Die Erholung stand beim Waldhotel schon immer an erster Stelle. Die idyllische Lage direkt am Waldrand von Degerloch hat es den Menschen auch schon früher angetan – in den 1920er-Jahren erfreute sich das Erholungsheim großer Beliebtheit und ab den 50er-Jahren das Gästehaus. Hier konnte man dem Lärm und der Hektik der Großstadt entfliehen und abschalten. Mittlerweile ist aus dem einstigen Erholungsheim ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit Gourmet-Restaurant geworden, in dem auch gerne mal die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft residiert.
Die große Gartenterrasse wurde schon um 1925 angelegt
Um 1910 pachtete der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) das Grundstück am Guts-Muths-Weg 18. Bereits ein Jahr später ließ der Verein hier ein Sommerhaus samt Nebengebäuden errichten. 1924 wurde mit dem Bau eines Erholungsheims begonnen, das 1925 eingeweiht wurde. Den Entwurf dafür lieferte das Stuttgarter Architekturbüro Klatte & Weigle, das auch noch für Erweiterungen in den Jahren 1927 und 1933 verantwortlich zeichnete, ist aus einer Schrift des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg zu entnehmen. Die Gartenterrasse, die sich noch heute im Süden des Hauptgebäudes ausdehnt, wurde um 1925 herum angelegt. 1933 wurde südlich des Erholungsheims ein Gartensaalbau, der sogenannte Lindensaal errichtet.
Von 1934 an befand sich das Anwesen schließlich 18 Jahre lang im Besitz der Stadt Stuttgart. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das bestehende Ensemble wieder erweitert. 1951 wurden dort Notunterkünfte für Kriegsheimkehrer errichtet. Erst im Laufe des Jahres 1952 konnte das Grundstück mit den Gebäuden vom CVJM wieder genutzt und als Gästehotel betrieben werden. Weil die Bauwerke schließlich den Anforderungen nicht mehr entsprachen, wurden 1979 die bestehenden Bauten saniert. Des Weiteren entstanden der einstöckige Empfangsbereich des Hotels und ein Veranstaltungssaal sowie ein dreistöckiger Neubau mit Gästezimmern. Ab 1981 firmierte das Anwesen unter dem Namen „Waldhotel Degerloch“.
Ein Aushängeschild ist das Restaurant Finch
2007 verkaufte der CVJM das Anwesen an die heutige Eigentümerfamilie Sorensen. „Von 2009 bis 2011 wurde das Hotel geschlossen und zwei Jahre lang von den Grundmauern auf neu renoviert“, erklärt Heike de Boer, die Verkaufs- und Marketingdirektorin des Waldhotels Stuttgart. Da Teile des Gebäudeensembles – wie das ehemalige Erholungsheim und der Lindensaal – unter Denkmalschutz stehen und daher strenge Vorgaben herrschten, war dies recht aufwendig. Im ältesten Teil des Hauses, dem einstigen Erholungsheim, befindet sich heute unter anderem das Restaurant Finch. „Die originalen Holzkassettendecken und die historischen Fensternischen sind erhalten. Die Deckenfarbe der Gauben war vorgegeben – die Vereinsfarben des CVJM“, erklärt de Boer. Auch die Garderobenhaken an den Holzkassettenwänden seien original retro.
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Das Thema „Wald“ spiegelt sich im ganzen Hotel wider – auch im Design. „Wir wollen dem Waldhotelcharakter gerecht werden“, sagt de Boer. Viele Naturmaterialien wie Holz, Stein, Marmor und Glas sind in den Zimmern und in anderen Bereichen des Hauses zu finden. Und auch die Gemälde und künstlerischen Werke im ganzen Hotel widmen sich der Flora und Fauna des Waldes. „Die U-Form des Gebäudeensembles mit der Sonnenterrasse in der Mitte entstand erst im Laufe der Jahre durch einen Anbau. Mittlerweile verfügt das Haus über 94 Zimmer, zwei Suiten und sechs Veranstaltungsräume – darunter einem Ballsaal“, erklärt de Boer. Auf dem mehr als einen Hektar großen Parkgrundstück befindet sich auch ein hoteleigener Tennisplatz.
Die Fußball-Nationalmannschaft als Gast
Von den Vorzügen des Hotels mit Wellnessbereich, ruhiger Lage am Waldrand und Sportmöglichkeiten haben sich auch schon manche Fußballmannschaften überzeugen lassen. So residierte hier unter anderem die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft 2018 und 2021, erklären de Boer und der Hoteldirektor Jörg Grede. Das sei schon ein Höhepunkt und eine Ehre gewesen.
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Während sich das Klientel des Waldhotels zum großen Teil aus Business-Gästen zusammensetzt, hat aber auch die Gastronomie einen hohen Stellenwert. Im Restaurant Finch sowie in den Sälen finden viele Familienfeiern statt. „Die Verbundenheit der Menschen aus der Region zum Waldhotel ist spürbar“ sagt de Boer. „Es gibt immer wieder Paare, die erzählen, dass sie im Waldhotel geheiratet haben, die Tauffeiern ihrer Kinder an diesem Ort zelebrierten und nun auch ihre Goldene Hochzeit hier feiern.“ Es sei ein schönes Gefühl, diese Menschen begleiten zu können, so die Marketingdirektorin.