Busverkehr im Kreis Göppingen Keiner will verzichten

Von Klaus Nonnenmacher 

Rund zwei Drittel der Kommunen im Kreis Göppingen haben bereits Stellung zum Entwurf des neuen Nahverkehrsplans bezogen. Der Tenor ist recht eindeutig: Die Verbesserungen werden begrüßt, reichen aber den meisten Gemeinderäten nicht aus. Die Resonanz sei ernüchternd, meint der Nahverkehrsplaner.

Gerade im ländlichen Raum fahren die Busse im Kreis Göppingen bisher  wenig berechenbar. Foto: Horst Rudel
Gerade im ländlichen Raum fahren die Busse im Kreis Göppingen bisher wenig berechenbar. Foto: Horst Rudel

Göppingen - Die Gemeinde Wangen wünscht sich eine reguläre Buslinie nach Rechberghausen, die Raumschaft rund um Bad Boll eine Schnellbusverbindung ohne Umsteigen in Schlierbach nach Kirchheim/Teck im Kreis Esslingen, Uhingen hätte am liebsten eine ganze Fahrzeugflotte, die die Kinder aus den Umlandgemeinden zu den Uhinger Schulen karrt. Albershausen will einen Taktverkehr von und nach Bünzwangen, damit die dortige Schule voll wird. Eschenbach fordert mehr Direktverbindungen nach Göppingen, wobei man die neue Linie Heiningen-Eschenbach-Schlat-Süßen begrüßt, und Heiningen, künftig ein echter Nahverkehrsknotenpunkt im Voralbgebiet mit zahlreichen Umsteigemöglichkeiten, hadert damit, dass die Linie nach Süßen nicht schon vor zehn Jahren eingeführt worden ist, als man selbst noch eine Schule mit Schülern aus Schlat hatte.

Bis Mitte April haben die Kreisgemeinden Zeit gehabt, sich zum ersten Entwurf des integrierten Nahverkehrsplans für den Landkreis Stellung zu nehmen. In einigen Gemeinderäten muss der umfassende Katalog allerdings noch beraten werden. Dort, wo dies schon geschehen ist, fällt aber auch dem Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke auf: „Alles Neue – Vertaktung, bessere Anschlusszeiten oder Kurse – wird begrüßt. Aber auf Bewährtes mag man nicht verzichten.“ Diese Reaktionen seien „ein Stück weit ernüchternd“, so der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Kreis.

Schneller, aber mit Umstieg

Tatsächlich soll der neue Nahverkehrsplan ein großer Wurf werden. Busfahren soll verlässlicher werden. Um die geplanten Fahrzeiten, je nach Route und Tageszeit in Takten von zwei Stunden bis 30 Minuten zu erreichen, müssen hier und da Haltstellen ausgespart oder ganze Linien anders geführt werden. Dadurch ergeben sich zum Teil Umsteigemöglichkeiten, denen aber wiederum Direktverbindungen zum Opfer fallen. Und nicht zuletzt sollen sich die Schulen dem Takt anpassen.

Nahezu rundum zufrieden ist man mit den geplanten Änderungen nur im Mittleren Filstal. Gingen hofft auf den Taktverkehr in Richtung Süßen mit Anschluss an die Bahn und die Busse nach Donzdorf. In Süßen sieht man geplanten Verbindungen nach Donzdorf via Citybus entgegen. Lücken könne man mit den Bürgerbussen aus Salach und Süßen schließen.

Nahverkehrsplan als Füllhorn

„Manche scheinen den Nahverkehrsplan aber für ein Füllhorn zu halten“, sagt Jörg-Michael Wienecke. In Donzdorf etwa wünscht man eine Citybuslinie auch zu den Teilorten und eine Direktanbindung zum Messelberg oder bis Göppingen. Die Ottenbacher ärgern sich, dass die Buslinie künftig auch den Salacher Süden abdeckt und sich somit die Fahrtzeiten verlängern. Kuchen findet den geplanten halbstündigen Takt gut, will aber dafür keine Haltestelle aufgeben. Zell und Aichelberg hätten gerne eine Verbindung zu den Berufsschulen in Nürtingen. Börtlingen vermisst einen Schnellbus nach Lorch und Schwäbisch Gmünd. Und Bad Überkingen ärgert sich, dass diejenigen, die künftig von mit dem Bus ins Obere Filstal fahren wollen, in Hausen umsteigen müssen.

„Mit zehn Millionen Euro mehr geht alles“, kommentiert Wienecke diese Wünsche. Es sei eben nun die große Aufgabe, mit Augenmaß einen Weg zu finden, wie man allen Ansprüchen gerecht werden könne, und – ja – man habe auch noch Fehler im Plan. Diese müssten im weiteren Verlauf ausgemerzt werden.

An die Feinarbeit will Wienecke Mitte des Jahres gehen. Dann wird die eigens dafür geschaffene Stelle im Landratsamt besetzt sein. Eile gibt es nicht. „Fristen für die Umsetzung haben wir uns keine gesetzt. Wir wollen es nicht schnell, sondern gut machen“, sagt Wienecke.




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