Burgstetten Der fotografierende Flieger hilft dem Freibädle

Von Ottmar Letzgus 

Sebastian Schlüter steuert nicht nur riesige Verkehrsjets, sondern kann auch mit der Kamera umgehen. Der Burgstettener unterstützt mit seinen Bildern jetzt ein in Finanznot geratenes Freibad in seinem Heimatort.

Die Mittelformatkamera immer dabei: Sebastian Schlüter auf der Fotopirsch im Erbstettener Freibad. Foto: Gottfried Stoppel
Die Mittelformatkamera immer dabei: Sebastian Schlüter auf der Fotopirsch im Erbstettener Freibad. Foto: Gottfried Stoppel

Burgstetten - Das F ist sein liebster Buchstabe. Mit ihm beginnen zwei Wörter, die für seine beiden großen Leidenschaften stehen: Fliegen und Fotografieren. Ersteres betreibt er nicht am Steuerknüppel eines Allerweltsflugzeugs, sondern im Cockpit des Airbus A 380, des weltgrößten Passagierjets, ,,Das ist mein Traumjob“ sagt dazu der Lufthansapilot Sebastian Schlüter aus der Rems-Murr-Gemeinde Burgstetten.

Das zweite F-Wort benennt seine andere Passion, der er mit Begeisterung frönt, nämlich mit seiner Kamera auf Pirsch zu gehen und zu ungewöhnlicher Zeit nicht alltägliche Motive zu erhaschen.

Über den Wolken lässt er die Finger von der Kamera

Vorweg: wenn der 39-Jährige fotografiert, dann nicht durchs Cockpitfenster, das könnte die Konzentration in der Pilotenkanzel stören, wo eine Vielzahl von Instrumenten, Schaltern und Displays zu beachten und mit 600 Passagieren Safety first oberste Devise ist. Erst wenn das Flugzeug sicher steht und Sebastian Schlüter wieder ein Mann mit voller Bodenhaftung und damit wieder Fußgänger ist, kann er sich uneingeschränkt seinem bildnerischen Tun widmen.

Die Ruhepausen zwischen seinen Langstreckenflügen in alle Welt verschaffen dem fliegenden Globetrotter die nötige Zeit, seinem ambitionierten Hobby nachzugehen. Die von ihm bevorzugten Fotomotive, die findet der Pendler zwischen den Kontinenten Tausende Kilometer entfernt vom heimatlichen Murrtal.

Der Fotograf zeigt das Freibad auch so, wie es kein Besucher kennt

Doch wie vor einiger Zeit kommt es auch vor, dass er hin und wieder auch vor seiner Haustür in Erbstetten eine Szenerie entdeckt, die es ihm wert ist, die Kamera zu zücken. Bei einem Spaziergang, so erzählt er, habe ihn spontan die Idee überfallen, das idyllisch gelegene Freibädle in seinem Wohnort in allen Facetten abzulichten, zwar nicht nur bei fröhlichem Badebetrieb, sondern auch winters, wenn die Badedecken im Schrank ruhen und sich eine Schneedecke im Gelände ausbreitet.

Noch ist Schlüters Fotoshooting, das ihm – so erzählt er – viel Spaß machte, noch nicht ganz abgeschlossen. Der Anlass der Bilderserie hat jedoch seinen Grund: das schnuckelige Schwimm- und Planschparadies ist in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer Sanierung. Die kostet laut der Burgstettener Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz viel Geld, an die 1,8 Millionen Euro. Weil die Kommune, finanziell schwer in Atemnot ist und diesen Betrag nicht allein zu stemmen vermag, hat die Rathauschefin ihre Bürger zu einer Mitmachaktion aufgerufen unter dem Motto: ,,Unser Bädle darf nicht baden gehen“.

Der Erlös soll dem Freibadförderverein zukommen

Da wollte der Wolkenstürmer aus Erbstetten nicht abseits stehen. Ihm schwebt vor, aus der Fotostrecke ein dokumentarisches Bilderbuch zu kreieren. Der Verkaufserlös soll dem Freibadförderverein zufließen, ,,jeder Cent zählt“, sagt die Bürgermeisterin, die nicht will, dass die Freibadfans ihrer Gemeinde irgendwann auf dem Trockenen sitzen.

Für Sebastian Schlüter war das Erbstettener Freibadgelände eine Art fotografische Spielwiese, da stand Tatsachenschilderung im Vordergrund. Längst aber ist es sein Anspruch, seinen Fotos eine künstlerische Note zu geben. Seine Hasselblad-Kamera kreativ zu nutzen, diese Möglichkeit hat sich für ihn geboten, als seine Dienstflüge Kurs Richtung San Francisco und Singapur nahmen.

Schlüters Fotos sollen zum Nachdenken anregen

Kommt er dort an, geht er, so seine Erläuterung, nicht im grellen Sonnenschein auf Motivsuche, sondern in der Phase, da das Tageslicht hinüber gleitet in die Nacht und die Straßenzüge in den beiden Großstädten nach seinem Empfinden einen romantischen Charakter annehmen. Morbide Ecken blendet er nicht aus, Menschen sind auf seinen Bildern nicht zu sehen. Er wolle die Betrachter seiner Aufnahmen zum Nachdenken anregen, begründet er seine Motivwahl.

Man ist auf Sebastian Schlüter aufmerksam geworden. 35 Bilder, aufgenommen von ihm in San Francisco und Singapur, werden derzeit in einer Ausstellung im Freiburger Bahnhofsturm gezeigt, Titel der Bilderschau: Between the light. Bei einem Fotowettbewerb im Vorjahr in der Kategorie Architektur und Stadtlandschaften heimste er Platz zwei ein. Der Mann, der feinfühlig mit Steuerknüppel und Kamera umzugehen weiß und vor der Beförderung zum Flugkapitän steht, peilt bereits sein nächstes Ziel in Übersee an. Der Kompass seines fliegenden Untersatzes zeigt Richtung Los Angeles. Die Häuserschluchten in dieser Millionenmetropole bieten ihm, da ist er sicher, reichlich Motive für eine Fotostrecke nach seinem Gusto.




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