Buschige Augenbrauen Lasst es sprießen!
Schmal war mal! Stattdessen liegen ausdrucksstarke, buschige Augenbrauen bei Frauen voll im Trend. Und wer zu wenig Haare auf der Stirn hat, hilft nach.
Schmal war mal! Stattdessen liegen ausdrucksstarke, buschige Augenbrauen bei Frauen voll im Trend. Und wer zu wenig Haare auf der Stirn hat, hilft nach.
Stuttgart - Wer bislang dachte, Trends und Moden ließen sich ausschließlich an Rocklängen, Frisuren, Jeansweite oder der Größe einer Handtasche ablesen, liegt falsch oder wenigstens nicht ganz richtig. Denn schaut man in die Gesichter, geben diese mindestens genauso Aufschluss über den jeweils angesagten Look wie nacheinander wechselnde Schnitte von Skinny-, Boyfriend- oder Flared Jeans, Schlaghosen zu Deutsch. Gemeint ist jedoch nicht das Make-up, ob mit hell oder dunkel geschminkten Lippen, mattem oder glänzendem Finish, dramatisch geschminkten Smokey Eyes oder einem mandelaugenzaubernden Lidstrich. Nein, Make-up lässt sich mit einem Wisch und Wattepad entfernen und unterliegt den Launen der Stylisten großer Konzerne.
Die Form der Augenbrauen ist es, die im Prinzip wie Jeansschnitte in Dekaden ihre Optik wechseln und den Gesichtern Kontur verleihen – oder eben auch nicht, wenn sie zu kaum mehr erkennbaren Strichen gezupft sind. Seit geraumer Zeit bringen sie aber ein Maximum an Ausdruck auf die Stirn. Den Brauen wird so viel Aufmerksamkeit gewidmet wie noch nie zuvor: Sie werden gegelt, getrimmt und feinste Härchen eingemalt, für lange, üppige Bögen. Einerseits erkennbar an Zigtausend Tutorials im Netz, andererseits an der Augenbrauen-Produktpalette, die in Parfümerien oder Drogeriemärkten mehrere Regalmeter einnimmt.
Schöne Bögen, buschiger Wildwuchs oder schmal gezupfte, kaum mehr erkennbare Striche sorgen entweder für eine natürliche oder eben eine eher künstliche Optik. „Gerade wenn die Stirn hoch ausfällt, sind die Brauen wichtig“, sagt Alexa Moysies, die mit ihren Augenbrauen- und Wimpernwachstumsseren den Weltmarkt beherrscht. In den vergangenen 100 Jahren, sagen wir mal von Marlene Dietrich bis Cara Delevingne, wechselte ihre Erscheinung zwischen schmal und üppig in ähnlichen Zeitabschnitten wie etwa die Hosenbeinweite. Seit dem Einzug von Tiktok, Youtube und Instagram ist der Wechsel jedoch deutlich rasanter, wenn etwa Youtuber ihre Rasierlaune preisgeben oder ein Video von Bella Hadid auf Instagram ihre „Fox Brows“ innerhalb weniger Sekunden zum weltweiten Trend macht. Aber dies sind kurz aufpoppende Moden, während eine bleibt: üppige Bögen.
Nach Strichen dünner als Bleistiftminen in den 60er und 70er Jahren kam Madonna in den 80ern mit üppigem Wildwuchs, man braucht nur das Cover von „Like a Virgin“ hervorholen. Doch danach wurde wieder gezupft, auch rasiert, schließlich der Brauenwuchs in die Haut tätowiert, wenn kein Haar mehr wuchs – bis schließlich 2010 Cara Delevingne mit ihren beinahe an der Nasenwurzel zusammentreffenden Brauen die internationalen Laufstege eroberte. Von Karl Lagerfeld wurde sie damals zur neuen Chanel-Ikone gekürt, die Blondine mit den dunklen, buschigen Brauen.
Alle wollten plötzlich Caras Wildwuchs – ein Trend, der bis heute mit mehr oder weniger auffallenden Störungen aus dem Netz anhält. Trotz Rasur, Bleaching oder Blaufärbung, wie es Georgia May Jagger kurzzeitig vormachte, halten sich ausdrucksstarke Bögen als langlebiger Trend, ob die Beinweite von Jeans wechselt oder nicht.
Doch mit dem Auftritt von Cara merkten viele Frauen nach der jahrelangen Zupferei, dass nichts mehr wächst, wo einst Haare sprossen. Also wurde gemalt, tätowiert und, wenn die Verzweiflung besonders groß war, auch Haare transplantiert. Mit dem Hype um Caras Brauen entwickelten sich die von Alexa Moysies und ihren Eltern damals auf den Markt gebrachten Wachstumsseren des Unternehmens M2Beauté zum absoluten Erfolgsprodukt.
Nach dreijähriger Forschung und Entwicklung brachten sie das Eyebrow Renewing Serum heraus. Heute verkaufen sie ihre Produkte in 40 Länder weltweit und sind Marktführer trotz wachsender Konkurrenz. Die Grundlage ihrer Forschung: „Unsere Seren regen die Follikelbildung in der Haarwurzel an, sodass Wimpern wie Augenbrauen nach sechs bis acht Wochen in ihrem natürlichen Wachstumszyklus zurückkommen können, wo lange kein Haar mehr vermutet wurde“, sagt Alexa Moysies.
Auf der Basis von Acai-Beeren, Hyaluronsäure, Biotin und anderen Wirkstoffen werden die Haarwurzeln zum Wachstum angeregt, erklärt die Kölner Unternehmerin. Aber: Ihre Betonung liegt auf „Können“, denn das Mittel hilft nicht bei krankheitsbedingtem Haarausfall, bestätigen Hautärzte wie die Berliner Dermatologin Natalie Garcia Bartels, die vor einigen Jahren noch das Haarkompetenzzentrum an der Berliner Charité leitete. Erfolge ihres Serums verzeichnet Moysies jedoch nach Chemotherapien oder bei altersbedingtem Haarausfall wie etwa nach der Menopause.
Dichter Wuchs sei auch beim kommenden Trend wichtig: Buschig bleibt, aber blond gefärbt, gebleacht. Ob das schön ist, ob aufgehellte Brauen dem Gesicht Kontur verleihen, bleibt abzuwarten. Tendenziell eher nicht. Aber vielleicht bleibt es ja bei einem Intermezzo à la Lady Gaga, Georgia May Jagger, Bella Hadid – und die schönen Bögen bleiben.