.
Mit seinen vier Jahren ist der Höckerschwan eindeutig paarungsreif. Und weil auf der Burg Kalteneck weit und breit kein weiblicher Schwan in Sicht ist, hat die Stadt Holzgerlingen eine etwas ungewöhnliche Stellenanzeige geschaltet: Der künftigen Schwanendame werden augenzwinkernd „eine unbefristete Anstellung, täglich zwei warme Mahlzeiten und ein traumhaftes neues Zuhause mit großzügigem Burggarten“ versprochen. Welche Schwänin kann da schon „Nein“ sagen?
Happy End in Aussicht
„Mit drei bis vier Jahren sind Schwäne geschlechtsreif“, erklärt Valerie Nußbaum, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Jugend bei der Stadt Holzgerlingen, „sie gehen dann selbst auf Partnersuche.“ Weil Hänsel sich aber im Burgsee so wohl fühlt und die Stadt ihn dort gerne behalten möchte, erzählt Valerie Nußbaum, „möchten wir ihn dabei unterstützen“. Hänsels Ungeduld habe sich bemerkbar gemacht, als er versuchte, über einen Zaun zu fliegen: „Da hat er sich drin verfangen und musste von der Feuerwehr befreit werden.“ Höchste Zeit also, dass der Gefiederte sesshaft wird mit einen Schwänin an seiner Seite. Das könnte sogar schon bald passieren, denn die Stadt ist mit einem Züchter aus Paderborn im Gespräch, der eine vierjährige Schwanendame beherbergt. Aufgrund des Geflügelpest-Alarms im Landkreis habe sich das Kennenlernen der Schwäne verzögert, erläutert Nußbaum, aber jetzt, da der Sperrbezirk aufgehoben ist, könne es losgehen. „Ein Happy End ist in Aussicht“, sagt sie zufrieden.
Hänsel hat einige Schicksalsschläge hinter sich
Das glückliche Ende sei Hänsel Junior gegönnt, der mit seinen jungen Jahren schon einiges erlebt hat. Einst wohnte er gemeinsam mit den beiden Eltern und einem Bruder im Burgsee, der jedoch als Jungtier ertrank: „Er ist beim Gründeln mit dem Schnabel steckengeblieben“, erzählt Valerie Nußbaum. Kurze Zeit später sei die Mutter verstorben. Als Hänsel Junior dann nur noch mit Papa Hänsel im Burgsee lebte und ins paarungsreife Alter kam, gingen die Revierkämpfe los, sodass Vater Schwan über die Tierrettung in ein anderes Gebiet vermittelt wurde. Hänsel Junior bleibt zu wünschen, dass er mit ein wenig Hilfe bald die Gefährtin fürs Leben findet. Oder wie die Stadt in der Kontaktanzeige schreibt: „Alternativ einfach direkt vorbeikommen zum gemeinsamen Turteln und Gründeln.“