Cacau in Steinenbronn zu Gast Ex-Stürmerstar plaudert über Fußball und sein Leben

Cacau mit Gisela und Horst Baur, die sich über Cacaus Buch samt persönlicher Widmung freuten. Foto: Jacobi

Beim neuen „Wirtshaus-Talk“ im Steinenbronner Löwen war am Mittwoch der ehemalige VfB-Stuttgart-Profi und deutsche Nationalspieler Cacau zu Gast.

In der Gaststätte gab der 42-jährige Cacau vor rund 60 Zuhörern nicht nur Einblicke in das Leben eines Profifußballers, sondern zeigte auch eine herzliche Offenheit und reichlich Humor. Von Moderatorin Claudia Wandrey ließ er sich geduldig ausfragen. „Ich habe mich sogar verleiten lassen, zu viel zu erzählen“, sagte er hinterher lachend.

 

Cacau hat während seiner aktiven Karriere 346 Pflichtspiele für den VfB Stuttgart absolviert und 109 Tore geschossen. Unvergessen ist vor allem die deutsche Meisterschaft 2007, genauso die WM-Teilnahme 2010. Dabei stammt Claudemir Jeronimo Barreto – so sein vollständiger Name – aus armen Verhältnissen in Brasilien. „Meiner Mutter, die als Putzfrau arbeitete, habe ich sehr viel zu verdanken“, betont der Ex-Profi, der sich selbst im Kleinkindalter „Cacaudemir“ genannt hatte, woraufhin seine Mutter ihn fortan nur noch „Cacau“ rief.

Anfänge beim SV Türk Gücü München

Seine erste Station in Deutschland war 1999 beim damals fünftklassigen SV Türk Gücü München. Über den 1. FC Nürnberg ging es 2003 zum VfB Stuttgart. „Da durfte ich gleich in der Champions League ran“, erinnert sich Cacau. Die Spielzeit 2006/2007 war das „absolute Highlight“ – allerdings mit einem unschönen Ende.

Nach seinem „Tor des Monats“ im August 2006 (gegen Arminia Bielefeld), dem immens wichtigen 3:2-Siegtreffer am vorletzten Spieltag in Bochum und schließlich dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, lief das Pokalfinale eine Woche später nicht wie gewünscht. Zwar gelang Cacau gegen seinen Ex-Klub 1. FC Nürnberg das 1:0, doch nach einer halben Stunde flog er mit Rot vom Platz. Der VfB verlor mit 2:3 nach Verlängerung. „Danach wurde ich beschimpft“, berichtet Cacau. Seine Familie gab ihm Halt. „Und Gott war an meiner Seite“, sagt der gläubige Christ, „er liebt mich sowohl als deutscher Meister als auch als Rotsünder.“

WM-Tor gegen Australien

Und dann war da noch der große Traum Weltmeisterschaft. Seit Februar 2009 besitzt Cacau die deutsche Staatsbürgerschaft. 2010 – ein Jahr nach seinem Debüt im deutschen Nationaltrikot – war es so weit und Cacau „mittendrin bei der WM in Südafrika, die immer meine WM bleiben wird.“ Im Auftaktspiel gegen Australien wurde er eingewechselt und traf keine 120 Sekunden später zum 4:0. „Damals erlebte ich eine Explosion der Gefühle“, berichtete er, „wenn ich das Tor heute ansehe, bekomme ich dieselbe Gänsehaut wie damals.“

Seit gut einem Jahr fungiert Cacau beim VfB Stuttgart als Markenbotschafter. Den aktuellen sportlichen Höhenflug des Teams erfreut den Ex-Profi natürlich – auch wenn er zunächst nur eine sorgenfreie Saison erleben möchte und von mehr gar nicht sprechen will. „Ich hoffe, dass der VfB so früh wie möglich die Punkte holt und über dem Strich bleibt“, sagt er schlicht zum Traumstart in der Bundesliga. Bei seinem Nachnachnachfolger, VfB-Stürmer-Star Serhou Guirassy, reihte er sich in die allgemeinen Lobeshymnen ein. „Die Schwaben würden sagen“, meinte Cacau verschmitzt, „der macht es gar nicht so schlecht.“ Oder anders ausgedrückt: „14 Tore in acht Spielen sprechen Bände.“ Was er an dem 27-Jährigen besonders schätzt? „Er ist ein absoluter Teamplayer und reißt die anderen mit.“

Sechs Stimmen bei der Bürgermeisterwahl

Die Zeit beim VfB Stuttgart hat Cacau nicht nur zu den sportlichen Höhepunkten geführt, sondern ihn auch im Schwabenland sesshaft werden lassen. Seit 2003 wohnt er mit seiner Familie in Korb bei Waiblingen. „Dort fühlen wir uns längst heimisch.“ 2009 erhielt Cacau bei der Bürgermeisterwahl sogar sechs Stimmen. Etwas zögerlich gibt der 42-Jährige zu, dass er sich ein politisches Engagement grundsätzlich schon vorstellen könnte. „Einige Dinge kann man sicher verändern, ich hätte Interesse.“ Mit seiner Frau Tamara hat Cacau drei Kinder und versteht sich als Unterstützer: „Ich erziehe sie nicht für mich, sondern für die Welt.“

Nach dem ausführlichen Gespräch ging es noch zum Torwandschießen. Cacaus Herausforderer war Dirk Rieker, der einst beim TSV Steinenbronn und später im Oberligateam des SSV Reutlingen kickte. Rieker gewann knapp. Deshalb verging Cacau sein strahlendes Lachen aber keineswegs.

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